Der folgende Text ist für die Einfügung
in "Mensch und Realität" Kapitel 6, vorgesehen
6.7 Zwischenbilanz Dezember 2011
Die Abschnitte 6.3-6.5 basieren auf Berichten des IPCC (Intergovernmental Panel for Climate Change) vom Frühjahr 2007; diese reflektieren den Datenstand von 2006. Der fünfte Sachstandbericht wird für 2013 vorbereitet. Nach fünf Jahren erscheint es sinnvoll danach zu fragen welche Fortschritte inzwischen erzielt worden sind.
6.7.1 Verträge und Absichtserklärungen
1992 wurde in Rio de Janeiro die „Klimarahmenkonvention“
abgeschlossen und inzwischen von 192 Staaten ratifiziert, die Basis für
alle weiteren internationalen Be-mühungen. In mehreren Vertragsstaatenkonferenzen
wurden Vorarbeiten für konkrete Verträge geleistet.
Im Jahre 1997 wurde das Protokoll von
Kyoto beschlossen, in 2005 hatten endlich genügend Partner den Vertrag
ratifiziert so dass er in Kraft treten konnte. Im Vertrag verpflichtet
sich eine Gruppe fortgeschrittener Staaten zu bestimmten Reduzierungen
ihrer Treibhausgas- emissionen, die im Zeitraum 2008 bis 2012 erreicht
werden sollen. Die USA, der bis vor kurzem größte Emittent,
haben den Vertrag zwar unterzeichnet aber nicht ratifiziert.
Um eine Fortschreibung des Kyoto-Protokolls unter Einbeziehung der neuen großen Wirtschaftsmächte (China, Indien, Argentinien, Brasilien ...) wurde auf verschiedenen Vertragsstaatenkonferenzen zur Klimarahmenkonvention (COP) und zum Kyoto-Protokoll (CMP) gerungen. Große Erwartungen richteten sich an die Konferenz von Kopenhagen im Dezember 2009. Rechtlich bindende internationale Vereinbarungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen sollten erreicht werden. Trotz – oder wegen? – der riesigen Beteiligung (27 000 Teilnehmer!) wurde dies verfehlt. Immerhin: Das langfristige Ziel „Begrenzung der globalen Temperaturzunahme auf zwei 2°“ wurde bestätigt; die Staaten wurden aufgefordert ihre Emissions-Minderungsziele bis 2020 vorzulegen; die Industrieländern sagten den Entwicklungsländern finanzielle Anpassungshilfe zu.
Die Konferenz in Cancun im Dezember 2010 bestätigte die Ergebnisse von Kopenhagen. Das Kyotoprotokoll soll über 2012 hinaus fortgeschrieben werden. Bis 2050 sollen „substantielle Verringerungen“ der Treibhausgasemissionen erreicht werden; Einzelheiten blieben offen.
Die bislang vorliegenden nationalen Emissions-Minderungsziele bis 2020 verfehlen noch deutlich das für das Einhalten der 2°-Grenze notwendige Ausmaß. Die „mit dem Klingelbeutel“ eingesammelten, unverbindlichen Ziele werden als ausreichend für 3,5° eingeschätzt.
Die Ergebnisse der Konferenz von Durban
im Dezember 2011 wurden von den Verhandlern als großer Erfolg gefeiert,
von den Umweltschutzorganisationen aber als völlig unzureichend kritisiert:
Das Kyoto-Protokoll soll bei der nächsten
Konferenz verlängert werden. Mit noch auszuhandelnden Emissionszielen
wollten sich Länder daran beteiligen die zusammen nur 15% der Treibhausgasemissionen
verantworten (davon EU 11%), Japan und Russland sagten ihre weitere Teilnahme
ab. Zwei Tage nach der Konferenz kündigte Kanada sein Ausscheiden
aus dem bisherigen Protokoll an, um Strafzahlungen für das Nichterreichen
seiner Ziele (genauer: Zwang zum Kauf von Emissionszertifikaten) zu entgehen.
Bis 2015 soll ein Vertrag erarbeitet werden,
an dem auch China, USA und Indien teilnehmen wollen (immerhin!), doch soll
er erst 2020 in Kraft treten, wobei die juristische Form offen ist („...
or an outcome with legal force“ – das internationale Recht kennt den Begriff
nicht).
Damit dürfte das 2°-Ziel endgültig
aufgegeben sein.
6.7.2 Entwicklung der Emissionen
6.7.2.1 CO2 Kohlendioxid
Die Emissionen der Industrialisierten Länder
sind von 1990 bis 2010 um 7,5% gesunken. Aber diese Länder tragen
heute nur noch die Hälfte der Emissionen bei gegenüber Zweidrittel
in 1990. Dagegen sind die Emissionen der sich entwickelnden Länder
kräftig gewachsen, insbesondere die Emissionen der VR China.
Die Finanz/Wirtschaftskrise hat 2009 die
Kurve der Emissionen in den westlichen Industriestaaten etwas einbrechen
lassen, aber schon in 2010 wurde ein Emissionsrekord erzielt und die alte
Trendlinie fast erreicht.
Langzeittrends der CO2-Emission
(Quelle: PBA: Long-term trends in global
CO2 emissions, 2011 report)
China hat mit seinen CO2-Emissionen die USA überholt. China nähert sich auch in seinen Pro-Kopf-Emissionen schnell den Industriestaaten an. Es investiert zwar stark in Wind- und Sonnenkraft, verlässt sich aber noch auf Kohle als primäre Energiequelle. Indien und Indonesien liegen in den Pro-Kopf-Emissionen noch zurück; wenn sie aufholen wird sich auch ihre Gesamtemission vervielfachen.
