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Aberglauben und Religion


Gibt es die eine Wahrheit?
(Montage HG Klug)

Wenn es aber für jeden Menschen eine eigene Wahrheit gibt,
was bedeutet dann überhaupt noch das Wort „Wahrheit“?



















Vorbemerkung: Auf der Suche nach dem Sinn


Tibetisches Mandala aus farbigem Sand – kunstvoll und geduldig geschaffen - dazu bestimmt wieder verwischt zu werden – ein Symbol für die Vergänglichkeit der Welt

Die Deutung und Sinngebung des eigenen ganz persönlichen Schicksals ist für jeden Menschen emotional von weit größerer  Bedeutung als das Verständnis der Naturgesetze. Die großen Fortschritte der Wissenschaft haben zwar das Naturgeschehen erhellt, die darauf basierende Technik (im weitesten Sinne) hat das tägliche Leben des Menschen in vielerlei Hinsicht verändert. Sie haben aber die Frage nach dem Sinn unserer Existenz, nach dem Warum des Schicksals nicht gelöst. Zur Tröstung und Stärkung gegen schlimmes Schicksal und den sicheren Tod können sie nicht viel beitragen.

Insofern ist es nicht verwunderlich dass im Bereich der Schicksalsdeutung und Schicksals- beeinflussung uralte „Techniken“ sich halten konnten. Im Gegensatz zur Naturwissenschaft gibt es hier keinen erkennbaren Fortschritt, kein Zusammenfließen all der unterschiedlichen und widersprüchlichen Glaubensrichtungen in eine allgemein anerkannte Aussage. Vielmehr können wir in unserer angeblich doch so eng vernetzten und sich immer mehr angleichenden Welt ein erstaunliches Nebeneinander unterschiedlichster Vorstellungen feststellen, vom trivialen Aberglauben bis zur formalisierten Weltreligion.

Wir behandeln das Thema "Religion und Aberglaube" in folgenden Abschnitten:

Aberglaube
Weltreligionen
    Übersicht
    Christentum
    Islam
    Hinduismus
    Buddhismus
    Shintoismus
    Chinesische Religionen
    Sikhismus
    Judentum
    Bahai'ismus
    Jainismus
Was glauben die Menschen wirklich?
Vergleich der Religionen - gibt es Übereinstimmungen?
Gott und der Mensch in der europäischen Philosophie
Gibt es einen Gott?
Vom Nutzen und Schaden der Religion
Gott und die Moral - Kommt die Moral aus dem Glauben?
Wo sonst kommt moralisches Verhalten her?
Wie entstand die Religion
Vielleicht kein Sinn, aber doch eine Aufgabe?

Verwendete und empfohlenen Literatur


 

Aberglaube

Verblüfft muss man feststellen dass selbst in hochentwickelten Industriestaaten allerlei magischer Hokuspokus gedeiht. Mit Zahlenmystik, Amuletten, Pyramiden, Edelsteinkräften und ähnlichem soll das persönliche Schicksal beeinflusst werden. Feen, Geister und Engel bevölkern die Vorstellungen. Mit Tischrücken, Klopfgeistern, automatischem Schreiben, Hypnose wird Kontakt zum „Jenseits“ gesucht. Mit Kartenschlagen, Handlesen und Horoskopen versucht man die Zukunft vorherzusagen. Hellsehen und Telekinese werden in Fernsehshows  dem glaubenshungrigen Publikum als Realität vorgesetzt. Beim „Kaufhaus Universum“ bestellt man sich einen Parkplatz oder auch einen neuen Freund ....

Zur Verbreitung von Aberglauben gibt es Studien (Gfk, Forsa, Allensbach), hier einige Aussagen:

  • 51% der Deutschen glaubt an glück- oder unglückbringende Zeichen; unter die-sen Gläubigen sind 62% Frauen und 32% Männer. Menschen mit Volksschulbildung glauben doppelt so häufig wie Menschen mit Abitur/Hochschulbildung.
  • 72% der Bevölkerung benutzen beschwörende Formeln („Toi-toi-toi o.ä.).
  • 57% der Bevölkerung lesen Horoskope, bis zu 30% glauben an die Vorhersagen, 10% „ziemlich oder sehr stark“.
  • Der Aberglauben nimmt zu: Der Anteil der Kleeblatt-Gläubigen ist von 1973 bis 2000 von 26% auf 43% gestiegen, die der Sternschnuppen-Gläubigen von 22% auf 43%.
  • Die Schätzungen für die Zahl der Wahrsager und Hellseher in Deutschland schwanken zwischen 10 000 und 50 000 soviel evangelische und katholische Priester zusammengerechnet. Der Umsatz der Esoterikbranche soll zwischen 10 und 20 Milliarden Euro pro Jahr liegen.
  • Die Zahl der esoterisch – therapeutischen Praxen in Deutschland  wird auf über 100 000 geschätzt. Google gibt 88 000 Treffer für das Stichwort „Esoterische Lebensberater“.

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    Über die wissenschaftliche Haltlosigkeit abergläubiger Praktiken braucht kein Wort verloren zu werden. Doch richten sie wenigstens keinen größeren Schaden an.

    Zunächst einmal keine Frage des Aberglaubens, sonder schlicht ein Beleg für erschreckende Unbildung ist die Tatsache dass im Jahre 2000 gemäß einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach (zitiert nach Urban) 11% der Deutschen überzeugt waren dass sich die Sonne um die Erde dreht, 6% waren unsicher (falsch lagen oder unsicher waren 13% der Männer und 20% der Frauen, 16% der Protestanten und 19% der Katholiken, 12% der Berliner und 20% der Bayern). Die feste Überzeugung dass die Sonne sich um die Erde dreht hatte sich von 1989 auf 1998 von 11 auf 18%(!) der Bevölkerung ausgebreitet, hatte sich aber nach dem Medienspektakel der Sonnenfinsternis 1999 wieder auf den alten Wert von 11% reduziert. Für die Akzeptanz von Horoskopen ist ein geozentrisches Weltbild ist sicherlich  hilfreich, Mangel an naturwissenschaftlichen Grundkenntnissen allem Aberglauben förderlich.

    Das geozentrische Weltbild ist noch lange nicht die kurioseste Vorstellung: Im Internet finden sich z.B. auch die Hohlwelt-Theorie (Die Erde ist hohl, im Inneren lebt eine andere Zivilisation, an den Polen gibt es Zugänge) und die Innenwelttheorie-Theorie (Wir leben im Inneren einer Hohlkugel) gut vertreten.

    Eine besondere Frage ist der Glaube an Wunder – angesiedelt irgendwo zwischen Aberglaube und Religion. Nach einer Untersuchung des Allensbacher Instituts hat der Anteil der an Wunder glaubenden Deutschen von  2000 nach  2006 von 29% auf 56% zugenommen. Aber der weit überwiegende Teil der gemeinten Wunder bewegen sich innerhalb der Naturgesetze, sind nur außergewöhnliche Ereignisse, oft Zufälle. Biblische Wunder wie die Auferstehung Christi haben nur 23% der Deutschen in ihrem Katalog möglicher Wunder, und nur 23% sehen bei den Wundern die Einwirkung Gottes. Andererseits sagten bei der selben Erhebung zuletzt 46% dass sie an die Kraft des Gebetes glauben. 51% glauben an Schutzengel, 21% halten eine direkte Begegnung mit einem Engel für möglich, 4% sagen sie sind selbst schon einem Engel begegnet.

    Ein interessantes, hier nur zu streifendes Thema sind „Ufos“. 43% der Deutschen glauben dass es denkende Lebewesen auf anderen Sternen gibt (ersetzt man das volkstümliche Wort „Sterne“ durch „Planeten“, so werden die meisten Wissenschaftler mitgehen), 13% aber glauben an die Gegenwart von Ufos, 37% dass Außerirdische die Erde schon betreten haben.
     


     

    Weltreligionen

     

    Weltreligionen Übersicht

    Als „Weltreligionen“ werden gewöhnlich nur fünf bezeichnet: Christentum, Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus. Die Kriterien sind offensichtlich unscharf: Hinduismus ist praktisch auf Indien beschränkt und damit keine „Welt“religion; ginge es aber nach der Zahl der Gläubigen, müssten Sikhismus und Taoismus vor dem Judentum liegen.

    Im folgenden wird eine Auswahl von Religionen getroffen und deren wesentliche Elemente kurz umrissen. Es besteht keine Absicht Geschichte, Theologie oder Kultus systematisch oder gar umfassend abzuhandeln. Vielmehr sollen Grundzüge aufgezeigt werden um dann prüfen zu können inwieweit sich eine Übereinstimmung zwischen den Religionen ergibt.


    Vorherrschende Religionen (nach Wikipedia)

    Christentum                            2 100 Millionen
             davon katholisch                   1 200   Millionen
    Islam                                       1 300 Millionen
    Hinduismus                                850 Millionen
    Buddhismus                               375 Millionen
    Shintoismus                        4 ... 100 Millionen
    Taoismus                            8 ...  60  Millionen
    Sikhismus                                    20 Millionen
    Judentum                                     15 Millionen
    Bahai                                              7 Millionen
    Jainismus                                       4 Millionen

    Näherungsweise Zahl der Gläubigen 2005
    (verschiedene Internetquellen)
     

    Anmerkung 1:
    Animistische Vorstellungen, Geisterglaube und schamanistische Praktiken herrschen nicht nur in Schwarzafrika neben dem Christentum und dem Islam und von diesen bisweilen übertüncht. Auch in der Karibik und in Südamerika finden wir ein ähnliches Bild: Unter der christlichen Oberfläche werden die alten Naturgötter verehrt; wird in den Anden der Pachamama geopfert;  betet der moderne Kubaner zu afrikanischen Orisha-Gottheiten und holt sich bei den schwierigen Fragen des Lebens Rat beim Santero; wird in Brasilien Candomblé und Umbanda praktiziert, in Westindien Voodoo..... Über die Zahl der Anhänger finden sich keine brauchbaren Zahlen.

    Auf eine Behandlung dieser Religionen wird hier zugunsten der „Hochreligionen“ verzichtet.

    Anmerkung 2
    Wie eng (Hoch-)Religion, Aberglaube, Esoterik und Scharlatanerie sich miteinander vermengen können, dafür bietet der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete evangelische Fernsehpfarrer Jürgen Fliege ein schönes Beispiel.
    Auf seiner Homepage werden  unter der Rubrik „Service“ Dienste in den Bereichen „Astrologie, Energiearbeit, Heiler, Heilpraktiker, Lebensbegleitung und Numerologie“ angeboten (http://www.fliege.de/service/index.php).
    Für 95 ml „Fliege-Essenz“,  aus Früchten, Nüssen und Gemüsen fermentiert und durch Handauflegen mit Kraft und Trost aufgeladen, zahlt man 39,95 Euro plus Versand (http://www.fliege.de/produkte/essenz.php).
    Für 199 Euro zuzüglich Gebühren lädt er zur Teilnahme an seinem Esoterik-Kongresss „Wörishofener Herbst“ ein.
    Eifrig Reklame macht er für ein physikalisch unsinniges Gerät zu Mauertrocknung („Aquapol“), erfunden von dem österreichischen Scientologen Wilhelm Mohorn.
     
     

          Christentum


    v.l.n.r. Turiner Grabtuch – M.Grünewald: Isenheimer Altar – Raffael: Madonna - Petersdom Rom

    Jesus (lateinische Form für Jehoschua) von Nazareth war ein jüdischer Wanderprediger von offenbar großem Charisma (etwa 3 v.u.Z. bis 33). Wie vielen anderen Pre-digern seiner Zeit sagte man ihm Wundertaten nach. Seine Botschaft, wohl stark beeinflusst von den Lehren der jüdischen Sekte der Essener, war ausschließlich an die jüdischen Zeitgenossen gerichtet: Das Kommen des Messias war nahe, der das Volk Israel von der römischen Fremdherrschaft erlösen und ein neues Jerusalem bauen würde. Jesus hob den Formalismus des jüdischen Gesetzes nicht auf, stellte aber Menschlichkeit und Güte höher. Er hatte nicht die Absicht eine neue Religion zu begründen, und sah in sich selbst nichts als einen Menschen mit besonderem Auftrag (viele sahen in ihm wohl schon den versprochenen Messias). Er wurde als potentieller Aufrührer von der römischen Staatsmacht hingerichtet . Später, als sich die Christengemeinden mit der Römischen Staatsmacht gut stellen wollten, wurde die Schuld an Jesu Tod der jüdischen Priesterschaft zugeschoben was Jahrtausende lange Verfemung der  jüdischen „Gottesmörder“ auslöste.

    Als Begründer der christlichen Religion muss Paulus gelten, der selbst Jesus nie begegnet war. Per Absprache beim „Apostelkonzil“ (etwa 44...49) missionierte er bei den „Heiden“, während die jüdische Gemeinde um die  Apostel in Jerusalem blieb.  In unermüdlicher Missionstätigkeit verbreitete er die Lehre von der Erlösung des Menschen durch den Opfertod des „Gottessohnes“, über dessen irdisches Leben er in seinen erhaltenen Missionsbriefen praktisch nichts sagt.

    Erst in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Lebensbeschreibungen Jesu, kompiliert von Männern die den Prediger nicht selbst erlebt hatten. Vier dieser Beschreibungen wurden später als kanonisch (verbindlich) ausgewählt, alle anderen fortan unterdrückt und vernichtet.

    Der römische Kaiser Konstantin gelangte zur der Auffassung, die sich ausbreitende christliche Religion eigne sich als Staatsreligion für sein von Byzanz (=Konstantinopel=Istanbul) aus regiertes riesiges Reich. Er berief 324 das Erste Ökumenische Konzil ein und zwang die über das Wesen Jesu heillos zerstrittenen Bischöfe sich auf die Gottheit des zum Christus (Gesalbten) erhobenen Jesus zu einigen. Damit war die Besonderheit des Christentums festgelegt: Gott selber war Mensch geworden, hatte sich selbst geopfert und damit die (erb-)sündige Menschheit erlöst. Die Vorstellung Gott müsse ein bestialisches Menschenopfer veranstalten um sich selbst gnädig stimmen zu lassen, ist aus heutiger Sicht reichlich kraus, verständlich allerdings aus dem Geist einer Zeit wo das Töten von Opfertieren anerkannte Methode zur Beschwichtigung von Göttern war. Der fortschrittliche Theologe Rudolf Bultmann (1884-1976) formulierte das Problem so: „Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlosen (wenn man von einem solchen überhaupt reden darf) gesühnt werden? Welche primitiven Begriffe von Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung zugrunde? Welch primitiver Gottesbegriff? Soll die Anschauung vom sündentilgenden Tode Christi aus der Opfervorstellung verstanden werden: welch primitive Mythologie, daß ein Mensch gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschen sühnt!“ ("Neues Testament und Mythologie", 1941).  Und Gerd Lüdemann (Professor für Neues Testament, seit 1999 Sonderstatus) fordert: „... Aber dieses intellektuelle Verwirrspiel kann auf die Dauer nicht gutgehen und verlangt nach rücksichtsloser Aufklärung. Auf Projektionen, Wünschen und Visionen kann keine echte Religion aufgebaut werden....“

    Dass die christliche Kirche bei diesem sich unmittelbar auf Gott berufenden Gründungsmythos sich quasi-göttliche Vollmachten zuschrieb („zu binden und zu lösen....“) war nicht verwunderlich. Ihre Macht wuchs über die nächsten tausend Jahre stetig.

    Die religiöse Lehre des Christentums wurde in den folgenden anderthalb Jahrtausenden weiter ausdifferenziert. Dabei tat man sich mit dem Konzept des Monotheismus schwer. Nach dem Konzil von Nicäa gab es neben dem eigentlichen Gott (Vater) noch die zweite Erscheinungsform Jesus Christus (Gottes Sohn).    381, auf dem Konzil von Konstantinopel,  kam nach langjährigem Streit noch der Heilige Geist hinzu. Dass diese drei - Gott, Christus, Heiliger Geist – eine Einheit darstellen sollen, das hat Generationen von Theologen zu geistigen Verrenkungen gezwungen. Das Tertullian (155-222) zugeschriebene „Credo quia absurdum est“ ist die finale Aufforderung „Man gebe seinen Verstand an der Kirchentür ab!“

    Damit nicht genug, mit der „Himmelskönigin“ Maria besitzt die katholische Kirche auch noch eine Quasi-Göttin. Auf dem Konzil von Ephesos 431 wurde die Jungfrauengeburt Jesu zur römisch-katholischen Lehre.  1854 wurde Maria von Papst Pius IX die (von der Erbsünde) „Unbefleckte Empfängnis“ bescheinigt (sie konnte daher die Erbsünde nicht an ihren Sohn Jesus weitergeben). 1950 wurde ihre leibliche Aufnahme in den Himmel von Pius XII zum Dogma erhoben. 1984 weihte Johannes Paul II, der zu Maria offenbar ein besonders inniges Verhältnis hatte,  unseren gesamten Planeten dem Unbefleckten Herzen Mariä. Das darf nicht über die grundsätzlich frauenfeindliche Haltung der katholischen Kirche hinwegtäuschen, die sich mit einem verklemmten Verhältnis zur Sexualität verbindet (die Diskussion darüber ist 2010 nach der Aufdeckung zahlreicher Missbrauchsfälle aufgebrochen, Laienschaft/fortschrittlicher Klerus und Vatikan sind in ihrer Auffassung weit auseinander).

    Hinzu kommt eine wachsende Schar von Heiligen und Seeligen (das "Martyrologium Romanum" von 2004 enthält 6650 Namen) als potentielle Nothelfer, wie sie sich sonst  nur im volkstümlichen Buddhismus finden. Johannes Paul II hat in seiner Amtszeit 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen vollzogen.  Das Verfahren zu seiner eigenen Seligsprechung wurde wenige Monate nach seinem Tod (2.4.2005) eingeleitet (Begründung: Er hat aus dem Jenseits eine medizinische Wunderheilung bewirkt) und am 1.5.2005 vollzogen. Eine von mehreren vorhandenen Ampullen seines Blutes wurde dabei als Reliquie präsentiert.

    Für die einzelnen Gläubigen waren sicher theologische Spitzfindigkeiten weniger wichtig als wie mit ihnen nach ihrem Tode verfahren werden sollte: Entweder gehen sie in ein ewiges seliges Leben ein, oder sie werden  in eine grässliche Hölle gestürzt. Das Zusammenspiel von menschlichem Verdienst und göttlicher Gnade (Christi Erlösungsopfer!) wurde dabei nie so recht klar. Als eine Art Kompromiss wurde die zeitweise Verbannung in das Fegefeuer eingeführt. Ungetaufte Kinder kamen in eine Art kalter Hölle. (Wie hatte doch Jesus gelehrt? „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“). Die angemaßte Autorität der Kirche an Gottes Statt zu entscheiden, “zu binden und zu lösen“, gab ihr ungeheure Macht über die Gläubigen (und führte zu dem skandalösen Ablasshandel).

    Schließlich muss die besondere Rolle des Papstes betont werden der, wenn er „Ex-cathedra“ spricht, als unfehlbarer Stellvertreter Gottes dessen Willen verkündet. Die Macht Gottes Gedanken zu lesen bekam der Papst  unter Pius IX  im Jahre 1870.


    Geschichte der christlichen Kirche   (Basis Wikipedia)

    Der umfassende Machtanspruch des Bischofs von Rom als Papst und die Lehre der katholischen  Kirche blieben  unter Christen nicht unbestritten. Nach der Teilung des römischen Weltreiches im 4.Jahrhundert und nach dem Untergang Westroms (476) lebten Ost- und Westkirche sich auseinander. Mit dem Schisma von 1054 (provoziert durch  die römische Kirche) spaltete sich die  Orthodoxe Kirche ab, später differenzierten sich griechisch-orthodoxe und russisch-orthodoxe Kirche.