Langzeittrends der CO2-Emission
(Quelle: PBA: Long-term trends in global
CO2 emissions, 2011 report)
Diese Beobachtungen machen wenig Hoffnung dass sich der globale Trend kurzfristig umkehren und die Emissionen so sinken werden wie es zum Einhalten der 2°-Grenze notwendig ist.
CO2 kumuliert in der Atmosphäre (Halbwertzeit rund 100 Jahre). Der beobachtete Anstieg des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre ist ungebrochen:
CO2-Gehalt der Atmosphäre – Historie
und aktuelle Entwicklung
(Quelle: NASA http://climate.nasa.gov/keyIndicators)
6.7.2.2 Methan
Methan wird in der Diskussion leicht vernachlässigt. Dabei ist es nach dem CO2 das zweitwichtigste anthropogene Treibhausgas (aus Haltung von Wiederkäuern, Reis-anbau, Mülldeponien, Abwasseraufbereitung, Öl- und Gas-Gewinnung/Transport ...). In den 1990er Jahren und in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts schienen sich nach dem steilem Anstieg vom vorindustriellen Niveau die Methanemissionen und der Methangehalt der Atmosphäre zu stabilisieren. Um 2005 aber begann ein neuer Anstieg der Emissionen und entsprechend eine Zunahme der Konzentration in der Atmosphäre. Zugleich wurden neue Erkenntnisse über das Entweichen von Methan aus tauendem Permafrost bekannt. Die Treibhauswirksamkeit des atmosphärischen Methans wird wegen Zusammenwirkens mit Aerosolen höher eingeschätzt.
Die US-Environmental Protection Agency gibt 2011 in einem Draft-Paper die folgende Entwicklung an:
Äquivalente Methan-Emissionen (Datenquelle:
EPA 2011)
Mit den wieder zunehmenden Emissionen steigt heute auch die Konzentration in der Atmosphäre wieder an:
Konzentration von Methan in der Atmosphäre
(Quelle: NOAA)
6.7.3 Klimaveränderungen
Angesichts der steigenden, in der Atmosphäre kumulierenden Treibhausgasemissio-nen kann nicht überraschen dass die Indikatoren der Klimaveränderung immer deutlicher werden.
Die Temperaturen steigen weiter:
Entwicklung der Globalen Oberflächentemperatur
(Quelle: NASA)
Das arktische Eis schmilzt immer schneller:
Abnahme des arktischen See-Eises – Sommerliches
Minimum im September
(Quelle: NASA)
.
.
Schwindendes Inlandeis und Endmoräne
bei Kangerlussuaq, Grönland, 2008
(Quelle der Grafik: NASA
Fotos: Klug)
.... und der Meeresspiegel steigt:
Anstieg des Meeresspiegels (Quelle: NASA)
Das auffällige Absinken des Meeresspiegels in 2010/2011 wird mit Einflüssen von El Nina erklärt. (Der Meeresspiegel ist im Pazifischen Ozean deutlich gefallen, im Indischen Ozean und im Atlantik liegen die Schwankungen in der gleichen Zeit im gewohnten Bereich.)
6.7.4 Zusammenfassung
Die gegenwärtige Situation gibt keinen
Anlass zu überschäumendem Optimismus. Im Gegenteil: Wir sollten
uns langsam an den Gedanken gewöhnen dass die Globale Oberflächentemperatur
um mehr als 2° steigen wird. Dieses Eingeständnis aber entbindet
uns nicht von den Bemühungen den Anstieg so gering wie möglich
zu halten.
Quellen
Umweltbundesamt: Klimaschutz – Internationale
Verträge
http://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz/klimapolitik/vertraege/index.htm
UNEP:
“Are the Copenhagen Accord Pledges Sufficient
to Limit Global Warming to 2° or 1.5°?”
http://www.unep.org/publications/ebooks/emissionsgapreport/pdfs/EMISSIONS_GAP_TECHNICAL_SUMMARY.pdf
PBL Netherlands Environmental Assessment
Agency:
Long-term trends in global CO2 emissions,
2011 report . Report / 21-09-2011
http://www.pbl.nl/en/publications/2011/long-term-trend-in-global-co2-emissions-2011-report
EDGAR Emission Data Base for Global Atmospheric
Research (European Commission – Joint Research Centre)
http://edgar.jrc.ec.europa.eu/index.php
Global Methane Initiative: Global Methane
Emissions and Mitigation Opportuni-ties
http://globalmethane.org
EPA (US Environmental Protection Agency):
Global Anthropogenic Non-CO2 Greenhouse Gas Emissions: 1990 - 2030
http://www.epa.gov/climatechange/economics/downloads/Appendices_EPA_NonCO2_Projections_2011_draft.pdf
NASA: Global Climate Change – Key Indicators
http://climate.nasa.gov/keyIndicators/
Reiches Datenmaterial (Grafiken) zum Verhalten
des Meeresspiegels seit 1992, Ver-suche zur Erklärung der Trendschwankungen
Bob Tisdale: Tisdale on 2011 sea level
changes
http://wattsupwiththat.com/2011/08/18/tisdale-on-2011-sea-level-changes/