    Die Orthodoxe Kirche blieb in mancherlei Hinsicht näher am Urchristentum.  Die durch die gebärende Frau  weitergegebene „Erbsünde“ und damit die allgemeine Geringschätzung der Frau, das Zwangszölibat für Priester, der universelle Machtanspruch der Päpste ,  der Judenhass, die Inquisition sind mittelalterliche  Erfindungen der römischen Kirche.

    Mit beispielloser Härte und Grausamkeit bemühte sich Rom den „einzig wahren Glauben“ durchzusetzen, nach außen (Kreuzzüge, Zwangsmissionierung) wie nach innen (Inquisition). Dabei fand sich immer eine Begründung in der Bibel, so dass man die scheußlichsten Gräueltaten mit gutem Gewissen vollbringen konnte.

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    Verbrennung von Hus - Verbrennung von Savonarola

    Im 16. Jahrhundert verlor Rom die Kontrolle über die schon länger anhaltenden, bislang blutig unterdrückten Versuche die verweltlichte Kirche von innen zu reformieren (Jan Hus, Girolamo Savonarola).

    ..
    Karikaturen aus Reformation und Gegenreformation

    Martin Luthers Reformversuche (Thesen gegen den Ablasshandel 1517) erwiesen sich als Initialzündung für die vielgesichtige Bewegung des Protestantismus. Die christliche Religion wurde aber damit nicht automatisch humaner und toleranter; man vergleiche Luthers Hetzschrift „Von den Juden und ihren Lügen“ und seine emphatische Unterstützung der Hexenverbrennungen („Hexenpredigt“).

    In der Regel lässt der Protestantismus dem Einzelnen mehr Freiheit  im Verhältnis zu Gott als die katholische Kirche, was wiederum zur Bildung unzähliger Teilkirchen und Sekten beigetragen haben mag (in den USA gibt es über 200 eingetragene Kirchen auf protestantischer Grundlage).  Fundamentalistische Gruppen führen heute, ausgehend von den USA, einen zähen Kampf gegen die Naturwissenschaften, insbesondere die Evolutionslehre. Eine bedeutende Rolle in der US-Gesellschaft spielen die Mormonen („Kirche Jesu der Heiligen der letzten Tage“, plus Splittergruppen), deren Begründer Joseph Smith (1805-1844, ermordet) behauptete, er habe vom Erzengel Moroni ein reformiertes Evangelium diktiert bekommen.

    Große Dynamik und zunehmenden politischen Einfluss, in den USA wie in Südamerika, entwickelt die vielgestaltige „Pfingstbewegung“. Sie kultiviert ekstatische Praktiken: Gesänge/Klatschen, „Reden in Zungen“, Trancen, exorzistische Handlungen. Die Erwartung an ein baldiges Weltende ist sehr verbreitet. Dämonen und Engel, allgemein der Kampf gegen „das Böse“ werden thematisiert .

    Immer neue Bemühungen die beiden großen Schismen zu überwinden sind bisher an der starren Haltung der römisch-katholischen Kirche gescheitert: der Papst als unfehlbarer „Stellvertreter Christi“ will den Protestanten nicht einmal die Eigenschaft „Kirche“ zugestehen. Unter Johannes XXIII und auf dem von ihm einberufenen zweiten „Vatikanischen Konzil“ keimte Hoffnung auf. Seine Nachfolger Johannes Paul II und Benedikt XVI erwiesen sich als in mittelalterlichem Geist befangen und reformunwillig. Eine tiefgreifende Entfremdung vieler Gläubiger von der vatikanischen Hierarchie ist die Folge, Kirchenaustritte und Priestermangel.

    Ein „kleines Detail“ mag die geistige Haltung des Vatikan kennzeichnen: Der Kirchenstaat ist neben Weißrussland der einzige europäische Staat der nicht der Europäischen Menschenrechtskonvention (1950, ständige Weiterentwicklung durch Zusatzprotokolle) beigetreten ist. Das  inquisitorisch - autoritäre Kirchenrecht lässt sich wohl kaum damit in Einklang bringen.

    Eine Sammlung Bibelzitate lässt Zweifel an dem von den christlichen Kirchen behaupteten hohen moralischen Standard aufkommen.

    Was kam es zur Kreuzigung Jesu? Eine SF-Geschichte.
    Was würde Jesus wohl zu "seiner" Kirche sagen? Auch eine SF-Geschichte.
    Ist Christentum heilbar? Noch eine SF-Geschichte!
     

    Islam


    v.l.n.r. Mohammed lehrt (persische Miniatur) – Illuminierter Koran – Sultan Qaboos-Moschee, Muscat  – Große Moschee mit Kaaba, Mekka

    Der Islam wurde von dem Karawanenführer Mohammed (um 570 in Mekka – 632 in Medina) begründet. Mit 40 Jahren fühlte er sich durch den Erzengel Michael berufen, einen strengen Monotheismus gegen den herrschenden Polytheismus durchzuset-zen. Er sah sich dabei in der Nachfolge er jüdischen Propheten von Abraham über Moses bis Jesus, von denen in der Niederschrift seiner Offenbarungen, dem Koran, immer wieder die Rede ist (inklusive Jungfrauengeburt Jesu!). Mit seinen ersten An-hängern aus Mekka verbannt, suchte er 622 Zuflucht in Medina, gewann dort breite Unterstützung, begann mit Raubüberfällen einen Krieg gegen Mekka und konnte 630 dort als Sieger einziehen. Geschickt bezog er die lokale und für Mekkas Wirtschaft wichtige Traditionen in den neuen Glauben ein: die Kaaba wurde zum muslimischen Heiligtum, die Pilgerreise nach Mekka zur Pflicht für den Gläubigen.

    Erst zwei Jahrhunderte nach seinem Tod wurde eine verbindliche Version des Koran und der Hadiths, (der überlieferten Worte und Urteile Mohameds) etabliert.
     

    Während der neue Glaube unter seinen tatkräftigen Nachfolgern (Kalifen) sich schnell ausbreitete (im Westen bis Spanien!), gab es Probleme um eben diese Nachfolge; aus einem Meinungsunterschied über die rechte Nachfolge entstand die Bewegung der Schiiten, die heute 10 .. 15% der Muslime ausmachen (Schwerpunkt Persien), während die meisten anderen sich zu den Sunniten zählen.

    Kernpunkt des Islam ist der strenge monotheistische Glaube an Allah, Schöpfer- und Richtergott. Er wird immer wieder als „der Barmherzige“ apostrophiert, er leitet den Menschen auf den rechten Weg, doch der Mensch muss den Weg auch gehen. Dazu gehört die Befolgung von fünf kultischen Geboten:

    1. Das öffentlich vollzogenen Glaubensbekenntnis
    2. Das Gebet zu fünf festgelegten Tageszeiten
    3. Das Almosengeben
    4. Das Fasten im Ramadan-Monat
    5. Die Wallfahrt nach Mekka mindestens einmal im Leben

    Gott macht es seinen Gläubigen nicht schwer: es gibt viele Ausnahmeregeln für Alte, Kranke, Schwangere, Schwerarbeiter, Reisende.

    Der Koran gebietet den Respekt vor dem menschlichen Leben; Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind hohe Tugenden. Gegenüber Ungläubigen ist Toleranz geboten; Juden und Christen wurden als rechtlich freilich unterpreviligierte „Schutzbefohlene“ (dhimmi) unter den Schutz des Islam gestellt (das zeitweise kulturell fruchtbare und friedliche Zusammenleben der drei Religionen im spanischen Kalifat von Cordoba ist ein Beispiel für den Segen der Toleranz). Andererseits ist der Kampf für die Durchsetzung seiner Religion, auch mit dem Schwert, göttlicher Auftrag für jeden strenggläubigen Muslim.  Fundamentalistische Selbstmordattentäter werden von der großen Mehrheit der Muslime und der muslimischen Rechtsgelehrten abgelehnt.

    Die Frau ist im strengen Islam als körperliches, geistiges und moralisches Mangelwesen gegenüber dem Mann heruntergestuft, auch in rechtlicher Hinsicht.

    Die schwerste Sünde ist der Abfall vom Glauben an den einen Gott; fällt ein Muslim vom Glauben ab, so kann dies mit dem Tode bestraft werden (aktuelle Fälle in Afghanistan!).

    Beim Jüngsten Gericht („die große Katastrophe“) wird Gott Glauben und Werke des Menschen richten und ihn entweder in ein ewiges Paradies oder in eine ewige Hölle verweisen.

    Der Islam ist eine Laienreligion; es gibt keine Priesterkaste. Hilfe und Rat holt der Gläubige sich beim Rechtsgelehrten, der auf Basis des Korans und der Hadith-Sammlungen (Aussagen Mohameds, Kommentare, juristische Belege) urteilt. Im praktischen Rechtswesen der heutigen muslimischen Staaten gibt es eine Überlagerung von Islamischem Recht („Scharia“) und säkularem Recht.
     

                 Hinduismus
     
     


    v.l.n.r.  Yogi - Shiva Nataraja tanzt - Tempel in Madurai – Ganesha

    Der Hinduismus (oder Brahmanismus) kann nicht auf eine bestimmte historische Person zurückgeführt werden. Vielmehr ist er über mehrere Jahrtausende aus den verschiedensten Quellen zusammengewachsen, besitzt eine große Zahl heiliger Schriften, aber keine geschlossene Dogmatik. Ein bestimmter Glaube wird nicht vorgeschrieben. Vielmehr bietet der Hinduismus Raum für sehr verschiedenartige Anschauungen. Bei aller Vielfalt sind aber gewisse Grundzüge durchgängig und Grundmerkmale des Hinduismus:

  • Die Welt ist ein durch ein Weltgesetz (dharma) regiertes geordnetes  Ganzes. Alle Lebewesen sind dieser Ordnung unterworfen und sind nach Aufgaben, Pflichten und Rechten deutlich unterschieden  (beim Menschen durch die Kasten). Die Welt durchläuft endlos großen Zyklen, ohne eigentlichen Anfang und Ende. Auch die Götter sind diesen Zyklen unterworfen.
  • Wesentlicher Bestandteil des ewigen  Wandels ist das Prinzip der Seelenwanderung. In welcher Gestalt ein Mensch wiedergeboren wird, hängt ab vom „Karma“ das er durch seine Lebensführung gesammelt hat,  also einer Art Guthaben. Verschiedene Schulen glauben an unterschiedliche Möglichkeiten diesem ewigen Kreislauf zu entrinnen. Yogis suchen die Befreiung der Seele durch Entsagung, Askese und Meditation.
  • Die differenzierte Belohnung oder Bestrafung des Menschen drückt sich aus durch die Kaste in die der Mensch hineingeboren wird. Das Kastenwesen wurde eingeführt als die Arier um 1000 v.u.Z. in die Gangesebene vordrangen, die einheimische Bevölkerung unterjochten und nach Süden abdrängten. Die ersten drei Klassen blieben den neuen Herrenmenschen vorbehalten: die erste Kaste für die Priester (Brahmanen), die zweite Kaste für die Krieger; die dritte für die Kaufleute, Gewerbetreibenden und Bauern. In die vierte Kaste für die einfachen Handwerker und Arbeiter und in die fünfte Kaste für die niedrigs-ten Arbeiter (die „Unberührbaren“, die Parias) wurden die Ureinwohner eingestuft. Diese Kastensystem wurde über die Jahrhunderte extrem ausdifferenziert.
  • Der Götterhimmel des Hinduismus ist außerordentlich vielgestaltig. Auch hier findet sich das Erbe der langen Geschichte des Hinduismus: einheimische und neue Götter wurden verschmolzen, Götter wechselten Aufgaben und Rang, eine umfangreiche Mythologie entstand. Den männlichen Göttern wurden weibliche Partnerinnen zugesellt, die bisweilen auch als die eigentlich wirkende Kraft aufgefasst werden.

    Im Mittelpunkt des Pantheons stehen drei Götter (bisweilen auch als Dreiheit „Trimurti“aufgefasst):
     


    Vishnu und Shiva werden von ihren jeweiligen Anhängern als ranghöchste Gottheit verehrt. Neben den großen Drei gibt es eine Unzahl weiterer Götter, dazu Dämonen und Geister. Ganz besonderer Beliebtheit erfreut sich der gemütliche, das Gelingen aller menschlichen Vorhaben fördernde elefantenköpfige Ganesha (ein Sohn Shivas und Parvatis).

    In den letzten Jahrhunderten hat es immer wieder Bestrebungen gegeben, den Hinduismus zu reformieren. Der Erfolg solcher Bemühungen scheint aber nicht groß zu sein,  vielleicht schon deswegen  weil der Hinduismus ohnehin dem Gläubigen große Freiheit für sein Weltbild und die Wahl des persönlichen Gottes lässt. Mahatma Ghandi (1896-1948 ermordet) betonte die Wahrheit aller Religionen im Glauben an den selben einen Gott. Er trat für Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der Frau ein. Dem wegen seiner üblen sozialen/ gesellschaftlichen Konsequenzen als schädlich erkannten Kastensystem versuchen indische Regierungen durch eine Quotierung an Universitäten und im Parlament zu begegnen, noch immer ohne den letzten  Erfolg.
     
     

    Buddhismus
     
     


    v.l.n.r.   Jadebuddha in Shanghai – Stupa Shwedagon in  Rangun – Pagode in Katmandu - Buddha in Hangzhou

    Der Buddhismus führt sich zurück auf das Wirken des aus vornehmem Haus stammenden Siddharta Gautama (traditionell etwa  560 – 480 – in Wirklichkeit wohl 100-150 Jahre später) in Nordindien. Vom Elend der Welt ergriffen, gelangte er durch sechs Jahre Askese, Studium und Meditieren zur Erkenntnis der Grundbedingungen allen Lebens: Das Leben ist vom Leid geprägt; das Leid entsteht durch Begierde; tugendhaftes Leben und Meditation können Begierde und Leid überwinden; dafür gibt es Handlungsanweisungen(„Achtfacher Pfad“).  Aus der Erkenntnis ergibt sich also die Möglichkeit zur Überwindung des leidvollen Daseins, und damit wurde Siddharta Gautama  zum „Buddha“ (Erwachten, Erleuchteten) – ein Weg der prinzipiell allen Menschen offen steht.

    Die  Lehre des historischen Buddha von der Möglichkeit der Selbsterlösung verbreitete sich schnell, wurde unter Kaiser Ashoka (272-232 v.u.Z.) zum Gegenstand weitreichender Missionstätigkeit, und fand sich bald in ganz Ostasien, verlor in Indien selbst aber vom 10. Jahrhundert an gegenüber Hinduismus und Islam an Bedeutung.

    Nach buddhistischer Vorstellung gibt keinen allmächtigen Schöpfergott.  Götter und Geister sind möglich, aber  wie alle Lebewesen dem endlosen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt unterworfen. Der Mensch besitzt keine unsterbliche Seele die als konstante Einheit  weitergereicht wird. Vielmehr entsteht eine Persönlichkeit aus dem Zusammenkommen der Fünf Aneignungsgruppen Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein. Durch sein Tun und Handeln erzeugt der Mensch gutes oder schlechtes „Karma“ –  in beiden Fällen  provoziert er eine neue in Erscheinung tretende Existenz. Ziel des Menschen muss es sein, Leid und Unvollkommenheit der Welt durch ethisches Verhalten, Meditation, Mitgefühl und Weisheit zu überwinden, eine ausgeglichene Karmabilanz zu erzielen, damit den Kreislauf zu durchbrechen und selbst den Zustand des Verlöschens im Nirwana zu erreichen, der im Tod endgültig wird (Parinirvana).

    Die ursprüngliche Lehre des Siddharta Gautama und seiner Schüler zielte auf eine Mönchsgemeinschaft die sich strengen Regeln von Armut, Zölibat und Friedfertigkeit unterwarf. Diese strenge Lehre (Hinayana – „Kleines Fahrzeug“), die sich ausschließlich auf die Lehren des zum Buddha gewordenen Siddharta Gautama bezieht,  lebt als „Theravada“ fort.

    Im Mahayana-Buddhismus ist die Übertragung karmischer Verdienste auf andere möglich, damit tritt das Ideal des Bodhisattva in den Vordergrund. Der Bodhisattva ist ein Erleuchteter; statt zum Buddha zu werden bleibt er in der Welt um andere Lebewesen aus dem Kreislauf des Leidens zu erlösen. Verschiedene Boddhisattvas und Buddhas werden im populären Mahayana als höhere Wesen verehrt.  Eine bedeutende Schule des Mahayana ist der Zen-Buddhismus.

    Ein Teil des Mahayana ist der Vajrayana („Diamantfahrzeug“). Hier kommen neben der Meditation Tantrische Techniken zum Einsatz wie das Rezitieren von Mantras, Visualisierung, und geheime Rituale.

    Zu der heutigen Verbreitung  der drei Richtungen vergleiche man die Grafik am Beginn des Abschnitts. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in Burma wo sehr viele Menschen eine Zeitlang im Kloster leben, spielt der Buddhismus eine bedeutende Rolle in Gesellschaft und Politik.
     

    Shintoismus


    v.l.n.r.  Gebäude beim Schrein von Ise – Torii beim Itskushima-Schrein – Shinto-Priester – Schrein von Nikko Tosho

    Shinto ist eine im Laufe vieler Jahrhunderte gewordene Religion, entstanden aus der Verschmelzung lokaler Kulte und der Auseinandersetzung mit Buddhismus und Konfuzianismus. Dementsprechend gibt es keine allgemeine Dogmatik, Kosmologie  und Ethik.

    In den Shinto-Schreinen werden „kami“ verehrt, das können die verschiedensten Götter sein, aber auch Naturkräfte, historische Persönlichkeiten oder Gegenstände. Eine große Bedeutung hat die harmonische Verbindung mit  der Natur; der Mensch soll nie in Gegensatz zur Natur geraten. Das Konzept der kultischen Reinheit ist von Bedeutung: Insbesondere Priester haben körperliche und spirituelle Verschmutzung zu vermeiden und sich besonderen Reinigungsritualen zu unterziehen.  Wichtig ist auch der Ahnenkult; es gibt allerdings keine klare Auffassung über das Leben nach dem Tode, außer dass die Toten durch Speiseopfer bei Laune gehalten werden müssen.

    Höhepunkt des Kultes sind die Feste („matsuri“). Lokal sehr unterschiedlich, gehören dazu Wettkampfspiele, Kultdramen und No-Theaterspiele. In den No-Masken sollen Götter und Totengeister sichtbar werden.

    Historisch bedeutsam ist die Ausprägung als Staats-Shinto, eng verbunden mit dem Shinto des Kaiserhauses. Der Tenno wurde als Abkömmling und Nachfolger der Sonnengöttin Amaterasu gefeiert. Bedingungslose Loyalität und Opferbereitschaft gegenüber Kaiser und Nation bedeuteten Gehorsam gegen die Götter (mit starker Betonung auf die kaiserliche Ahnherrin Amaterasu ).  Daraus ergab sich Rolle des Staats-Shinto  im 2. Weltkrieg; die Alliierte Besatzungsmacht verfügte 1945 die Trennung von Staat und Religion. Umstritten ist bis heute der Yasukumi-Schrein in Tokio, wo u.a.  die Heldenseelen der in Asien und im 2.Weltkrieg Gefallenen geehrt werden (Beerdigt ist dort niemand – Friedhöfe gelten als unrein wie alles was mit Krankheit, Blut und Tod zu tun hat).
     


     

    Chinesische Religionen – Taoismus und Konfuzianismus


    v.l.n.r. Lao-tse, Quanzhou 11./12.Jh.– Himmelstempel Bejing – Konfuzius Bejing – Kriegsgott Guandi

    Den traditionellen chinesischen Religionen liegt die Vorstellung zugrunde, dass Himmel, Erde und Mensch ein einheitliches Ganzes bilden. Kosmische Ordnung muss sich im menschlichen Zusammenleben spiegeln. Dieser Kosmos ist nicht statisch, sondern wird durch das Wechselspiel der Kräfte Yin und Yang im dynamischen Gleichgewicht gehalten. Die Welt wird regiert von einer kosmischen Ordnungsmacht die sowohl unpersönlich als auch als Gott gesehen werden kann. Als „Himmel“ (T’ien“) verursacht sie gleichermaßen Glück, gute Ernten und Naturkatastrophen.

    Im Volksglauben war die Welt von unzähligen Göttern und Dämonen bewohnt. Der offizielle religiöse Kult war Aufgabe der staatlichen Verwaltung. Der Kaiser („Sohn des Himmels“) selbst hatte durch genau festgelegte Riten und Opfer für eine harmonische Beziehung zum Himmel damit das Wohlergehen des ganzen Reiches zu sorgen.

    Der Kaiserkult ist heute natürlich verschwunden, aber ein weit verbreiteter Glaube an ein göttliches Pantheon, von einem Himmelskaiser über Regional- und Stadtgötter bis hinunter zum eigenen Küchengott, an Geister und Dämonen  hat sich erhalten. Eine große Rolle spielt der Ahnenkult, denn die Seele des Toten (sie spaltet sich in zwei Komponenten auf: Körperseele po und Atemseele hun) können je nach dem Verhalten der Hinterbliebenen hilfreich eingreifen oder zu bösartigen Dämonen werden.

    Taoismus

    Diese Lehre soll auf den legendären Lao-tse (604-517) zurückgehen. Das Tao ist Urgrund allen Seins, aber auch Weltgesetz und ethisches Prinzip. Das aus ihm hervorgehende Yin und Yang erzeugen den Lebensatem, und zusammen schaffen die drei die Welt mit all ihren Gegensätzen. Ideal des taoistischen Weisen ist das Nicht-Handeln, der Verzicht auf kurzfristig angelegtes Handeln, das beschauliche Sich-Versenken, das Wirken allein durch vorbildliches Dasein.

    Die ursprüngliche Lehre wurde später immer weiter überformt, die Suche nach Zauberkräften und nach dem Elixier für ewiges Leben traten in den Vordergrund, ein Götterpantheon mit dem Jadekaiser als Herr des Himmels an der Spitze entwickelte sich, eine Priesterhierarchie entstand.

    Konfuzianismus

    K’ung fu-tse (551-479) ist eine historische Gestalt, dessen Lebensweg nachvollzogen werden kann. Er wirkte als Regierungsberater, Justizminister, Wanderlehrer. Seine Lehre ist eigentlich keine Religion – er macht keine Aussagen über Gott oder das Jenseits – sondern eher eine Staatsphilosophie und Ethik. Ziel ist die Erziehung des Menschen im Sinne kosmischer Harmonie zu Wahrheitsliebe, Güte und Großzügigkeit, Höflichkeit, harmonische Familienbeziehungen, Dienst am  Gemeinwesen und Staat.  Der Ahnenkult wird bejaht.

    Konfuzius’ Lehre wurde von Meng-tse (Menzius) weiterentwickelt; er sah den Menschen als natürlich gut, Menschenliebe und Pflichtbewusstsein sind ihm eingeboren. Prinzip der Herrschaft muss die Güte sein.

    Später wurde der Konfuzianismus vielfach umgestaltet, zeitweilig war er Staatskult, zeitweilig intolerant gegen andere Lehren, zeitweilig selbst blutig verfolgt. Heute steht er wieder in hohem Ansehen und wird von der chinesischen Staatsführung gefördert.
     

           Sikhismus


    v.l.n.r.Goldener Tempel Amritsar – Guru Nank – Heiliges Buch Guru Granth Sahib – Sikh-Mann

    Diese Religion wurde von Guru Nanak (1469-1539) begründet, der dabei Elemente aus Islam und Hinduismus verschmolz . Zu den Merkmalen des Sikhismus gehören:

    Sikh-Tempel werden nach Bedarf errichtet, der berühmteste ist der Goldene Tempel in Amritsar.  Auf dem Altar liegt die Heilige Schrift „Guru Granth Sahib“. Jeder darf einen solchen Tempel betreten, er muss nur den Kopf bedecken. In einem zugehörigen Saal wird dreimal am Tag ein einfaches gemeinsames  Mal gekocht und eingenommen. Die ganze Anlage wird mit Spenden erhalten.
     

    Judentum


    v.l.n.r. Rembrandt: Moses mit Gesetzestafeln – Synagoge Berlin – Torarolle – Klagemauer Jerusalem

    Das Judentum spielt in unserer Welt eine Rolle weit über den zahlenmäßigen Anteil hinaus. Es stellt insofern eine Sonderheit dar, als hier eine Stammesgott, wie es einmal unzählige gab, sich gehalten hat und Gegenstand einer Weltreligion ist, aus der wiederum zwei andere Weltreligionen, Christentum und Islam, hervorgegangen sind.

    Man kann sich kaum einen autoritäreren, eifersüchtigeren, rachsüchtigeren und grausameren Gott vorstellen als den Jahwe des Alten Testaments. Dieses Bild gerade so zu zeichnen mag gute politische Gründe gehabt haben. Denn das Alte Testament wurde zusammengetragen um die machtpolitischen Bestrebungen des jungen Königs Josia (König 640-609 v.u.Z.) durch eine selbstbewusste völkische Identität abzusichern; also musste der Gott des eigenen Volkes stärker sein als alle anderen Götter (deren Existenz im Alten Testament ja nicht ausgeschlossen wird). Dem gleichen Ziel der Identitätsstärkung dienten - und dienen für den strenggläubigen Juden heute noch - eine Fülle von rituellen Vorschriften (613 Ge- und Verbote). Im Studium und in der Erfüllung der Gesetze manifestiert sich der jüdische Glaube.

    Jahwe hat sich nach jüdischem Glauben sein Volk erwählt, was nicht unbedingt eine Gnade war, denn er stellt außerordentliche Ansprüche und lässt sein Volk ohne weitere Begründung leiden  (von der Hiobgeschichte bis zum Holocaust spannt sich der Bogen). Gott wird aber als gerechter Richter für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen.  Das Gesetz – die Tora -, überliefert in  den 5 Büchern Mose des Alten Testaments, stellt den Kern des jüdischen Dogmas dar. Die Tora gilt als vollständige Offenbarung der Gebote Gottes. Über die Form wie der Gerechte belohnt werden wird, ob es dazu eine Wiederauferstehung gibt, dazu gibt es unterschiedliche Vorstellungen.

    Eine ganz eigene Rolle spielen hier die Erwartungen an das Erscheinen des Messias, der im Namen Gottes ein universelles Reich des Friedens, der Liebe und Gerechtigkeit errichten wird.

    Der gemeinsame und nicht mit anderen Völkern geteilte jüdische Glauben hat es dem nach der Zerstörung Jerusalems  im Jahre 70 durch Titus  weit verstreuten Volk der Israeliten erlaubt, seine völkische Identität über zwei Jahrtausende zu bewahren – eine erstaunliche Leistung. Dabei haben die durch das vorgeschriebene immerwährende Torastudium gebildeten Juden große Kulturleistungen beigetragen, wurden aber immer wieder Opfer von Neid und Hass christlicher Wirtsvölker die sich in
    Ausgrenzung, Vertreibung, Pogromen und zuletzt im Holocaust entluden.
     

    Bahaismus


    v.l.n.r.  Tempel in Haifa - Baha’u’llah – Lotustempel in New Delhi – Tempel in Hofheim

    Der Bahaismus wurde im 19. Jahrhundert von dem aus Persien stammenden Ba-ha’u’llah gegründet, ist also eine der jüngsten Religionen.

    Die Bahai glauben an die Existenz eines einzigen persönlichen Gottes, allwissend. allgegenwärtig, allmächtig, dem Menschen gegenüber gnädig und gerecht. Der Mensch kann ihn an seinen Eigenschaften erkennen die in seiner Schöpfung offenbar werden.

    Gott offenbart sich der Menschheit nicht einmalig, sondern zyklisch wiederkehrend. Da die Menschheit sich ständig fortentwickelt, muss die Religion immer wieder erneuert werden. Dies geschieht, indem Gott der Menschheit in bestimmten Zeiträumen göttliche Offenbarer oder Manifestationen Gottes schickt. Folglich sind die großen Religionen allesamt göttliche Stiftungen, die seine Botschaft in jeweils abgewandelter äußerer Form wiedergeben. Baha’u’llah der jüngste dieser göttlichen Offenbarer, aber nicht der letzte. Baha’u’llah ist der Verheißene aller anderen großen Religionen und damit der Beginn eines neuen Zyklus der Gottesoffenbarung. Er leitet einen neuen Abschnitt in der Menschheitsentwicklung ein, der schließlich in einem weltlichen und geistigen Frieden münden wird. Die Bahai-Religion schreibt relativ wenige Riten vor. Im Haus der Andacht, einem neunseitigen Kuppelbau, finden Andachten statt. Es werden Texte aus allen Offenbarungsreligionen vorgetragen; es gibt gesungene Rezitationen, Sologesang und Chorgesang, aber keine Predigt und Liturgie. Gebet und Fastenzeit sind vorgeschrieben.

    Die Gläubigen haben die Gesetze des jeweiligen Landes zu achten. Parteipolitische Aktivitäten sind untersagt, Engagement in Jugendgruppen, Friedensbewegungen, interreligiösen Initiativen und Umweltschutzbewegungen erwünscht.
     


     

    Jainismus
     
     


    v.l.n.r. Steinmetzarbeit in Ranakpur – Statue eines Furtbereiters, Mumbai – Ranakpur – Innenraum Ranakpur

    Der Jainismus bezieht sich auf die Lehren von 24 „Furtbereitern“ (Tinakara). Gemäß der Überlieferung hat er seine Anfänge im 15. Jahrhundert v.u.Z.  Um 500 v.u.Z. formulierte Vardhamana Mahavira die Lehre; sie breitete sich in der Folgezeit  vornehmlich in Südindien aus.

    Der Jainismus geht davon aus, dass sich in der Welt zwei Prinzipien gegenüber stehen: Geistiges und Ungeistiges. Das Geistige beruht auf einer unendlichen Anzahl individueller Seelen - alles Stoffliche ist beseelt, nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen oder Wasser. Die ursprüngliche Reinheit der Seele wird jedoch als Folge von Karma getrübt. Dies zwingt zum Verbleib im Kreislauf der Wiedergeburten bis alles Karma getilgt ist. Eine solche Reinigung der Seele wird im Jainismus durch sittliche Lebensweise und strenge Askese erreicht. Ist eine Seele von allen Verunreinigungen befreit, so steigt sie in den höchsten Himmel auf, um dort in ruhiger Seligkeit zu verharren. Die Jains sind strenge Anhänger der Gewaltlosigkeit. Für ihre Ernährung dürfen weder Tiere noch Pflanzen sterben. Die Jains sind daher in der Berufswahl stark eingeschränkt (sie können z.B. keine Bauern werden); man findet sie heute oft in Büroberufen, in Handel und Bankgewerbe. Dies wiederum gibt ihnen überproportionale Bedeutung im Wirtschaftsleben Indiens.

    Was glauben die Menschen wirklich?

    Die deklarierte  Zugehörigkeit  zu einer Religionsgemeinschaft besagt noch lange nicht dass man auch alles glaubt was da gelehrt wird. Die Bertelsmann-Stiftung versucht mit dem „Religionsmonitor“ eine Übersicht zu schaffen. Die jüngsten veröffentlichten Ergebnisse enthält das Buch „Religionsmonitor 2008“. (Anmerkung: Eine höchst verdienstvoller Versuch! Um möglichst auf alle Religionen anwendbar zu sein, muss allerdings mit verschwommenen Begriffen gearbeitet werden. Die angewandte Methodik wird nicht vollständig offen gelegt. Wirklich harte Fragen wie „Glauben Sie an die Auferstehung Christi am dritten Tage?“ können nicht gestellt werden.  Dadurch wirkt der Text manchmal etwas „weich“. Die Kommentare verlassen bisweilen den wissenschaftlichen, theologiesoziologischen Ansatz mit Formulierungen wie „die Wohltat der Religion ... die Wohltat religiöser Interpretation“).

    Die folgenden Aussagen stammen aus Studien der Jahre 1997-2010 (Sonntags-blatt/Emnid, Bertelsmann, Allensbach) . Diese Umfragen sind methodisch, in der Auswahl der Befragten  und von der Fragestellung her unterschiedlich. Man sollte also die Zahlen selbst nicht allzu ernst nehmen, keinesfalls aufaddieren o.ä. Die Zahlen zeigen aber Größenordnungen und Trends an.
     

  • In Deutschland kann man 70% der Bevölkerung als religiös bezeichnen, darunter 18% als hochreligiös. Unter den Nichtreligiösen glauben 12% an die Existenz Gottes/ eines göttlichen Prinzips oder die Unsterblichkeit der Seele (man bemerkt das Definitionsproblem: was meint „religiös“?!). Andererseits: Jedes sechste Kirchenmitglied ist aufgrund seiner Überzeugungen als atheistisch einzustufen. Für jeden fünften Deutschen haben Religion und Glauben einen hohen Stellenwert für persönliche Identität und Lebensgestaltung.
  • 57% der Deutschen bejahen eine göttliche Kraft, 10% halten sie für möglich. Aber nur 17% dieser Gesamtgruppe sehen in Gott einen persönlichen Ansprechpartner, sogar unter den regelmäßigen Kirchgängern nur ein Drittel.
  • Religiosität ist altersabhängig: Bei den unter 30-Jährigen sind nur 52% religiös/14% hochreligiös. Es gibt hier jedoch eine unverhältnismäßig hohe Zustimmung zu Gott/Leben nach dem Tod/Unsterblichkeit der Seele/Wiedergeburt (41%). Andererseits steigt bis zu den über 60-Jährigen die enge Verbindung  von Gott und Natur von 43 auf 55%. 80%  der über 50-Jährigen sagen dass das Leben durch die Naturgesetze bestimmt werden, aber nur 68% der 18-29-Jährigen
  • 70% aller deutschen Jugendlichen zwischen 9 und 19 Jahren glauben an ein Leben nach dem Tod, darunter sind eingeschlossen die 19% aller welche an eine Wiedergeburt glauben – nicht eben eine Vorstellung der vorherrschenden christlichen oder muslimischen Religion.
  • Religiosität ist bildungsabhängig. Unter den Hauptschülern ohne Lehre bejahen 24% einen persönlichen Gott, knapp ein Drittel eine nicht persönliche universale Kraft; unter den Abiturienten/Akademikern sehen nur 14% einen persönlichen Gott, aber 55% eine  nicht persönliche universale Kraft. (Das passt zu einer Umfrage der Royal Society nach der nur 3,3% der britischen Akademiker, aber 68,5% der Gesamtbevölkerung an Gott glauben. Nach einer Gallup-Umfrage sind in den USA 5% der Ingenieure gläubig, aber 55% der US-Bürger insgesamt).
  • Religiosität bei Frauen ist sie etwas stärker ausgeprägt. Verheiratete sind religiöser als Ledige.
  • Über die letzten Jahre recht konstant bezeichnen sich knapp 50% der Deutschen selbst als religiös, knapp 10% als überzeugte Atheisten.
  • Die Kirchen verlieren an Überzeugungskraft. Jeder zweite Befragte sagt die Kirche habe keine Antwort auf die Fragen des Lebens. 27% der formalen Protestanten, 19% der Katholiken fühlen sich keiner Religion nahe. Theologische Feinheiten finden kein Interesse mehr: 62% aller Befragten wünscht sich einen Zusammenschluss von evangelischer und katholischer Kirche. Ein Viertel der jungen Befragten meint dass man sich aus verschiedenen religiösen Lehren seinen eigenen Glauben zusammenstellen sollte („Synkretismus“, „Patchwork-Religion“, „Bastelreligion“ – Jesus sah das wohl etwas strenger: „Seied heiß oder kalt! So ihr aber lau seid will ich euch ausspeien aus meinem Munde!“). Zu Ritualen besteht wenig Neigung.
  • Den christlichen Glauben bezeichneten rund 50% der Bevölkerung als wichtig, 30% als nicht zeitgemäß, überholt.
  • Im September 2010 wurde die SHELL "Jugendstudie 2010" veröffentlicht. Von den deutschen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund glauben demnach in den alten Bundesländern 23% (Neue Bundesländer: 8%) an einen persönlichen Gott, 24% resp. 7% an eine überirdische Macht. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund (hohe Zahl an Muslimen!) glauben 44% an einen persönlichen Gott, 22% an eine überirdische Macht. Papst Benedikt lag also nicht falsch wenn er zum gleichen Zeitpunkt beklagte, dass viele Menschen ein „geheimnisvolles und unbestimmtes höheres Wesen“ an die Stelle der Vorstellung von Gott als Person setzen.  Er beklagte weiterhin dadurch werde das soziale Handeln „mehr und mehr von privaten Interessen bestimmt – zum Schaden der Gesellschaft“. Im Gegensatz dazu stellt die SHELL-Studie zunehmendes soziales Engagement fest: 39% aller Jugendlichen setzen sich häufig für soziale oder gesellschaftliche Zwecke ein.

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    Woran glauben die Deutschen?

    Deutschland liegt mit seiner Religiosität nicht am untersten Ende der Skala. Nach einer US-Studie (Pew Institute 2007) glauben in Deutschland 42% an ein höheres Wesen, in Frankreich nur 27%. In den USA sind es andererseits 73%.  Eine deutsche Studie (Bertelsmann „Religionsmonitor“) stuft in Deutschland 71% als religiös ein, 89% in USA; GB 54%, Frankreich 52% und Russland 45% beschließen die Skala.

    Nach der Pew-Studie von 2007   glauben 92% der US-Amerikaner an Gott oder einen universellen Geist, 58% beten täglich, fast 75% glauben an eine Belohnung im Himmel, fast 60% an eine ewige Bestrafung in der Hölle. Eine Mehrheit der Amerikaner glaubt an die Präsens von Engeln und Dämonen in unserer Welt (Einfluss der Pfingstbewegung!) und an das Vorkommen von Wundern. 33% der Amerikaner sagen das Heilige Buch (Bibel/Koran/Torah) sind Wort-für-Wort richtig weil direkt von Gott gegeben. Bemerkenswert ist andererseits die gezeigte Toleranz: 70% der Gläubigen meint dass neben der eigenen auch viele andere Religionen zur ewigen Erlösung führen können; ein Viertel allerdings glaubt dass es nur einen richtigen Weg gibt.

    Mit den 90er Jahren hat in den USA ein Trend zur Säkularisierung eingesetzt: Von 1990 bis 2010 fiel der Anteil der Protestanten von 62 auf 51%, während der Anteil der Menschen ohne religiöse Bindung von 8 auf 18% anstieg. Unter den Colledge-Freshmen nahmen1985 bis 2011 die ohne religiöse Bindung von 8 auf 25% zu.

    85 bis fast 100% der Menschen sind lt. „Religionsmonitor“ in islamischen Ländern wie Marokko und Indonesien, aber auch in Polen, in Südamerika, in Indien und in Thailand religiös (die internationalen Untersuchungen stehen noch am Anfang).


     

    Vergleich der Religionen – Gibt es Übereinstimmungen?

    Gott, Leben nach dem Tod, Sinn der Welt

    Die Frage nach Übereinstimmung lässt sich schlicht verneinen. Es gibt keine Aussagen über Gott, den Sinn der Welt, das Leben nach dem Tod o.ä. die allen Religionen gemeinsam sind. Auch lässt sich nicht erkennen dass diese sich im Laufe der letzten 3000 Jahre aufeinander zu bewegt haben – keinen Millimeter sind sie sich näher gekommen.  Der Bahaiismus behauptet eine mystische Identität aller Religionen im Sinne einer Folge von göttlichen Offenbarungen, beansprucht aber für sich selbst den besonderen Status der vorläufig letzten Offenbarung Gottes – und ist damit auch nur eine Religion unter vielen.

    Grundlehren der Religionen

    Sinn des Lebens ist entweder die Erlangung ewiger Seeligkeit durch Glaube und gottgefälliges Leben oder der Ausstieg aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten und Auflösung im Nirwana. (Eigentlich ist hier „Sinn“ identisch mit „Aufgabe für den Menschen“. Hawkings Frage „Warum muss sich das Universum all dem Ungemach der Existenz unterziehen?“ – mit anderen Worten: „Warum ist nicht nichts?“  - bleibt immer unbeantwortet).

    Schiere Logik sagt dass die so verschiedenen Religionen nicht gleichzeitig wahr sein können. Dennoch beschleicht den wahrhaft Gläubigen nicht der geringste Zweifel daran dass gerade er im Besitz der alleinigen Wahrheit ist und alle anderen sich irren – er persönlich ist von Gott auserwählt rechtgläubig zu sein!

    In einer solchen Lage die einzelnen Religionen bewerten zu wollen kann nicht sinnvoll sein. Mit mehr Recht aber kann man die Frage stellen ob es denn überhaupt einen Gott gibt und welche Rolle er in dieser Welt spielt. (Diese Fragestellung kann ihre gedankliche Nähe zu den monotheistischen Religionen  Judentum, Christentum, Islam, Sikhismus .... nicht verleugnen).

    Ethik, Moral

    Durchaus ähnlich sind sich die Religionen da wo sie Aussagen zur Moral treffen. Dafür gibt es freilich eine einfache Erklärung: Keine menschliche Gemeinschaft kann überdauern, wenn ihre Mitglieder nicht gegenseitig Leben, Gesundheit und Besitz respektieren. Mehr noch:  eine Gemeinschaft wird umso besser gedeihen, je mehr ihre Mitglieder sich gegenseitig unterstützen. Ethische Grundregeln müssen sich also in einem evolutionären Prozess herausgebildet haben – sie müssen bei allen Menschen gleich sein. Ob ethische Grundregeln vererbt, also bereits im menschlichen Gehirn angelegt sind, oder ob sie ausschließlich ein Ergebnis der Erziehung sind, ist eine interessante Frage an die Wissenschaft. Einiges hierzu findet sich weiter unten.

    Kosmologie/Wissenschaft

    Die verschiedenen Religionen bieten äußerst unterschiedliche Kosmologien an – das muss uns nicht weiter irritieren. Hier ist die Deutungshoheit klar an die Naturwissenschaft übergegangen.

    In der Historie finden wir immer wieder große Denker die Wissenschaft und Religion versöhnen wollten. Der größte jüdische Philosoph des Mittelalters, Moses Maimonides (1138-1204), Jude aus Cordoba und nach wechselvollem Schicksal Leibarzt des Kalifen Saladin in Kairo, machte in seinem arabisch geschriebenen Werk „Führer der Unschlüssigen“ den Versuch; religiöse Texte und Aussagen erklärte er als stets nur metaphorisch zu verstehen. Er kam der „Negativen Theologie“ (Meister Eckhart, Heinrich Seuse) nahe, die „alle Eigenschaften, Benennungen oder Definitionen des Göttlichen .... konsequent negiert, so dass das Göttliche ein unvorstellbares und nicht beweisbares "Nichts" jenseits der Welt ist und bleibt. Ihm wird in dieser Weise selbst das Sein abgesprochen.“ (nach Wikipedia). Was denn ein solcher Nicht-seiender Gott für einen Erklärungswert besitzt und was er dem Gläubigen bietet ist nicht zu ersehen.

    Im Großen und Ganzen akzeptieren die heutigen Religionen die Ergebnisse der Wissenschaft, man hat einen modus vivendi gefunden. Dieser beruht im Wesentlichen auf der stillschweigenden Anerkennung dass es sich um „nicht überlappende Wissensbereiche“ („NOMA“=Non-overlapping Magisteria“) handle.  Der Übergang war gerade im Christentum keineswegs schmerzfrei, die Erwähnung des Namens Galilei mag genügen. Besonders heftig waren die Auseinandersetzungen im 19.Jahrhundert um die Evolutionstheorie (sie verträgt sich weniger gut mit dem einmaligen Schöpfungsakt in den abrahamitischen Religionen als mit den fortdauernden Entwicklungen der zyklisch denkenden Religionen). Die Evolutionstheorie wird heute von der katholischen Kirche bestenfalls halbherzig als mit dem Glauben vereinbar akzeptiert. Anfang November 2008 fand in Rom ein Kongress der päpstlichen Wissenschaftsakademie statt die nach Angaben des Akademiepräsidenten Nicola Cabibbo wissenschaftliche Beiträge sammeln sollte „die die Evolutionstheorie bestätigen oder widerlegen“, während Benedikt XVI. vorweg die Lehre des „Intelligent Design“ verkündete: „Die Feststellung dass die Schaffung des Kosmos und seine Entwicklungen letztendlich vorausschauende Weisheit des Schöpfers sind, bedeutet nicht dass die Schöpfung nur mit dem Anfang der Geschichte der Welt und des Lebens zu tun hat.“  Aggressiv kämpferisch gibt sich die große Gruppe christlicher Fundamentalisten die vornehmlich in den USA den Buchstaben des Bibelwortes im Naturkundeunterricht gleichberechtigt neben die Wissenschaft stellen wollen und dazu den Etikettenschwindel „Intelligent Design“ erfunden haben.

    Eine Frage zum Verhältnis Wissenschaft-Religion sei hier erlaubt:
    Wenn Gott die Welt geschaffen hat, ist es dann nicht ein religiöser Akt sein Werk zu studieren, seine Schrift zu entziffern, seinen Plan zu entschlüsseln, seine Gedanken zu lesen? Ist Naturwissenschaft – das Studium von Gottes  Originalwerk - nicht noch mehr eine religiöse Pflicht als das Studium alter Papiere aus Menschenhand? Eine wirklich moderne Religion könnte die Naturwissenschaft gedanklich wieder integrieren – ein Ansatz dazu ist freilich nicht zu erkennen.  (Starkes wissenschaftliches Interesse war/ist ein Merkmal des bildungsbeflissenen Jesuitenordens. Das Schicksal des Jesuiten, Priester, Geologen und Paläontologen Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955), der Evolutionstheorie und christlichen Glauben versöhnen wollte, stimmt allerdings traurig: seine Bücher konnten erst nach seinem Tod gedruckt werden).

    Es gibt allerdings heute auch Versuche zu einer Verschmelzung  von Wissenschaft und Religion: Die „Prozess-Theologie“, abgeleitet von der metaphysischen Prozessphilosophie Alfred North Whitehead’s (1861–1947), beschreibt unter voller Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse die Welt als vernetztes System willensfreier Individuen; Gott (nicht allmächtig, nicht unveränderlich) beinhaltet das Universum ist aber nicht identisch damit.  Damit geht freilich Gott als personales Gegenüber  des einzelnen Menschen verloren, ebenso die subjektive Unsterblichkeit. Solche oder ähnliche Auffassungen mögen für Naturwissenschaftler attraktiv sein, ob sie eine große Zahl Gläubiger finden werden erscheint zweifelhaft.

    Auf der anderen Seite gibt es auch gottgläubige Wissenschaftler, so den einflussreichen Chemiker und Genetiker Francis Collins, Direktor des "National Institutes of Health" der USA berufen, einer Behörde des Gesundheitsministeriums zur biomedizinischen Forschung, evangelikaler Christ. Die Evolutionstheorie steht für ihn keineswegs im Widerspruch zu einem Glauben an Gott. „Für ihn sind Evolution und Urknall eine Idee Gottes, ebenso wie die in gewisser Weise außerhalb des reinen Naturgeschehens stehenden Phänomene der Moral, des freien Willens und, natürlich, der unsterblichen Seele“. Die DNA sei für ihn "die Sprache Gottes".
     


     

    Gott und der Mensch in der europäischen  Philosophie und Psychologie


    William von Ockham – L. Feuerbach –K. Marx – F. Nietzsche –S. Freud –J.P. Sartre

    Offen die Frage nach der Existenz Gottes zu stellen war viele Jahrhunderte selbstmörderisch.  Philosophie konnte nur heißen im vorgegebenen Rahmen des christlichen Glaubens zu denken, zum Beispiel sich neue Beweise für die ohnehin angenommene Existenz Gottes auszudenken.

    Ein über die Jahrhunderte leuchtendes Beispiel klaren Denkens ist William von Ockham (circa 1285-1347). Noch heute viel zitiert ist „Ockhams Messer“ („Ockham’s razor“): „Vermehre Entitäten nicht über Notwendigkeit hinaus“ – das heißt: „Wenn es für eine Sache eine gute Erklärung gibt, dann soll man sie nicht mit unnötigen Annahmen beladen“ – oder noch simpler:  „Wenn ausreichend, dann ist die einfachste Erklärung die beste“. So kann man seiner Meinung nach geschaffene Dinge auch ohne Zitieren eines Schöpfers verstehen. Ockhams Messer schneidet heute noch: Da wir die Entwicklung des Kosmos wie die des Lebens auf der Erde mit wissenschaftlichen Methoden klar und schlüssig erklären können, ist Gott dazu eine völlig überflüssige Zutat. In der Tat kam William schon zu der Erkenntnis dass  man Gottes Existenz nicht schlüssig beweisen kann; ihm war klar dass alle üblichen „Gottesbeweise“ zu einem unendlichen Regress führen der willkürlich mit dem Ruf „Gott!“ gekappt wird.

    Der außerordentlich vielseitige und lange nachdenkende Denker Baruch de Spinoza (1632-1677) kam mit pantheistischen Ideen dem Atheismus lebensgefährlich nahe. In Judentum und Christentum sah er vergängliche Phänomene. Er argumentierte für eine Trennung von Kirche und Staat. Offen publizieren konnte er nicht.

    Erst mit der Zeit der Aufklärung des 18.Jahrhunderts,  der Betonung der menschlichen Vernunft  und dem Bruch der uneingeschränkten Macht der Kirche konnten Philosophen sich ungestraft der Frage nach Gott und der damit verbundenen Frage nach der menschlichen Moral widmen. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ („sapere aude“) heißt es bei Kant.


    Francisco Goya (1746-182) - Nr.43 aus den Caprichos
    "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"

    Immanuel Kant (1724-1804)befreite die menschliche Moral aus dem Diktat der Religion; die Verantwortung lag nach dem „kategorischen Imperativ“ ganz allein bei dem einzelnen Menschen. Alle Gottesbeweise früherer Denker wies er als logisch unzureichend zurück.  Gott, Jenseits und Seele sind mit den Mitteln der Vernunft weder beweisbar noch widerlegbar. Gott ist als Erklärung der Natur nicht notwendig. Kant wagte aber dennoch den letzten Schritt nicht: die Existenz Gottes klar zu leugnen.

    Ludwig Feuerbach (1804-1872)war der erste Philosoph, der klar sagte: Es gibt keinen Gott, es gibt keine Unsterblichkeit. Gott ist eine Projektion menschlichen Wunschdenkens, Unsterblichkeit das größte Lockmittel der Religion.

    Alle Nachfolger Feuerbachs gingen von der Nichtexistenz Gottes aus, untersuchten aber verschiedene Ansätze wie es überhaupt zum Glauben an Gott kommen konnte, und wie er sich auf das Schicksal der Menschen auswirkt.

    Karl Marx (1818-1883) analysierte angesichts der Auswüchse des Frühkapitalismus die gesellschaftliche Funktion des Glaubens an Gott und Jenseits:  Die Religion sorgt dafür  dass die einfachen Menschen ihre entsetzliche soziale Lage hinnehmen (können) und dient damit den Interessen der politischen und wirtschaftlichen Machthalter („Opium des Volks“); die Kirche stabilisiert die Machtverhältnisse. Würde man die sozialen Verhältnisse verändern, dann würde auch der Glaube verschwinden.

    Friedrich Nietzsche (1844-1900) betonte dass nur das diesseitige, gegenwärtige Leben des Menschen wahren Wert hat. Die irreale Gegenwelt der Religion ist destruktiv, sie hindert den Menschen sein Leben selbst zu gestalten. Erst das Ende der Religion – „Gottes Tod“ – gibt dem Menschen die Freiheit zurück – er kann sich zum „Übermenschen“ entwickeln.

    Siegmund Freud (1856-1939) deutete den Glauben an Gott als infantile Projektion eines  Übervaters. Religion ist neurotischer Wirklichkeitsverlust. Religion vermittelt die Illusion der Wunscherfüllung, hindert den Menschen sich auf die Realität zu konzentrieren, hält ihn im Infantilen gefangen.

    Jean Paul Sartre (1905-1980) unterstrich dass die Welt keinen von außen vorgegebenen Sinn besitzt. Der einzelne Mensch besitzt daher vollkommene Freiheit zu einem eigenen Lebensentwurf – sein Leben zu gestalten das ist seine Aufgabe.  Damit ist der Mensch aber auch alleine verantwortlich („Existenzialismus“).

    Die „Neomarxisten“ Theodor W. Adorno (1903-1969) , Herbert Marcuse (1898-1979)  und Max Horkheimer (1895-1973) beklagten dass der Mensch aus der Sklaverei der Religion zunehmend in eine neue Abhängigkeit gerät, weil er allein dem technischen und wirtschaftlichen Fortschritt dient, sich ausschließlich über den Konsum definiert.  Mit maßloser Güterproduktion  beutet er dabei Natur und Umwelt aus.  Religion ist ohne objektiven Gehalt, ist bloße Illusion. Mit ihrer Vision einer anderen vollkommenen Welt kann sie aber neue Kräfte auslösen.

    Ernst Bloch (1885-1977), der „Philosoph der Hoffnung“, betont die unbegrenzte Möglichkeit und Freiheit des Menschen, eigenverantwortlich eine bessere Welt für alle zu schaffen.  Der Mensch kann für diese Welt leisten was die Religion illusionär für die jenseitige Welt versprach.


     

    Gibt es einen Gott?


    Michelangelo Buonarroti: Erschaffung Adams
    (Montage HG Klug)

    Beweise und Hinweise
     

    Carl Sagan:  „Ungewöhnliche Behauptungen erfordern ungewöhnliche Beweise“.
    Praktische Alltagsweisheit: „Das Fehlen von Beweisen für die Existenz einer Sache trotz sorgfältigster Suche ist ein Beweis für die Nichtexistenz“.


    Ein Gott der nur die Naturgesetze festgelegt und sich dann „vom Geschäft“ zurück gezogen hat („Deismus“), von einem solchen Gott soll Einstein metaphorisch gesprochen haben. Aber solch ein Gott ist eigentlich recht uninteressant. Problemlos kann man hier das Wort „Gott“ durch „Natur“ ersetzen. Für den einzelnen Menschen ist doch nur ein Gott wichtig, der Anteil nimmt an jedem persönlichen Schicksal; ein Gott mit dem man in Wechselwirkung treten kann durch Gebet oder Ritus; ein Gott der Tröstung und Erlösung bietet (oder mit Strafe droht).

    Für die Existenz eines solchen Gottes gibt es in der Welt nicht den geringsten Hinweis oder gar Beweis. Alle sogenannten „Gottesbeweise“
    · der kausale Gottesbeweis
    · der ontologische Gottesbeweis
    · der Kontingenzbeweis
    · der teleologische Gottesbeweis
    · der kosmologische Gottesbeweis
    sind logisch unsauber und nicht mehr ernsthaft zitatfähig. Es ist zu bezweifeln dass sie überhaupt einmal jemand anderes als den ohnehin Gläubigen überzeugt haben, wie es ein echter „Beweis“ tun müsste: sie funktionieren auch praktisch nicht.
     

    Besonderer Beliebtheit erfreut sich bei streng bibelgläubigen Christen der teleologische Gottesbeweis in der Form des „Gestaltungsargumentes“, nämlich als die Behauptung, nur mit einem gestaltenden Gott lasse sich die überaus komplexe Welt des Lebendigen erklären. (Der englische Theologe William Paley gab ihm in seinen 1802 erschienenen Buch „Natural Theology“ die literarisch überzeugendste Form, das „Uhrmacherargument“.)   Eine Erklärung ist es  aber nicht wirklich: Ein solch gestaltender Gott müsste noch viel komplizierter sein als die von ihm gestaltete Welt – und daher noch viel erklärungsbedürftiger! Im Übrigen gibt es mit der auf Darwin zurückgehenden, in der Zwischenzeit bestens belegten Evolutionstheorie eine überzeugende Erklärung dafür wie aus einfachen Anfängen immer komplexere Lebewesen mit immer komplexeren Organen entstehen konnten. Es ist daher nicht verwunderlich dass keine wissenschaftliche Aussage von den christlichen Fundamentalisten so heftig bekämpft wird wie die Evolution.

    Unter heutigen Kosmologen taucht der teleologische Gottesbeweis in Form des „starken anthropischen Prinzips“ wieder auf. Die Tatsache dass unser Leben eine feine Abstimmung physikalischer Konstanten voraussetzt wird als Beleg dafür gewertet dass eine gestaltende Intelligenz am Werke war – schlicht gesagt: ein Schöpfergott. Viele Physiker aber lehnen das Prinzip ab weil es nicht wirklich etwas erklärt und keinerlei Vorhersagekraft besitzt (Nobelpreisträger Steven Weinberg: „... ist nicht viel mehr als mystischer Mumpitz“).

    Ebenso wenig wie die Existenz kann man die Nichtexistenz Gottes logisch „beweisen“, da man ihn durch geeignete Annahmen über seine Eigenschaften immer dem Nachweis entziehen kann (bekanntlich kann man mit Logik nicht einmal die Nicht-Existenz von Einhörnern beweisen!).  Der Versuch Gott durch schrittweise Veränderung seiner Eigenschaften unwiderlegbar zu machen führt allerdings dazu dass er am Ende gar keine greifbaren Eigenschaften mehr besitzt, vgl. die Garten-Parabel von Antony Flew, siehe Literaturverzeichnis. Jedenfalls heißt die Unmöglichkeit logischer Beweise noch lange nicht dass Existenz und Nicht-Existenz gleich wahrscheinlich sind.

    Wir können immerhin nach Hinweisen und Spuren Gottes in der Welt suchen. Da aber spricht alles für einen kalten, teilnahmslosen, uninteressierten, wenn nicht gar für einen grausamen Gott. Oder für einen Gott welcher der Welt ohnmächtig zuschaut (und dann seinen Namen nicht verdient). Oder eben: gar keinen persönlichen Gott. Eine Welt in der Kinder mit schwersten Missbildungen und Behinderungen geboren werden oder an Krebs sterben; eine Welt in der Millionen Menschen in einer großindustriellen Aktion bekannt als Holocaust vergast werden – eine solche Welt zeugt wahrlich gegen einen gütigen Allmächtigen. In der Tat hat die Rechtfertigung Gottes für das Böse in der Welt (die „Theodizee“) den Theologen stets besondere Kopfschmerzen bereitet und ist nie befriedigend erreicht worden.

    Offenbarter Glauben

    Nun fragt der Gläubige allerdings ohnehin nicht nach Beweisen – seine Religion ist ihm schließlich offenbart worden. Oder schlichter: er hat sie übernommen aus seinem sozialen Umfeld, ein unbewusster Prozess.

    Gewöhnlich wird er sie von seinen Eltern übernehmen. Zufällig oder gnädigerweise hat Gott (persönlich oder durch einen Stellvertreter) gerade den Vorfahren des Gläubigen die einzig wahre Wahrheit offenbart. Man kann bei einem solchen Gläubigen einen schweren Mangel an Denkvermögen diagnostizieren, aber  er kann zumindest mildernde Umstände für sich in Anspruch nehmen: ihm ist schon als kleinem Kind diese Weltsicht eingeimpft worden. Den Jesuiten wird die Ansage zugeschrieben: „Gib mir ein Kind bis es sieben ist, ich gebe dir den Mann.“ (Der Einfluss des Umfeldes auf den persönlichen Glauben wird sehr schön durch die Beobachtung illustriert, dass in den alten Bundesländern 78% der Menschen „religiös“ sind, in den  Neuen Bundesländern nur 36%; bei den „hochreligiösen“ liegt das Verhältnis bei 21% zu 8% (Bertelsmann 2007).

    Oder aber Gott offenbart sich irgendwie dem Einzelmenschen. In diesem Falle ist natürlich eine Diskussion ganz zwecklos. Allerdings sagt eine solche Offenbarung überhaupt nichts über die Wahrheit des Offenbarten ... sonst müsste man ja auch jenen aufs Wort glauben die erzählen, wie sie von Außerirdischen in ein Ufo entführt und vergewaltigt wurden ....

    Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen nach Stephen D. Unwin

    Der Physiker Stephen D. Unwin hat ein erfolgreiches und viel zitiertes Buch geschrieben über eine Wahrscheinlichkeitsbetrachtung zur Existenz Gottes. Er nutzt dabei ein von Thomas Bayes  (1702-176, Pfarrer und Mathematiker) entwickeltes Verfahren um die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses aufgrund einzelner Indizien zu berechnen.
     

    Die Formel lautet hier:

    Wdanach = (Wzuvor x I ) : (Wzuvor x I + 1 – Wzuvor)
     

    Dabei ist

    Wzuvor die Wahrscheinlichkeit dafür dass eine bestimmte Aussage (hier „Es gibt Gott“) wahr ist, bevor ein neues Indiz abgearbeitet wird;     Wzuvor = 1 hieße die Aussage ist ganz sicher (100% wahrscheinlich),  Wzuvor =0 hieße die Aussage ist mit Sicherheit falsch (0% wahrscheinlich),    Wzuvor =0,5 hieße „keine Aussage“  (50% Wahrscheinlichkeit).

    I ist ein Zahlenwert für das Indiz. Er erfasst, ob das Indiz die Wahrscheinlichkeit für die Aussage erhöht (I größer als 1 einsetzen), unberührt lässt (I=1) oder verringert (I zwischen Null und 1).

    Wdanach ist die Wahrscheinlichkeit dafür dass eine bestimmte Aussage (hier „Es gibt Gott“) wahr ist, nachdem das Indiz berücksichtigt wurde.

    Bei mehreren Indizien wird die Operation wiederholt, indem das  Wdanach des vorhergehenden Schrittes zum   Wzuvor des neuen Schrittes gemacht wird.

    Stephen D. Unwin beginnt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% ( = 0,5) und berücksichtigt die folgenden Indizien:

    · Fähigkeit des Menschen das Gute zu erkennen   I=10
    · Existenz des moralisch Bösen                               I=0,5
    · Existenz des natürlich Bösen                                 I=0,1
    · Natürliche Wunder (erhörte Gebete)                     I=2
    · Übernatürliche Wunder (Auferstehung)                 I=1
    · Religiöse Erfahrungen                                           I=2

    Schrittweises Abarbeiten der Indizien führt zu   Wdanach =0,67 d.h. 67% Wahrscheinlichkeit dass Gott existiert.

    Thomas Vasek (P.M. 12/2006) produziert den Wert  62% mit den sehr viel überzeugenderen Indizien

    · Entstehung des Kosmos        I=2
    · Ordnung des Kosmos            I=2
    · Evolution des Lebens            I=1
    · Das Gute und das Böse        I=0,1
    · Religiöse Erfahrungen           I=2

    Leider ist das Verfahren geeignet jeden beliebigen Wert zu erzeugen. An drei Schrauben kann man drehen:
     

    Es ist daher möglich jedes gewünschte Ergebnis zu produzieren. Der Wert des Verfahrens liegt maximal darin, überhaupt zum Nachdenken anzuregen – die erzeugten Aussagen selbst sind wertlos.

    Müsste der Verfasser eine solche Betrachtung anstellen, so würde er das Übel in der Welt als „Killerkriterium“ gegen einen allmächtigen und gütigen Gott einführen (formal: I=0  führt zu   Wdanach =0  -  keinerlei Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes).  Würde man allerdings die Frage nach der Existenz eines bösartigen Gottes stellen, so würden die oben zitierten Rechnungen unter sonst gleichen Annahmen die Existenz eines solchen bösen Gottes als viel wahrscheinlicher ergeben als die eines gütigen Gottes!

    Die Pascal’sche Wette

    Der große französische Mathematiker, Physiker und Konstrukteur einer Rechenmaschine  Blaise Pascal (1623 – 1662) hat vorgeschlagen die Frage nach der Existenz Gottes im Sinne einer Wette zu behandeln:

    Gläubig zu sein bedeutet einen endlichen Aufwand. Wer in der Wette auf die Existenz Gottes setzt und dementsprechend gläubig lebt, hat Aussicht auf unendlichen Gewinn – wenn Gott tatsächlich existiert, wird er den „Gläubigen“ mit ewiger Seeligkeit belohnen. Existiert Gott aber nicht, dann hat der „Gläubige“ auch nichts verloren (abgesehen vom Aufwand gläubig zu sein).
     

    Man fand  nach Pascals Tod  einen Zettel, eingenäht in das Futter einer Jacke. Er beschreibt darin wie ihn ein Erweckungserlebnis (eine langen Trance), die ihn zum Glauben an Gott führte, und nach welchem er seinen Lebensstil radikal auf religiöse Inhalte umstellte.

    Wie ein Mensch auf Grund einer Wette gläubig werden kann hat er nicht erklärt. Und man muss sich fragen ob Gott diese Art Gläubigkeit wohl zu würdigen wüsste .... Vielerlei andere Einwände wurden gegen die Wette erhoben.  Vielleicht muss man sie aus der Lebenssituation Pascals verstehen. Dank seines Erweckungserlebnisses musste er glauben; sein Verstand aber erlaubte es ihm nicht. Die Wette stellte seinen Verstand ruhig. Die Frage aber blieb, ob Gott eine solche Wette annehmen, ihm seinen Glauben abnehmen werde. Nur durch extreme Maßnahmen konnte er hoffen, Gott zu überzeugen. Und zu denen griff Pascal: Er trennte sich von seinen Freunden, verkaufte sein ganzes Hab und Gut außer einer Bibel, so dass er um Essen betteln musste. Er trug einen eisernen Gürtel mit Spitzen an der Innenseite die ihn beständig quälten und die er tiefer ins Fleisch drückte wenn er sich in der Gefahr sah sich glücklich zu fühlen. Pascals Wette – Zeugnis einer menschlichen Tragödie.
     
     


     

    Vom Nutzen und Schaden der Religion

    Eine ganz andere Frage als nach der Wahrheit ist die Frage nach dem Nutzen der Religion. Grundsätzlich kann es nicht gut sein wenn ein Mensch durch die Religionsgemeinschaften darauf trainiert wird, unbewiesene und oft jeder Erfahrung und dem gesunden Menschenverstand widersprechende Sachbehauptungen als bare Münze zu akzeptieren. Solch Schwächung des geistigen Immunsystems muss anfällig machen gegen allerlei von Politikern, Medien oder Wirtschaftsmächten autoritär Verkündetes. Werden die Aussagen und Versprechungen der Religion selbst wörtlich genommen, dann kann „in bestem Glauben“ Furchtbares geschehen, wie die islamischen Selbstmordattentäter beweisen. Schon Voltaire sagte: „Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben der kann dich auch veranlassen Gräueltaten zu begehen“ („Ceux qui peuvent vous faire croire des absurdités, peuvent vous faire com-metre des atrocités.”)“.  Und Stephen Weinberg formulierte: „Mit oder ohne Religion werden sich gute Menschen gut verhalten und schlechte Menschen werden  Böses tun. Doch der Beitrag der Religion in der Geschichte war, es guten Menschen zu erlauben, Böses zu tun“.

    Außer Frage steht auch dass die Religionen stets eher trennend als zusammenführend wirken. Religion kommt als Etikett für den Gegner immer gelegen (man denke an die Geschichte Indiens, Irlands, Palästinas,  des Iraks).

    Gewiss lehren die heiligen Bücher - z.B. Neues Testament und Koran -  (auch) Nächstenliebe und Barmherzigkeit, und aus diesen Lehren ist viel Gutes entstanden. Aber: Die Überzeugung alleine die Wahrheit zu besitzen, von Gott selbst auserwählt zu sein, muss nicht nur zu aggressiver Missionstätigkeit führen sondern auch zur Gering-schätzung Andersgläubiger bis hin zur Bereitschaft sie als ohnehin Verdammte physisch zu vernichten.  Offensichtlich sind die monotheistischen Religionen besonders anfällig für solche Denkweisen.

    Ob Religionskriege oder religiöser Terror wirklich ursächlich der Religion entspringen, oder ob die Religion sich von Machthabern und Politikern für deren eigene Interessen instrumentalisieren lässt, mag offen bleiben – für die Opfer von Kreuzzügen, Hexenwahn, Inquisition, Conquista, Dschihad, Pogromen  oder Holocaust macht es keinen Unterschied. Zumindest bei Hexenwahn und Inquisition wie in der Judenverfolgung liegt die Hauptschuld für Jahrhunderte lang vollbrachte Gräuel bei der „real existierenden Religion“, nämlich der christlichen Kirche. Auch dem islamischen Terrorismus liegt nichts anderes als die Religion zugrunde – Osama bin Laden selbst hat es ja oft genug betont ( dass  die große Mehrheit der Muslime ihr Leben ohne Gewalt führt ändert daran nichts). Und selbst wenn wir Religion nur als ein „Instrument“ skrupelloser Machthaber und Politiker sehen wollen: dieses Instrument ist dann eine Waffe, die im Laufe der Geschichte weit mehr Opfer gefordert hat als die Atombombe.

    Die Einsicht, dass die Religionen als Brandbeschleuniger bei den Konflikten in dieser Welt wirken, ist übrigens recht weit verbreitet: 1998 stimmten bei einer  fowid-Umfrage in 30 Ländern der Feststellung „Wenn man sich in der Welt umschaut, bringen Religionen mehr Konflikte als Frieden“ 60% zu oder gar „voll“ zu. Bei einer analogen fowid-Umfrage in Deutschland in 2002 stimmten 42% der Befragten „voll“ oder „eher“ zu.
     
     


    Judenverbrennung -  christliche Tradition?
    (Montage HG Klug)

    Wenn andererseits die Religion „die Mühseligen und Beladenen erquickt“, die Kranken und Sterbenden tröstet, dann kann man dagegen so wenig sagen wie gegen Placebos, Palliativmedizin und barmherzige Lügen. Solche Wirkung beweist freilich nicht die Wahrheit der religiösen Aussagen. Klar wäre es reizvoll nach dem irdischen Tode so weiter zu leben wie bisher – in etwa jedenfalls – ohne Krankheiten – und bitte ohne die Warze an der Nase! Aber solch Wunschdenken macht die Sache nicht wahrer.

    Bemerkenswert ist die Tatsache eines insbesondere für die USA statistisch gesicherten kleinen positiven Einflusses von Religiosität auf die Gesundheit, bewirkt  vermutlich durch ruhigere und gesündere Lebensweise (z.B. Umgang mit Genussgiften) und befriedigende soziale Einbindung.
     


     

    Gott und die Moral - Kommt die Moral aus dem Glauben?
     
     


    Mutter Theresa in Calcutta, Indien  -  Elektrischer Stuhl in Tennessee, USA
    (Montage HG Klug)

    Häufig wird argumentiert der Glaube an Gott sei wichtig für das moralische Verhalten des Menschen. Das ist wenig überzeugend. Zumindest wäre es eine ziemlich ärmliche Moral die nur funktioniert weil ein göttlicher Oberaufseher über uns wacht und mit den furchtbarsten Strafen droht.

    Es gibt aber auch keinen durch Historie oder wissenschaftliche Forschung bewiesenen positiven Zusammenhang zwischen der Religiosität einer Gesellschaft und ihrem moralischen Standard.

    Eine interessante Studie findet sich im Journal of Religion&Science (Internetjournal herausgegeben von der jesuitischen Universität Creighton, USA). Der Abstract ist es wert wörtlich zitiert zu werden (eigene Übersetzung):

    „Breit angelegte Studien zeigen dramatische Abnahmen in Religiosität zu Gunsten der Säkularisierung in den entwickelten Demokratien. Die allgemeine Annahme der Evolutionslehre korreliert negativ [ist gegenläufig] zum Niveau der Religiosität, und die USA sind die einzige wohlhabende Nation wo die Mehrheit absolut an einen Schöpfer glaubt und die Evolutionslehre unpopulär ist. Es gibt reichlich Daten über das Maß sozialen Versagens oder sozialer Gesundheit in der ersten Welt. Quervergleiche zwischen den Nationen .... erlauben es zu testen ob hohe Raten an Glaube und Verehrung eines Schöpfers notwendig sind für hohe gesellschaftliche Gesundheit. Datenvergleich zeigt dass fast in jeder Beziehung die hochgradig säkularen Demokratien durchgehend niedrige Raten gesellschaftlichen Versagens zeigen, während das pro-religiöse und evolutionsfeindliche Amerika schlecht abschneidet.“

    Folgende statistische Trends treten zu Tage:

    Je gläubiger die Menschen eines Landes sind,


    In den meisten dieser Punkte liegt das frömmste der reichen Länder, die USA,  an der Spitze. 42% aller US-Amerikaner glauben dass alle Lebewesen schon immer so gelebt haben wie heute, es also keine Evolution gibt  (Die Akzeptanz für die Evolution korreliert stark mit dem Bildungsgrad. Die Bedeutung für das politische Leben der USA wird durch die Tatsache erhellt, dass  45% der Anhänger von George W. Bush 2004 sagten, in den Schulen solle nur der Creationismus gelehrt werden, aber nur 24% der Anhänger des Gegenkandidaten Kerry wünschten sich das) .
    Die Mordrate ist in den USA  ein Vielfaches höher als in anderen reichen Ländern. Geschlechtskrankheiten (inkl. Syphilis) sind, insbesondere bei den Jugendlichen, in den USA um eine Größenordnung häufiger.

    Der gläubige Protestant Bill Mc Kibben fasst an anderer Stelle zusammen: “America is simultaneously the most professedly Christian of the developed nations and the least Christian in its behavior.” Siehe Literaturliste!

    Einen Einblick in die aggressive, unduldsame, hasserfüllte, bösartige Denkweise amerikanischer christlicher Fundamentalisten gibt die Zitaten-Sammlung „The American Taliban“, siehe Literaturliste. Nach ihrem Willen würde aus den USA ein christlich-faschistischer Staat.

    Eine interessante und auf den ersten Blick für einen positiven Einfluss der Religion auf die Moral (im weiteren Sinne) sprechendes Ergebnis hat die Bertelsmann–Umfrage erbracht: nur 19% aller Deutschen, aber 26% der Religiösen und sogar 43% der Hochreligiösen üben ein Ehrenamt aus. Hier kann ein Kausalzusammenhang bestehen, muss aber nicht: Religiosität und Bereitschaft zum Dienst an der Gemeinschaft könnten der gleichen Denkstruktur entspringen. Außerdem: Ohne freiwillige unbezahlte Helfer kann heute keine christliche Gemeinde mehr funktionieren.

    Zur Jugendkriminalität in Deutschland wurde 2010 eine bemerkenswerte Studie bekannt. Danach ist die kleine Gruppe der nichtreligiösen Jugendlichen mit Migrationshintergrund eindeutig am besten in die deutsche Gesellschaft integriert, die muslimischen Jugendlichen am schlechtesten. Bei Jugendlichen aller Religionen gilt dass Alkoholprobleme oder Ladendiebstahl mit der Religiosität abnehmen.  Während bei den christlichen und anders religiösen Jugendlichen starke Religiosität die Gewaltdelinquenz verringert, steigt sie bei den muslimischen Jugendlichen  mit der Religiosität an auf  den Höchstwert von 23,5% Gewalttäter (die Zahl wird durch die männlichen Jugendlichen hochgetrieben, die Mädchen sind unauffällig).  Immerhin werden von der sehr religiösen Christen noch 12,4% durch Gewalt auffällig, von den sehr Religiösen anderer Glaubensrichtungen  nur 8,5%. Bei den Muslimen werden in der Studie gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen als ein wesentlicher Einflussfaktor identifiziert. Offenbar stehen Machokultur und Religion im Islam, so wie er in Deutschland von den Imamen gelehrt wird, in einer unheilvollen Allianz.

    Aufsehen erregte auch eine andere Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Demnach sind Kinder in freikirchlichen Familien häufiger Gewalt seitens ihrer Eltern ausgesetzt als bei Katholiken, Protestanten und Muslimen. 21,3% gaben an massiven Schlägen ausgesetzt zu sein. Das christliche Medienmagazin „pro“ formuliert: „Je gläubiger Christen sind, desto eher schlagen sie ihre Kinder.“

    In geschichtlicher Sicht muss man feststellen, dass die von unseren Politikern so gerne beschworenen christlichen Grundwerte unserer westlichen Kultur von den Kirchen, solange sie fast uneingeschränkte Macht besaßen, nicht realisiert wurden. Vielmehr sehen wir Judenverfolgung, Folter, Ketzer- und Hexenverbrennung, Völkermord und Sklaverei - wofür sich in der Bibel reichlich Vorbild und Rechtfertigung findet! Die Durchsetzung der Menschenrechte ist ein  Verdienst von Humanismus und  Aufklärung, nicht der Religion.

     

    Wenn nicht aus dem Glauben, wo sonst kommt moralisches Verhalten her?

    Keine Gemeinschaft kann ohne Kooperation existieren. Eigentlich eine triviale Aussage. Wie sich kooperatives Verhalten in Gruppen realisiert lässt sich selbst bei so einfachen Lebewesen wir Bakterien im Experiment beobachten, und es lässt sich in Simulationen nachvollziehen. „Kooperation“ und „Moral“ aber sind ganz eng verwandt. Im Tierreich wurde zum Beispiel nicht nur bei Menschenaffen, sondern auch bei Kolkraben beobachtet, dass im Streit unterlegene Tiere durch Dritte getröstet werden, was Stress innerhalb der Gruppe abbaut.

    Ein gewisses „moralisches“ Verhalten ist ganz offensichtlich notwendig wenn eine menschliche (oder tierische) Gesellschaft überhaupt funktionieren und überleben soll. Dazu gibt es die wunderbar einfache, weltweit verbreitete „Goldene Regel“ die man schon die Kinder lehrt:

    „Was Du nicht willst dass man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“

    Daraus lassen sich leicht die gängigen praktischen Gebote ableiten wie:


    Der Bezug zum Gemeinschaftsleben wird deutlich in der Formulierung Immanuel Kants („Kategorischer Imperativ“):

    „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst,
    dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
    Die umfassendste Ausprägung menschlichen Rechtsempfindens sind die „Menschenrechte“, die als universell, unveräußerlich und unteilbar aufgefasst werden. Sie gehen auf die europäische Aufklärung zurück. Heute sind sie Gegenstand internationaler Menschenrechtsabkommen und werden in den Verfassungen der Staaten als Grundrechte verankert, sind aber durchaus noch nicht weltweit realisiert. In Europa gilt die „Europäische Menschenrechtskonvention“ (EMRK) bzw. „Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten“. Im Laufe der Jahre sind ihr alle europäischen Staaten beigetreten mit Ausnahme Weißrusslands und des Vatikans (!).

    Wieweit moralisches Verhalten im Sinne der Grundregel angeboren und wie weit es anerzogen ist, lässt sich schwer beurteilen. Eine grundsätzliche Bereitschaft zur Kooperation ist wohl bei der Gattung Homo durch die Evolution als überlebensnützlich ausgelesen worden. Seit Millionen Jahren lebt sie als Jäger und Sammler in kleinen, oftmals eng verwandten Gruppen. Altruismus auf Gegenseitigkeit (im direkten „Austausch“ und indirekt in größeren Gruppen) ist für das Überleben der beteiligten Einzelnen und damit auch für die Gruppe nützlich. Verlässlichkeit gruppenkonformen Verhaltens ist von hohem Wert. Wenn ein Gruppenmitglied sich regelmäßig nicht gruppenkonform verhielt, konnte/durfte es auch wenig Nutzen aus der Gemeinschaft der Gruppe ziehen, verringerte/verlor so seine Überlebens- und Fortpflanzungschancen. Sogar Selektion auf Gruppenebene ist vorstellbar zwischen Gruppen mit guter bzw. schlechter interner Kooperation, das setzt jedoch voraus dass über viele Generationen kein genetischer Austausch stattfand, was eher unwahrscheinlich ist.

    Vielleicht sind ja gewisse Grundregeln vererbt, z.B. die Tötungshemmung weil sie so besonders wichtig ist – es gibt sie in jedem Wolfsrudel? Leider nein. Zwar ist der Mensch das einzige Tier das in größtem Maßstab und oft aus unbedeutenden Anlässen seine Artgenossen tötet. Aber auch bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, sind das Ermorden fremden Nachwuchses und mit äußerster Brutalität geführte Angriffe auf unterlegene konkurrierende Gruppen  normales Verhalten.  Das kann freilich bestenfalls eine Erklärung, keine Entschuldigung für unser Verhalten sein: wir sollten es besser wissen. In der Natur gibt es moralische Kategorien nicht. Aggression und Kooperation können, ganz nach Situation, der Weitergabe der eigenen Gene dienen. „Gut“ und „Böse“ sind Begriffe der menschlichen Gesellschaft. Angesichts unseres  natürlichen Erbes kann aber nicht überraschen dass der Einfluss des gesellschaftlichen Umfeldes, der Kultur (im allgemeinen Wortsinn) sich zum Guten wie zum Schlimmen auswirken kann: beides ist in uns angelegt. Wenn wir  anständige, gemeinschaftsfähige, gar selbstlose Kinder haben wollen, müssen wir sie  dazu erziehen.

    Für die Entwicklung der Moral in Kind und Jugendlichem gibt es Stufenmodelle.  Für das praktische Verhalten des Erwachsenen sind wohl Vererbung, Erziehung, und insbesondere das aktuelle gesellschaftliche Umfeld gemeinsam wirksam. Weil der Mensch nicht mehr unter dem Diktat ererbter Verhaltensweisen steht – dafür ist unser Gehirn viel zu „plastisch“ -, können gruppendynamische Prozesse die Regie übernehmen. Konkrete  Moralsysteme, Regeln und Gesetze, werden als "Mem-Komplexe" (auch „Memplexe“) im Sinne von Richard Dawkins weitergegeben, sie konkurrieren untereinander und können mutieren. Unmenschliche Ideologien können ganze  Gesellschaften ergreifen und Entsetzliches anrichten (Nazi-Deutschland, Kulturrevolution China, Pol Pot-Regime ...).  Der evolutionsbiologisch sinnvolle Einsatz für die eigene Gruppe kann dann zum erbarmungslosen Krieg gegen andere und zum Völkermord werden, insbesondere wenn „die anderen“ gar nicht mehr als wirkliche Menschen wahrgenommen werden (wie die Juden im 3. Reich). Aufopferung für nahe Verwandte, eine in Kleingruppen  biologisch bisweilen sinnvolle Verhaltensweise, kann zum Phänomen des Selbstmordattentäters in „Pseudofamilien“  pervertiert werden.

    Wie leicht Feindseligkeit und Aggression zwischen Gruppen ohne einen sachlichen Grund entstehen, aber dass man sie auch wieder abbauen kann, hat Muzafer Sherif in seinen „Cobbers Cave“- Ferienlagerexperimenten untersucht. Wie unerwartet schnell Schüler faschistisches Denken und Handeln annehmen, berichtet der Lehrer Ron Jones in „Die dritte Welle“ (mehrfach verfilmt).

    Untersuchungen des Psychologen Marc Hauser (Harvard) haben in den letzten Jahren gezeigt dass offenbar allen Menschen gleichartige moralische Prinzipien „einprogrammiert“ sind (von jenen Soziopathen abgesehen bei denen nachweisbar im Gehirn gewisse Prozesse nicht in der gewohnten Form ablaufen). Bei der Untersuchung der Frage „Angeborene Moral“ werden gerne moralische Konfliktsituationen betrachtet, jedoch von kritischerer Art als etwa die „Barmherzige Lüge“. Im Internet ist die Teilnahme an solchen Tests möglich, Hunderttausende Menschen haben sich bereits beteiligt. („Moral Sense Test“:  http://wjh1.wjh.harvard.edu/~moral/test.php   ).

    Beliebt ist folgendes Beispiel das an vielen Probanden getestet wurde (hier in der Fassung von Thomas Zoglauer, siehe Literaturliste):
     

    Edward ist der Fahrer eines Straßenbahnwagens, dessen Bremsen auf einer abschüssigen Strecke versagen. Vor dem Wagen befinden sich fünf Menschen auf dem Gleis. Leider sehen diese Passanten die Gefahr nicht und der Wagen ist inzwischen so schnell, dass sie sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen können. In letzter Sekunde bemerkt Edward, dass vor den Passanten ein Gleis nach rechts abzweigt und er die Straßenbahn auf die reche Spur lenken kann. Unglücklicherweise befindet sich aber auch auf dieser Spur ein Mensch. Edward entschließt sich, die Straßenbahn nach rechts zu lenken. Dadurch wird zwar ein Mensch getötet, aber fünf Menschen werden gerettet.


    In der zweiten Version der Geschichte werden die fünf Personen auf andere Weise gerettet:
     

    George steht auf einer Fußgängerbrücke über den Straßenbahngleisen. Er sieht, wie sich eine führungslose Straßenbahn der Brücke nähert. Hinter der Brücke befinden sich fünf Personen auf dem Gleis. Sie können sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen, da die Böschung links und rechts der Gleise zu steil ist. George erkennt, dass die einzige Möglichkeit, die Straßenbahn zu stoppen, darin besteht, einen schweren Gegenstand auf das Gleis zu werfen. Der einzige schwere Gegenstand in Reichweite ist ein dicker Mann auf der Fußgängerbrücke. Kurz entschlossen wirft George den dicken Mann über die Brücke und bringt die Straßenbahn dadurch zum Entgleisen. Der dicke Mann wird getötet, aber fünf Menschen werden gerettet.


    Zoglauer analysiert die beiden Geschichten nach allen Regeln der Ethik und kommt zu dem Schluss dass die rettende Handlung im ersten Fall  gerechtfertigt ist, nicht aber im zweiten Fall. Genau dies aber ist die völlig intuitive Reaktion bei der großen Mehrzahl von getesteten Personen. Ähnlich ergibt sich bei anderen, auch komplexeren Problemen eine große Übereinstimmung zwischen den Probanden. Da niemand zur Lösung solcher Dilemmata erzogen wurde, lässt die Übereinstimmung auf gleiche unbewusst ablaufende Prozesse im menschlichen Gehirn schließen.

    Zu den offenbar universalen – angeborenen - moralischen Prinzipien gehört nach Marc Hauser:


    Ein Unterschied im spontanen moralischen Urteil zwischen religiösen Menschen oder Atheisten/Agnostikern konnte nicht festgestellt werden.

    Andererseits aber drückt sich Moral in verschiedenen Gesellschaften in sehr unterschiedlichen Verhaltensregeln aus (man denke nur an „Ehrenmord“). Hier wird der Vergleich mit der Sprachentwicklung gezogen: offenbar besitzt jeder Mensch eine grundsätzliche Veranlagung und Befähigung zur Sprache und lernt sie in  einem bestimmten Kindheitsabschnitt leicht, sei es Deutsch, Chinesisch oder die Zeichensprache der Taubstummen.  Analog vermutet Marc Hauser: „In the same way, the universal moral grammar is really a tool-kit for building possible moral systems. The particular moral systems are always filled in by the local culture”.

    Ererbte oder erworbene, eigentlich positive moralische Prinzipien können auch ins Destruktive umschlagen oder missbraucht werden: Aus der Identifikation mit und Loyalität zur eigenen Gruppe kann Fremdenhass und Völkermord werden.

    Neben anderen Versuchen zeigten die berühmten Experimente von Stanley Milgram ab 1961 in Harvard besonders deutlich wie wenig standfest unsere moralischen Prinzipien sind:  Unbescholtene und völlig normale Menschen ließen sich dazu bewegen einer anderen Person (vermeintlich) tödliche Stromstöße zu versetzen, nur weil ihnen der Versuchsleiter freundlich aber bestimmt  sagte das Experiment erfordere das von ihnen. 1971 musste Philip G. Zimbardo die berühmte „Stanford Prison Study“ abbrechen, weil in einer gespielten Gefängnissituation mit Studenten die Gefangenenwärter zu machthungrigen Sadisten mutierten und die Gefangenen schwere seelische Beschädigungen zeigten. Im Versuch von Darley und Bateson 1973 eilte die Mehrheit von 40 getesteten Theologiestudenten an einer hilflosen Person mit schwerem (gespieltem) Asthmaanfall vorbei um rechtzeitig ihr Referat über den „Barmherzigen Samariter“ abzuliefern.

    Evolutionsbiologisch nicht überraschend ist die Feststellung: Der Mensch verfolgt eine "gemischte Strategie" - solche Strategien gelten als stabil. Er verhält sich einerseits gruppendienlich im Sinne des "reziproken Altruismus" ("was du nicht willst dass man dir tu ......“ -  „ eine Hand wäscht die andere") und verinnerlicht  die dazu passenden Regeln und die Gesetze der Gruppe;  er befolgt die moralischen Regeln insbesondere wenn er sich unter Beobachtung weiß. Er kann sich aber zum Schaden anderer auch egoistisch verhalten wenn die Umstände es ihm angezeigt erscheinen lassen.


    Moral und Neurologie
    Wir haben bisher stillschweigend unterstellt, dass das Gehirn des einzelnen Menschen gesund ist. Antonio R. Damasio stellt dazu fest: „Infolge Hirnschädigungen [können] soziale Konventionen und moralische Regeln ihre Verbindlichkeit verlieren, ohne dass allem Anschein nach grundlegende geistige und sprachliche Fähigkeiten beeinträchtigt sind.“  Schäden im Gehirn können im Erwachsenenalter grobmaßstäblich sein (z.B. Verwundungen – klassisches Beispiel Phineas Gage) , anderseits „resultiert die Beeinträchtigung  der entwicklungsbedingten Soziopathen ..... aus abnormen Schaltungen und abnormer chemischer Signalgebung, die frühzeitig in der Entwicklung einsetzen“.

    Es liegen reichlich die Belege dafür vor, dass angeborene oder erworbene Schädigungen im Stirnhirn und im limbischen System (in der Amygdala) die emotionale Balance und das Sozialverhalten stören und verbrecherisches Verhalten auslösen können. Störungen des Hormonhaushaltes spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie können genetisch bedingt sein: Zumindest ein hier bedeutsames Gen konnte identifiziert werden: das Monoamino-Oxidase-Gen, kurz MAO-Gen. Produziert der Körper MAO in zu niedriger Dosis, so wird der Botenstoff Serotonin nur sehr langsam abgebaut, die betroffenen Männer neigen häufig „zu Gewaltausbrüchen oder sogar zu einer Verbrecherlaufbahn“ (Markowitch/Siefer). Die Tatsache, dass viel mehr Männer als Frauen zu Gewaltverbrechern werden, weist auf die Bedeutung von Sexualhormonen hin. Soziale Prägung in der Jugend wirkt sich im Einzelfall stark aus.

    Durch neurologische Schäden verursachter Mangel an Emotionen (auch an Angst!), Mangel an Empathiefähigkeit, Mangel an Unrechtsbewusstsein, Neigung zur Aggressivität muss nicht zu Gewalttätigkeit und Straffälligkeit führen. Bei hoher Intelligenz kann der Weg den Soziopathen auch in das Spitzenmanagement von Unternehmen führen: „Die meisten Soziopathen bringen ... keine Leute um, sondern machen stattdessen Karriere“ (Friedhelm Schwarz).

    Ein schwieriges und immer noch kontrovers diskutiertes Thema in diesem Kontext ist die Frage der Willensfreiheit.

    Willensfreiheit im traditionellen Sinn (nicht in den verbogenen Neudefinitionen einiger Philosophen) basiert auf der streng dualistischen Vorstellung, dass der Geist eines Menschen, frei von jeden äußeren Einflüssen und denen des Körpers, sich zwischen Handlungsalternativen beliebig entscheiden könne. Ein Mensch ist demnach z.B. völlig frei sich für eine gute oder eine böse Handlungsweise zu entscheiden.  Dies aber ist eine unmögliche Voraussetzung, weil jeder Mensch in seinem Denken durch seine intellektuelle Ausstattung, Erziehung und Sozialisation vorgeprägt ist.  Entscheidung völlig frei von jeglichen Einflussgrößen aber ist  weder vorstellbar  noch ist sie wünschenswert – das Ergebnis könnte nur zufällig sein.

    Die Vorstellung vollkommener Willensfreiheit war für die real existierende christliche Religion (die Kirchen) sehr wichtig, weil allein sie die Berechtigung für die Einweisung des Menschen in Himmel oder Hölle am Jüngsten Tage liefert (und diese maßlose Drohung/Verheißung war für die Macht der Kirche wichtig). Aber schon hier gab es Abweichungen: Die Prädestinationslehre Calvins oder auch das „Nur die Gnade!“ Luthers (vergleiche Erklärung zum 3.Abschnitt des Glaubensbekenntnisses im Kleinen Katechismus) schieben die Verantwortung ganz Gott zu (der sich freilich im höchsten Maße unmoralisch und grausam verhält weil er den Menschen bestraft, der doch gar keine Chance hat).

    Der Kirche fernstehende Philosophen haben stets die Willensfreiheit  angezweifelt. Beispielhaft sei hier Schopenhauer genannt, der verkürzt so zitiert wird: „Der Mensch kann tun, was er will, aber nicht wollen,  was er will.“ Er empfand Willensfreiheit als ein unverständliches Gedankenkonstrukt. Große Denker wie Nietzsche, Freud und Einstein sahen es genauso.

    Heute werden geistige/psychische/seelische Prozesse als ein emergentes Phänomen der Tätigkeit des Gehirns gesehen. Zahlreiche Versuche haben gezeigt: dem bewussten Wollen gehen Prozesse auf tieferer neuronaler Ebene voraus (Benjamin Libet, Haggard und Eimer, Alvaro Pascual-Leone, John Dylan-Haynes, Holk Cruse). Insofern kann man unser bewusstes Wollen als determiniert auffassen. (Eigentlich kann das nur jemanden irritieren, der sein wahres Menschsein ausschließlich im Bereich des Bewussten ansiedelt, alles Unbewusste aber als untergeordnet und minder wertvoll betrachtet. Er sollte froh sein dass die meisten unserer Handlungen ausschließlich im Unterbewussten entschieden und gesteuert werden – wollte man sich auf bewusste Entscheidungsprozesse verlassen, könnte man kaum eine belebte Straße überqueren ....).

    Niemals empfinden wir die Determiniertheit des Wollens als eine Einschränkung. Die Freiheit nach der wir uns sehnen ist nicht Willensfreiheit, sondern Handlungsfreiheit: Freiheit zum äußerem Handeln und Freiheit zum Denken (dem inneren Handeln).

    Wenn unser Wollen durch Genetische Ausstattung, Erziehung, Sozialisation, aktuelle Umstände  vorbestimmt ist, dann bedeutet dies nicht dass jegliches Handeln eines Menschen, gut oder schlecht, hingenommen werden muss. Die Gesellschaft hat die Verpflichtung, Freiheit und Unversehrtheit aller ihrer Mitglieder zu schützen. Strafe für begangene Verbrechen ist jedoch nicht als Buße/Rache zu sehen, sondern als Versuch, Einsicht und Resozialisation des Täters zu fördern, abschreckend zu wirken für den Täter wie für andere, und die Allgemeinheit zu zu schützen (Sicherungsverwahrung!).  Unsere Rechtsprechung basiert bereits weitgehend auf solchen Gedanken (Beachtung der „Schuldfähigkeit“, „Relative Straftheorie“).

    Da nun aber die Disposition des Einzelnen zu bestimmten Handlungsweisen in nicht geringem Maße durch Lernen (im umfassenden Sinne der Psychologie) entwickelt wird, ist die Gesellschaft (Familie, Schule, Politiker, Medien...) in der Verantwortung, sozial-verträgliches Verhalten vorzuleben und einzuüben. Höchste Richtschnur müssen die Menschenrechte sein; die Freiheit des Einzelnen soweit sie nicht die Freiheit der anderen verletzt; eine auf fairen Interessenausgleich bedachte allgemeine Ethik;   eine moderne Version der 10 Gebote (wie sie zum Beispiel Schmidt-Salomon in seinem „Manifest des evolutionären Humanismus“ vorschlägt); danach damit verträgliche Sitten und Gebräuche. (Eine Religion wie die christliche ist auch in dieser Hinsicht nicht auf der Höhe der Zeit. Man lese nur einmal aufmerksam die Bibel, vom Monstergott des Alten Testaments bis zum in sich widersprüchlichen Jesus des Neuen Testaments, der bald Feindesliebe predigt, bald in ein ewiges Feuer schicken will wer nicht auf seiner Seite steht.  Hierauf bezieht sich die SF-Geschichte "Die Legende von der Zeitreise des Zimmermanns Jehoshua aus Nazareth, auch Jesus genannt") sowie die Zitatensammlung "Anmerkungen zur Bibel ..."

    Anmerkung: Wie weithin üblich, wird im vorhergehenden Text das Wort "Moral" gleichbedeutend gebraucht mit "Ethik". Schmidt-Salomon weist auf die Problematik dieser Gewohnheit hin: Die beiden Begriffe sind nicht wirklich gleichwertig  (Beweis: Die Bundesregierung könnte keine „Moral-Kommission“ einberufen, wohl aber eine "Ethik –Kommission".)

    Bei „Moral“ geht es um die Wertigkeit von Menschen vor dem Hintergrund vermeintlich metaphysisch vorgegebener Kriterien. Moral zielt auf die persönliche Schuldfähigkeit ,unterstellt den „Freien Willen“. Moral basiert auf dem Körper-Geist-Dualismus („Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“).

    „Ethik“ fragt nach der objektiven Angemessenheit von Handlungen. Ethik zielt auf die faire Lösung von Interessenskonflikten zwischen mehreren Personen oder mit der nichtpersonalen Umwelt.

    Moral steht im Konflikt mit dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen insofern, als sie auchHandlungen bewertet die nur den/die Betroffenen angehen (Sexualpraktiken!)
     

    Wie entstand die Religion?


    v.l.n.r.   Carnac (Frankreich) – Les Trois Freres (Frankreich) - Willendorf (Österreich) – Hatuscha (Türkei) – Kakadu-Nationalpark (Australien) – Hagar Qim (Malta)
     

    Die Frage ist in dieser allgemeinen Form falsch gestellt: Die Religionen der Welt, einschließlich der unzähligen jenseits der Hochreligionen, müssen auf eine große Zahl unabhängiger Prozesse zurückgehen. Auch die heutigen Religionen entwickeln sich weiter.

    Was im Einzelfall einer bestimmten Religion der erste Anstoß, die auslösende Beo-bachtung  gewesen sein mag; wer als erster auf die Idee gekommen ist es müsse neben der offensichtlichen natürlichen Welt noch eine andere übernatürliche geben; welche Eigenschaften den übernatürlichen Kräfte zunächst zugeschrieben wurden; das können wir nicht wissen. Aber es sind unzählige Religionen unabhängig von einander entstanden. Ihr Überlebenswert im Darwin’schen Sinne ist sehr zweifelhaft - „Förderung der Gruppenidentität“ ist das einzige halbwegs überzeugende Argument.  Das menschliche Gehirn muss also funktionell besonders prädestiniert sein solche Vorstellungen hervorzubringen.

    Eine Rolle spielt dabei  wohl die Neigung des menschlichen Gehirns, nicht nur Menschen, sondern auch Tieren oder sogar Sachen die Fähigkeit zur absichtsvollen Handlung zu unterstellen  („Intentionaler Standpunkt“) - wer hat noch nicht seinen Computer beschimpft als sei er eine widerspenstige Person?!  ;-)  . Dieser Standpunkt erlaubt sehr schnelle Reaktionen bei Gefahr und hat damit einen Überlebenswert.  Der allgemein angelegten Neigung entsprechend ist es ein sehr häufiges Element der Religionen, dass die übernatürlichen Kräfte handelnde Personen („Agenten“) mit den gewöhnlichen geistigen Merkmalen und Fähigkeiten und Verhaltensweisen eines Menschen sind (Ahnen-Geister, Götter). Sie besitzen jedoch mehr (oder gar unbegrenztes) Wissen – besonders über Handlungen des einzelnen Menschen  von Bedeutung für das menschliche Gruppenleben (also Handlungen von moralischer Relevanz) - und größere Handlungsmöglichkeiten (oder gar Allmacht). Religionen ohne solche Personen, nur mit unpersönlichen Kräften und Prinzipien, sind die Ausnahme und haben es schwer zu überleben – man vergleiche was sich aus dem ursprünglichen strengen Buddhismus an bunten volkstümlicheren Versionen entwickelt hat.

    Unter psychologischen Gesichtspunkten interessant ist die Verwandtschaft zwischen einem unsichtbaren persönlichen Gott und dem „Unsichtbaren Freund“ unserer Kinder im Kindergartenalter. A.A. Milnes („Pu der Bär“) hat darüber ein wunderschönes Gedicht geschrieben („Binker“):
    „......
    Binker’s brave as lions when we’re running in the park;
    Binker’s brave as tigers when we’re lying in the dark;
    Binker’s brave as elephants. He never, never cries ….
    Except (like other people) when soap gets in his eyes……”

    In der Entwicklung der individuellen Religiosität ist zuvörderst zu bemerken, dass Religion gewöhnlich „ererbt“ wird, nicht durch einen genetischen Vorgang, sondern durch die Sozialisation in der Familie. So ist es auch kein Wunder, dass in den monotheistischen Religionen Gott die Züge eines „Übervaters“ annimmt, der an die Stelle des letztlich als nur allzu menschlich erkannten biologischen Vaters des kleinen Kindes tritt: Allmächtig, die Spielregeln festlegend, allwissend, undurchschaubar, liebend auch noch wenn er straft. Und häufig unsichtbar, außer Haus, aber immer als Drohung gegenwärtig: „Warte, bis Vater nach Hause kommt!“

    Wie entstand die erste monotheistische Religion? Die SF-Geschichte "Mission" gibt eine Antwort.

    Nur in Ausnahmefällen ist das spontane Entstehen einer neuen Religion zu beobachten. Unter Anthropologen bekannt  ist das Beispiel der „Cargo-Kulte“ des Pazifik; seitdem 19. Jahrhundert tauchten sie auf verschiedenen Inseln unabhängig von einander auf, entwickelten sich schnell und verfielen wieder.  Eine Blüte erlebten sie nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Krieg  sahen die Bewohner abgelegener Inseln  Melanesiens dass die amerikanischen Frachtflugzeuge ganz wunderbare Dinge abwarfen oder zu den Feldflugplätzen brachten, anscheinend angelockt von den Bodenanlagen mit  markierten Landebahnen, Funkanlagen und Flughafentowern, und dem seltsamen Verhalten der weißen Männer. Als die Amerikaner wieder abzogen, ahmten die Insulaner solche Anlagen mit ihren Mitteln nach (zum Beispiel mit holzgeschnitzten Kopfhörern und hölzernen Flugzeugen als „Lockenten“)  und hofften auf die Rückkehr der Wundervögel.


    Cargokult (Quelle: Internetblogs)

    Gleichzeitig gewann der aus den 40er Jahren stammende Mythos von „John Frum“ viele Anhänger (1957 als Religionsgemeinschaft formal etabliert): John Frum werde eines Tages von den Vorfahren zurückkehren  und überreiche Cargo  für seine Anhänger mitbringen! Ob es eine solche Person John Frum je gab ist schon heute nicht mehr klärbar.

    Jede der heutigen Religionen hat eine lange anonyme Geschichte  hinter sich.  Manchmal fokusiert sich die Entwicklung in einzelnen überragenden Persönlichkeiten, stets aber war da schon etwas vorher – Paulus ist nicht denkbar ohne das Fundament der jüdischen Religion und ohne hellenistisches Geistesgut.

    Die Durchsetzung und Verbreitung der Religionen wurde nach der Memtheorie beschrieben: Eine Religion ist eine Einheit kultureller Vererbung und unterliegt einem der biologischen Evolution ähnlichen Prozess. Sie wird weitergegeben,  es treten Veränderungen (Mutationen) auf von denen sich manche durchsetzen

    Die 35 Bekenntnis-Buddhas                    Rembrandt: Paulus

    Religion kann ihren Anhängern vielerlei verschiedene Leistungen erbringen, in vielen verschiedenen Kombinationen und mit ganz unterschiedlichen Schwerpunktenabhängig von dem allgemeinen Stand der Gesellschaft :

    Ilya Yefimovich Repin: „Osterprozession in der Gegend von Kursk“

    Bei einem solch breiten Leistungsangebot ist es nicht verwunderlich dass sich Religion in vielen unterschiedlichen Formen durchgesetzt und erhalten hat. Selbst die unmenschlichsten Regime mochten auf ihre Dienste nicht verzichten:  Adolf Hitler bezeichnete sich gerne als Werkzeug der Vorsehung  (umgekehrt ist die Geschichte der christlichen Kirchen im Dritten Reich überwiegend kein Ruhmesblatt...)

    Koppelschloss der NS-Armeen

    Kodifizierung einer Religion durch „heilige“ Texte wird für ihre Priesterschaft notwendig um die religiöse Lehre auch dann einheitlich zu erhalten wenn das Verbreitungsgebiet groß ist und die Lebensumstände der Menschen vielfältig sind, wenn also immer die Gefahr des Aufkommens lokaler Kulte in kleineren Gemeinschaften besteht. Auch ein Herrscher kann aus machtpolitischem Kalkül die Kodifizierung vorantreiben; man denke an Kaiser Konstantin.

    Man möchte meinen dass die  Hochreligionen durch die Kodifizierung ihrer Lehre erstarrt sind, ihre Evolution zu Ende gekommen ist (auffällig und viel beklagt besonders bei der katholischen Kirche, wo der hohe Klerus in einer anderen Welt zu leben scheint als die große Zahl der Gläubigen). Der Prozess ist sicher verlangsamt aber nicht zu Ende; Texte sind deutungsfähig!  Als Varianten des Christentums halte man sich die zahlreichen Sekten und Freikirchen vor Augen (die häufig genug den Verfall des wahren Glaubens bemängeln!). Mormonen und Pfingstkirchenbewegung zeigen welch breites Spektrum neuer Ableger möglich ist. „Patchwork-Religion“ – der einzelne Mensch sortiert und sucht sich zusammen was er glauben will – ist heute in unserer Gesellschaft weit verbreitet.

    Ein heiliges Buch zur Handlungsanleitung zu machen kann gefährlich sein sein: "Die Posaunen des Jüngsten Gerichtes" (SF-Geschichte).

    Allerdings: Wie weit sich eine formalisiert-erstarrte Religion von der Lebenswirklichkeit entfernen kann, demonstriert die Katholische Kirche mit ihrer Stellung zur Sexualität. Im Frühjahr 2010 verkündete Papst Benedikt  vor einer Reise nach Schwarz-Afrika dass der Gebrauch von Kondomen die Verbreitung von Aids fördere. Als er im Herbst des gleichen Jahres in einem Interview-Buch verbreiten ließ, der Gebrauch von Kondomen sei zwar grundsätzlich verwerflich, aber  "Es mag berechtigte Einzelfälle geben, wenn etwa ein Prostituierter ein Kondom verwendet, und dies kann ein erster Schritt hin zu einer Moralisierung sein .....“ da bejubelten Kommentatoren dies als einen Durchbruch!

    Besondere Anziehungskraft in den Kreisen Gebildeter scheint der Buddhismus zu entwickeln - im Sinne seiner ursprünglichen Form ohnehin mehr Philosophie als Religion. Dazu mag sein populärster Vertreter viel beitragen, der Dalai Lama. Bei seinem Besuch in Hamburg am 21.8.2011 wies er darauf hin, dass keine Religion jemals alle Menschen erreichen werde, daher sei Vielfalt und Harmonie zwischen den großen Weltreligionen wichtig.  Es spreche nichts dagegen ein Atheist zu sein, „aber es ist wichtig ein friedfertiger, warmherziger Mensch zu sein“. Solche Offenheit statt mittelalterlicher starrer  Dogmen wünscht man sich von Vertretern aller Religionen.

    Noch eine SF-Geschichte zur Zukunft der Religion: "Die Rede des toten Christus vom Weltgebäude dass man Gott nicht verleumden dürfe"
     

    Eine bewusst konzipierte neue Religion fast ohne Übernahmen aus früheren Religionen ist die Scientology (1952, Schriftsteller Ron Hubbard).  Einerseits beansprucht sie für sich wissenschaftliche Grundlagen, andererseits propagiert sie ein Weltbild mit vielen bizarren, durch nichts belegten Elementen. Wegen ihrer überaus repressiven Ausrichtung nach innen und des aggressiv - missionarischen und geschäftsorientierten Verhaltens  nach außen ist sie in der Öffentlichkeit  umstritten, wird auch als Psychokult mit gefährlichen Praktiken gesehen und als potentiell  demokratiefeindlich in einigen Bundesländern durch den Verfassungsschutz beobachtet. Die Angaben zu ihrer Anhängerschaft („Mitglieder“ und „Kunden“) variieren zwischen einigen hunderttausend und 10 Millionen weltweit.

    Als Religionsparodie hingegen wurde das „ Fliegende Spaghettimonster“ 2005 von dem Physiker Bobby Henderson in der Auseinandersetzung mit den Kreationisten um den Einfluss auf das amerikanische Schulsystem erfunden, sie fand als „Pastafarianismus“ viele Anhänger im Internet (471 000 Hinweise in Google). Ähnliche Parodien sind Bertrand Russels „Teekanne“ und das „Unsichtbare rosafarbene Einhorn“.
     
     

    Versuch einer schematischen Darstellung der Entwicklung  von  Gesellschaft und  Religion.  Zur gleichen Zeit können verschiedene  Gesellschaften/Religionen in verschiedenen Phasen sein, z.B. sind Christentum und Islam heute „außer Takt“. Genauer: nur die ehemals durch das Christentum geprägten Gesellschaften haben mit dem Gedankengut der Aufklärung den Weg in eine weitgehend säkulare Lebens- und Staatsform gefunden, mit der Freiheit des Individuums als einem hohen Wert.


     
     

    Vielleicht kein Sinn, aber doch eine Aufgabe?

    Sisyphos mein Bruder

    Hommage an Albert Camus
    (Auguste Rodin: Der Denker – Franz von Stuck: Sisyphos)

    Albert Camus hat mit seinem berühmten Essay „Le Mythe de Sisyphe“  (1942) nach dem Sinn im offensichtlich Absurden gefragt und in der bewussten Erfüllung der sinnlosen Arbeit die tragische Würde des Rebellen Sisyphus gesehen. Der Essay schließt: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“
     
     

    Die eigentliche, die tiefste Frage nach dem Sinn der Welt – „Warum ist nicht nichts?“ stellt sich die Wissenschaft erst gar nicht; sie beschreibt „nur“ wie diese Welt beschaffen ist und nach welchen Gesetzen sie funktioniert. Die Religion sagt „Gott hat die Welt geschaffen!“, aber das ist auch keine Antwort auf die Frage nach dem Warum.  Allerdings behauptet die Religion dass sie den Sinn des menschlichen Lebens klarlege, aber bestenfalls gibt sie dafür Anweisungen, lockt mit Belohnung und droht mit Bestrafung. Sie bietet dazu eine Fülle alternativer Mythen und Illusionen (um nicht gleich „Wahnvorstellungen“ zu sagen), die dem gesunden Menschenverstand Hohn sprechen; sie verursacht Gutes wie Böses. Eine moderne entmythologisierte Religion, die Vernunft und Glauben verbindet, gibt es (noch?) nicht.

    Die Philosophie andererseits muss bilanzieren: Ein letzter, höherer Sinn für unsere Existenz ist schon aus prinzipiellen Erwägungen heraus mit objektiven Methoden nicht feststell-bar und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es auch keinen. Mit den philosophischen Pragmatikern (Utilitaristen) kann man allenfalls  als allgemeines inneres Ziel ausgeben die Glückgefühle aller bewusst denkenden Wesen in unserer Welt zu maximieren, ohne dass das auf Kosten anderer geht. Allgemeine Durchsetzung der Menschenrechte und der Gebote eines modernen Humanismus sind daher „durchlaufende Aufgaben“für uns Menschen, aber kein übergeordneter Sinn dieser Welt.

    Man sollte nach Jahrtausenden vergeblicher Suche ehrlich sein und eingestehen: „Die Welt hat keinen Sinn – sie ist einfach.“ Wenn man für sein eigenes Leben einen Sinn sucht, muss man ihn selbst setzen: Man muss sich eine Aufgabe wählen!

    Hierin besitzt der Mensch eine außerordentliche Freiheit, wie sie kein Tier besitzt. Sie mag manchem lästig sein .....

    Um mit Jean Paul Sartre zu sprechen: „ ..... Somit ist der erste Schritt des Existentialismus, jeden Menschen in den Besitz dessen, was er ist, zu bringen und auf ihm die gänzliche Verantwortung für seine Existenz ruhen zu lassen.... Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein..... Ehe Sie leben, ist das Leben nichts; es liegt bei Ihnen, ihm einen Sinn zu verleihen, und der Wert ist nichts anderes als der Sinn, den Sie wählen. .... der Mensch ist nichts anderes, als wozu er sich macht.....“

    Welche Aufgabe hat der Mensch, hat die Menschheit? Hier kann vielleicht die Biologie einen Hinweis geben, schließlich sind wir Menschen eine Art Lebewesen wie Millionen anderer Arten (nämlich Affen). Allen Lebewesen ist durch ihr Erbmaterial ein Verhalten „einprogrammiert“, das die Zukunft der Art im Wettbewerb mit anderen Arten durch Zeugung und Aufzucht von Nachkommen sichern hilft (klar – anderenfalls wäre die Art längst ausgestorben).  Der Prozess wird von den Gesetzen der „Evolution durch Selektion“ überwacht.  Vom Gesichtspunkt der Art stellt es sich jedenfalls so dar, aber dies ist eine menschliche Interpretation.  Tatsächlich haben die ablaufenden Prozesse nichts mit einem zielgerichteten Verhalten zu tun – die Art hat kein Bewusstsein, keinen Willen – das eigentlich Dauerhafte ist sind die Gene, sie sind die eigentlichen Akteure. Ausgetragen wird der Wettbewerb durch die Individuen als Träger der Gene ("Phänotypen").

    „Selbst wenn eine ganze Population in die Vernichtung stürzt, hineingetrieben vom Wettbewerb der Individuen, wird die natürliche Selektion immer noch die wettbewerbsfähigsten Individuen bevorzugen bis zu dem Moment wo auch das letzte stirbt.“ (Dawkins, The Greatest Show on Earth)

    Der Mensch aber unterliegt nicht einem Diktat der Gene. Der Mensch besitzt ein hohes Maß an Entscheidungsfreiheit.  Der Mensch ist die erste Art die diesen Prozess durchschaut und damit in der Lage ist, ihn bewusst zu steuern. Damit besitzt er eine Macht über seine eigene Zukunft (und damit die aller Natur unter seinem Einfluss) welche kein Lebewesen vor ihm besaß.  Macht zu haben heißt aber immer auch: „Verantwortlich sein“. Dieser Verantwortung wird der Mensch noch nicht gerecht.

    In der Natur kann das Überleben einer Art niemals durch absolute Dominanz über andere Arten gesichert werden. Jede übermäßige Vermehrung einer Art führt schließlich zum Zusammenbruch der Population. Vielmehr entstehen die wenigstens für eine gewisse Zeit dauerhaften („nachhaltigen“) Lösungen der Natur im Wettbewerb der Gene (der Evolution) durch das Eintreten eines dynamischen Gleichgewichts der Arten und der allgemeinen Umwelt (Jäger und Gejagte, Weidetiere und Pflanzenwuchs, Koevolution von Blütenpflanzen und Bestäubern ......). Dieses unendlich komplizierte Netz an Beziehungen durchschauen wir nur bruchstückweise.

    Mittels seines wirkungsvollen Gehirns kann der Mensch neues Wissen, neue Verhaltensweisen und Fähigkeiten nicht nur individuell gewinnen, sondern durch Sprache und Schrift auch an andere Menschen und nachfolgende Generationen weitergeben, ein im Vergleich zur biologischen Evolution unerhört schnell und effizient kumulierender Prozess. Dank dieser Fähigkeit hat sich der Mensch eine solch umfassende Macht angeeignet, hat sich so stark vermehrt, dass er die natürlichen Ressourcen der Erde weit über das auf die Dauer erträgliche Maß hinaus beansprucht , unzählige Arten von Pflanzen und Tieren aussterben lässt, das gesamte Erdklima verändert. Das kann nicht beliebig lange gut gehen. Gut möglich dass es der Weg zum kollektiven Selbstmord der Art ist.

    "Voll Voraus!"
    (Drei Affen neu gedeutet)

    Wenn wir die menschliche Gesellschaft mit einem Schiff im Nebel auf offener See vergleichen, so wird seine Antriebsmaschine des Typs „Globalisierte Wettbewerbswirtschaft“ immer stärker, treibt die Entwicklung immer heftiger voran. Doch hat das Schiff kein Ziel – niemand weiß wohin es steuert – nicht einmal wohin es steuern sollte! Da ist es geboten, Fahrt herauszunehmen und alle Anstrengungen darauf zu richten, dass das Schiff nicht havariert.

    Ob es jedem Einzelnen von uns als „Sinn des Lebens“ ausreicht oder nicht, sei dahingestellt - das Ziel „Sicherung der Zukunft für die Art“  kann auch für die Menschheit als ganzes nicht falsch sein. Jedenfalls ist es eine gewaltige Herausforderung, eine riesige Aufgabe, zu der jeder einzelne Mensch auf seine Art, durch Entwicklung und Nutzung seiner besonderen Fähigkeiten, etwas beitragen kann - im Alltagsleben  wie in der „großen Politik“. Dazu gehört auch Forschung zu treiben – die Welt, das Universum in dem wir leben, immer besser zu verstehen - und die gewonnenen Erkenntnisse verantwortungsvoll zu nutzen.

    Wem das Ziel „Sicherung der Zukunft für die Art“  noch zu gering erscheint der sei daran erinnert dass der Erhalt der gesamten Biosphäre der Erde davon nicht zu trennen ist.  Der Mensch kann die Biosphäre verarmen lassen  oder ihren wundervollen Reichtum erhalten. Die Verantwortung für die Zukunft des Lebens auf der Erde kann der Mensch nicht mehr loswerden.

    Es kann aber nicht um rein biologisches Überleben gehen. Vielmehr ist es eine bleibende, schwierige, noch lange nicht erledigte Aufgabe, zugleich die Menschenrechte, die höchste uns bekannte Form ethischer Prinzipien, durchzusetzen. Jeder Mensch soll frei sein seine eigenen Lebensziele zu verfolgen, sofern er nicht mit der Freiheit anderer kollidiert. Jeder Mensch soll einen fairen Anteil an den Ressourcen unserer Welt genießen dürfen (leider klafft heute die Kluft zwischen Arm und Reich - zwischen den Staaten und innerhalb der Staaten! - immer weiter auseinander).

    Aus rücksichts- und maßlosen Wachstum (exponentiell zunehmende Weltbevölkerung bei gleichzeitig wachsenden Ansprüchen)  hinüberzufinden in ein neues Gleichgewicht, eine neue Harmonie, die allen unseren Nachkommen ein Leben in Würde erlaubt, das ist unsere Aufgabe für das 21.Jahrhundert.

    Wenn wir sie nicht meistern wird die Erde sich unserer schon zu entledigen wissen. Wenn wir sie meistern, brauchen wir kein Urteil „am Ende aller Tage“ zu fürchten: mehr kann man nicht verlangen.
     
     






    Natürlich sprechen viele SF-Geschichten von der Zukunft der Menschheit. Vom selbstverschuldeten Untergang erzählt "Die Statistik und der Einzelfall"
     


     

    Verwendete und empfohlene Literatur

    Zu zahlreichen Einzelfragen wurde Wikipedia genutzt. Auf die ermüdende Aufzählung wird verzichtet – jeder Leser wird andere Begriffe und Aussagen hinterfragen wollen.

    Stand der Links Mitte Mai 2010- Dezember 2010

    Zu vielen Punkten wurde Wikipedia herangezogen. Auf eine Auflistung wird verzichtet.

    Übersicht über esoterische Praktiken, ausführlich Satanismus
    Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Inneres 2006 :
    Brennpunkt Esoterik – Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus
    http://www.agpf.de/Brennpunkt-Esoterik-HH2006.pdf

    Institut für Demoskopie Allensbach
    „Gute und schlechte Vorzeichen – Aberglaube existiert weiter“
    Allensbacher Berichte 2005 Nr.7

    Übersicht über die weit schwankenden Schätzungen
    Zahlen zum Psychomarkt
    http://www.agpf.de/Zahlen.htm#Zustand

    Institut für Demoskopie Allensbach
    „Die Sonne dreht sich um die Erde“
    Allensbacher Berichte 2000 Nr.5

    Allerlei Hypothesen, historische Zitate und „Beweise“
    Die Hohlwelt-Theorie der Erde
    http://www.konvergenzen.net/Wiesenfelder/www.wiesenfelder.de/05fiktion/11erde.html

    Behauptungen und „Beweise“ für die Innenwelt-Theorie
    Rolf Keppler: Leben wir auf einer Vollkugel oder auf der Innenfläche einer Hohlkugel?
    http://www.rolf-keppler.de/innenweltbild.html

    Ergebnisse statistischer Erhebungen
    Wie viele Menschen glauben an Ufos?  Glaubensinhalte?
    http://de.statista.org/statistik/daten/studie/1149/umfrage/glaube-an-ufos/
    http://de.statista.org/statistik/daten/studie/34/umfrage/glaubensinhalte/

    Institut für Demoskopie Allensbach
    Prof. Dr. Elisabeth Noelle, Dr. Thomas Petersen
    Wer glaubt an Wunder?
    Dokumentation des Beitrags
    in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Nr. 219
    vom 20. September 2006

    Übersicht über die großen Religionen
    Markus Hattheim: Weltreligionen
    Könemann Verlagsgesellschaft mbH 1997
    ISBN 3–89508–616-9

    Sehr gut lesbar: Die Bilder im Kopf bestimmen unser Handeln
    Martin Urban:
    Wie die Welt im Kopf entsteht – Von der Kunst sich eine Illusion zu machen.
    Bastei Lübbe Taschenbuch 2004
    ISBN 3-404-60544-6

    Eine sehr sachliche Bestandsaufnahme
    Ian Wilson: Jesus – The Evidence
    Pan Books Ltd. 1985

    Über die Krise des christlichen Glaubens, insbesondere der katholischen Kirche
    Peter de Rosa: Der Jesus-Mythos
    Droemersche Verlagsanstalt 1991/1993
    ISBN 3-426-77076-8

    Aus heutiger Sicht, bar jeder Mythologie:
    Gerd Lüdemann: Ein Leben Jesu in Kurzfassung
    http://wwwuser.gwdg.de/~gluedem/ger/
    An gleicher Stelle: Brief an Jesus  aus „Der große Betrug“

    Was kann Glaube heute noch sein, was nicht mehr?
    Gerd Lüdemann: Woran glaubt der moderne Mensch?
    http://wwwuser.gwdg.de/~gluedem/download/moderner_mensch.pdf

    Analyse einer Anzahl von Jesusworten und -taten
    Gerd Lüdemann: Der große Betrug. Und was Jesus wirklich sagte und tat
    zu Klampen Verlag 5.Auflage 2011  ISBN 978-3-924245-70-2

    Über Missverständnisse und Verfälschungen im Laufe der Geschichte
    Johannes Lehmann: Das Geheimnis des Rabbi J.
    Knaur Sachbuch 1990
    ISBN 3-426-03879-X

    Historische Hintergründe, Diagnose des heutigen Zustandes und Empfehlungen zur Reformierung der erstarrten römisch-katholischen Kirche
    Hans Küng: Ist die Kirche noch zu retten?
    Piper Verlag 2011    ISBN 978-3-492-05457-7

    Die Geschichte des Judentums v.u.Z. aus Sicht der Archäologie
    Israel Finkelstein, Neil A. Silberman: Keine Posaunen vor Jericho
    Dtv 2004
    ISBN 3-423-34151-3

    Eine Hinführung zur Prozess-Theologie
    Gary Kowalski: Science and the Search for God
    Lantern Books 2003    ISBN 1-59056-045-0

    Institut für Demoskopie Allensbach
    Prof. Dr. Renate Köcher: Wachsendes Interesse an Religion und Kirche
    Allensbacher Berichte 2005 Nr.7

    Institut für Demoskopie Allensbach
    „Wachsendes Interesse an Religion und Kirche“
    Eine Dokumentation des Beitrags in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Nr. 87
    vom 12. April 2006

    Bertelsmann Religionsmonitor
    Überblick „Deutschland (k)ein Land der Gottlosen“
    http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-0A000F14-79AC0749/bst/xcms_bst_dms_23405_23406_2.pdf

    Bertelsmann Religionsmonitor
    Pressemeldung 15.12.2007 „Jeder fünfte Bundesbürger ist ein hochreligiöser Mensch“
    http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-0A000F14-CCAC0AE9/bst/hs.xsl/nachrichten_84470.htm

    Übersicht über Stand der Ergebnisse, Kommentare
    Bertelsmann Religionsmonitor 2008
    Bertelsmann Stiftung 2007
    ISBN 978-3-579-06465-9

    Projekt der Bertelsmann-Stiftung zur de-facto-Religiosität weltweit mit der  Möglich-
    lichkeit die persönliche Position interaktiv zu vergleichen
    Religionsmonitor
    http://www.religionsmonitor.com/

    Sonntagsblatt-Umfrage 1997
    „Was glauben die Deutschen?“
    http://www.dober.de/religionskritik/wasglauben2.html

    Ergebnisse einer Umfrage der Zeitschrift Eltern Family
    „Zwei Drittel aller Schüler glauben an ein Leben nach dem Tod“
    http://www.mediaculture-online.de/Details.305+M5d52472262e.0.html
    (Zugänglichkeit???)

    Dr. Tobias Haupt u.a. Ludwig –Maximilians-Universität München 2006/2007
    Die Privatisierung des Glaubens
    http://www.paed.uni-muenchen.de/~haupt/LMU/Privatisierung_des_Glaubens.ppt

    Untersuchung zu Grundeinstellungen der deutschen Jugend
    „SHELL Jugendstudie 2010
    http://www-static. shell.com/static/deu/downloads/aboutshell/our_commitment/shell_youth_study/2010/youth_study_2010_flyer.pdf

    Ergebnisse einer Meinungsumfrage in 30 Ländern
    fowid: Religionen bringen mehr Konflikt als Frieden
    http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Religionen_bringen_mehr_Konflikt_als_Frieden__1998.pdf

    Ergebnisse einer Meinungsumfrage in Deutschland
    fowid: Welt wäre friedlicher ohne Religion
    http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Welt_friedlicher_ohne_Religionen__2002.pdf

    Pew Forum on Religion & Public Life
    Scott Keeter et al: Science in America: Religious Belief and Public Attitudes
    18.12.2008
    http://pewforum.org/Science-and-Bioethics/Science-in-America-Religious-Belief-and-Public-Attitudes.aspx

    Pew Forum on Religion & Public Life
    US Religious Landscape Survey – Summary of Key Findings
    http://religions.pewforum.org/pdf/report2religious-landscape-study-key-findings.pdf

    Statistische Analysen und Modellierung
    Allen Downey: Secularization in America
    http://allendowney.blogspot.de/2012/06/secularization-in-america-part-one.html

    Ergebnisse einer CBS-Umfrage incl. Bezug zum Wahlverhalten
    Poll: Creationism Trumps Evolution
    http://www.cbsnews.com/stories/2004/11/22/opinion/polls/main657083.shtml

    Was Die US-Amerikaner von der Evolution halten
    Intelligent design:  Who has designs on your students' minds?
    http://www.nature.com/nature/journal/v434/n7037/fig_tab/4341062a_F1.html#figure-title
    (Beschränkter Zugang)

    Bericht über einen Kongress der päpstlichen Wissenschaftsakademie
    Der Papst und der Professor    .... Für Benedikt XVI. sind Wissenschaft und Religion keine Gegensätze
    Hamburger Abendblatt 1./2. November 2008 S.5

    Was bedeuten die Erkenntnisse der Physik im 20.Jahrhundert (vornehmlich Relativi-tätstheorie, Quantentheorie, Kosmologie) für das Konzept “Gott”?
    Paul Davies: God and the New Physics
    Touchstone 1983
    ISBN 0-671-47688-2

    Eine umfangreiche Übersicht über die Gottesfrage
    Mark Thomas: Why Atheism?
    http://www.godlessgeeks.com/WhyAtheism.htm

    Der Nobelpreisträger fasst seine Ansichten zusammen
    Stephen Weinberg: Es gibt keinen Beweis für Gott.
    http://www.origenes.de/kommentare/bdw/6-bdw/weinberg.pdf

    Eine Parabel darüber wie der Versuch Gott zu beweisen zu einem Gott ohne jede Eigenschaften führt, plus Diskussion
    Antony Flew: THEOLOGY AND FALSIFICATION
    http://people.stfx.ca/wsweet/Flew-Mitchell.pdf

    Ein klassischer Text des großen Philosophen
    Bertrand Russell: Why I am Not a Christian
    http://www.positiveatheism.org/hist/russell0.htm

    Ein Streitsschrift für den Atheismus
    Richard Dawkins : Der Gotteswahn
    Ullstein 2007
    ISBN 978-3-550-08688-5

    Umfassende Diskussion der Problematik der Religion (auch des Islam)
    Christopher Hitchens: „god is not Great”
    Twelve Hachette Group USA 2008

    Religionen, Religionskritik, Perspektiven für eine Welt ohne Gott
    Ernst F. Salcher: “Gott? Das Ende einer Idee“
    VAS 2008        ISBN 978-3-88864-431-3

    Umfassende Auseinandesetzung mit dem christlichen Glauben
    Uwe Lehnert: Warum ich kein Christ sein will. Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung
    TEIA AG 2011      ISBN 978-3-939520-70-2

    Beschreibung und beispielhafte Anwendung der Bayes-Methode
    Thomas Vasek: Die Gottesformel
    P.M. 12/2006

    Pascal's Wette im Kontext einer Geschichte der Wahrscheinlichkeitsrechnung
    Leonard Mlodinow: The Drunkard's Walk S. 75 ff
    Vintage Books 2008     ISBN 878-0-307-27517-2

    Erläutert und diskutiert das Vorgehen von Stephen D. Unwin
    Drew Thomas: Book Review “The Probability of God” by Stephen D. Unwin
    http://www.iq.harvard.edu/blog/sss/archives/2005/10/book_review_the_1.shtml

    Gespräch mit Francis Collins
    „Der Genetiker und die Evolution Gottes“
    in „pro – Christliches Medienmagazin“
    http://www.pro-medienmagazin.de/nachrichten.html?&news[action]=detail&news[id]=3323

    Frömmigkeit und gesellschaftliches Gesundheit – Statistik für reiche Länder
    Gregory S. Paul: Cross-National Correlations of Quantifiable Societal Health with Popular Religiosity and Secularism in the Prosperous Democracies – A First Look -  http://moses.creighton.edu/jrs/2005/2005-11.pdf, im Journal of Religion and Society. Das Journal wird herausgegeben von der jesuitischen  Creighton Universität, Omaha, Nebraska, USA)
     

    Enthält zahlreiche Gegenbeispiele  und -Argumente
    Michael Shermer: Ist das Christentum gut für die Welt?
    http://hpd.de/node/3125/

    Übersichtstudie zum Zusammenhang zwischen Religiosität und Gesundheit
    Christopher G. Ellison,Jeffrey S. Levin: The Religion-Health Connection:
    Evidence, Theory, and Future Directions
    http://www.religionomics.com/old/erel2006s/readings/Ellison-Levin%20--%20Religion-Health%20Connection.pdf
     

    Religiosität und Integration von Migranten in der deutschen Gesellschaft.
    Christian Pfeiffer, Dirk Baier (Kriminologische Forschungsinstitut Niedersach-sen e.V):
    Religion, Integration und Delinquenz junger Menschen in Deutschland
    Zusammenfassung:  http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/religionintegration.pdf
    Vollständiger Bericht: http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/fob109.pdf

    „Studie: Freikirchler schlagen ihre Kinder“
    in „pro – Christliches Medienmagazin“
    http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft.html?&news%5Baction%5D=detail
    &news%5Bid%5D=3326
     

    Eine Sammlung von Zitaten führender Fundamentalisten und fundamentalistischer Politiker in den USA
    „The American Taliban“
    http://adultthought.ucsd.edu/Culture_War/The_American_Taliban.html

    Eine bittere Bilanz: Ein Christ analysiert den Glauben seiner Landsleute
    Bill McKibben: The Christian paradox:How a faithful nation gets Jesus wrong
    http://harpers.org/archive/2005/08/0080695

    Einführg. zum Seminar „Medizin- und Informationsethik“ FH Heilbronn/Uni Heidelberg
    Klaus Jähne: Ethik und Moral, Verantwortung, Verantwortungsethik
    http://klaus.jaehne.de/papers/verantwortungsethik.pdf

    Teilnahme an weltweitem Test: Sich entscheiden bei Dilemmata
    MST – The Moral Sense Test
    http://wjh1.wjh.harvard.edu/~moral/test.php

    Simulationen zur Gruppeentwicklung unter Berücksichtigung von Schmarotzern.
    Leticia Avilés: Solving the freeloader paradox
    http://www.pnas.org/content/99/22/14268.full.pdf

    Betrachtungen zur Herkunft der Moral
    Tristan Casey: The unlikely emergence of natural altruism
    http://vulcanis.wordpress.com/2007/11/08/moral-evolution-the-unlikely-emergence-of-natural-altruism/

    Interview mit dem Psychologen Marc Hauser
    Die  Moral steckt im Erbgut
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/209/94115/

    Analyse moralischer Dilemmata und ein allgemeiner Lösungsansatz
    Thomas Zoglauer: Die Methode des Überlegungsgleichgewichts in der moralischen Urteilsbildung
    http://www.tu-cottbus.de/techphil/Publikation/zoglauer-konstanz.pdf

    Moralische Verhaltensweisen bei Menschenaffen
    Orlaith N. Fraser, Daniel Stahl, and Filippo Aureli
    Stress reduction through consolation in chimpanzees
    http://www.pnas.org/content/105/25/8557.full

    Moralisches Verhalten bei Kolkraben
    Fraser/Bugnyar, Universität Wien: Do Ravens Show Consolation? Responses to distressed Others.
    http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.00106

    Was bringt Menschen dazu gegen ihre moralischen Grundüberzeugungen zu handeln? Diskutiert u.a. die NS-Verbrechen, das Milgram-Experiment 1961, das Experiment von Darley und Bateson 1973
    Harald Welzer: Alles ist möglich. Über menschliche Gewalt und Gewaltbereitschaft.
    in: Evolution und Kultur des Menschen
    S.Fischer 2010    ISBN 978-3-596-18721-8

    Ein kurzgefasster und gut verständlicher Überblick
    Hans Mohr: Evolution der Moral und die Entstehung des Rechtes
    in: Evolution und Kultur des Menschen
    S.Fischer 2010    ISBN 978-3-596-18721-8

    Experimente zeigen wie Menschen zwischen Egoismus und Altruismus entscheiden, insbesondere im Kontext frei zugänglicher Ressourcen („Tragedy of the commons“)
    Manfred Milinski: Egoismus schafft Gemeinsinn
    in: Evolution und Kultur des Menschen
    S.Fischer 2010    ISBN 978-3-596-18721-8

    Schilderung des „Robbers Cave“-Experimentes von Muzafer Sherif zu Entstehung und Abbau von Feindseligkeit zwischen Gruppen
    Reto U. Schneider: Das Experiment – Adler gegen Klapperschlangen
    http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/9d44ff43-9078-487a-8504-ac24bbfcbb7a.aspx

    Wie leicht Schüler faschistisches Denken und Handeln annehmen – der ausführliche emotionale Bericht des Lehrers.
    Ron Jones: „The Third Wave“
    http://newsstore.schule.at/assets/2008/downloads/artikel_ronjones_thirdwave_de.pdf

    Über die zunehmende Bedeutung der Neurowissenschaften für das Alltagsleben
    Friedhelm Schwarz: Der Griff nach dem Gehirn
    Rowohlt 2007    ISBN  978 3 499 62249 6

    Lüge und Verbrechen aus der Sicht des zweier Neurologen
    Hans J. Markowitsch, Werner Siefer:
    Tatort Gehirn – Auf der Suche nach dem Ursprung des Verbrechens
    Piper 2009     ISBN 978-3-492-25354-3

    Ausgehend vom Fall des Phineas Gage entwickelt der Hirnforscher das Konzept der engen Verbindung von Gefühlen und vernünftigem und moralischem Handeln
    Antonio R. Damasio: Descartes' Irrtum
    List Verlag 2004    ISBN 3 - 548 -60043 - 9

    Ein Anthropologe analysiert die gemeinsamen Merkmale der Religionen auf der Basis der kognitiven Mechanismen des menschlichen Gehirns.
    Pascal Boyer: Religion Explained   -
    The Evolutionary Origins of Religious Thought
    Basic Books 2001    ISBN-13 978-0-465-00696-0

    Ein begrüßenswerter Versuch, reich an Gedanken. Leider ist der ausufernde Text mühsam zu lesen (Philosophendenk – Philosophensprech)
    Gert Scobel: Der Ausweg aus dem Fliegenglas. Wie wir Glauben und Vernunft in Einklang bringen können.
    Fischer 2010     ISBN 978-3-10-070214-2

    Der letzte Absatz enthält das Gleichnis der „Fliegenden Teekanne“:
    Bertrand Russell: Is there a God?
    http://www.cfpf.org.uk/articles/religion/br/br_god.html

    Humanistische Ethik unter Berücksichtigung der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Evolution des Menschen und seines Verhaltens. Sehr zu empfehlen!
    Michael Schmidt-Salomon: Manifest des evolutionären Humanismus – Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur
    Alibri 2005    ISBN 3-86569-011-4

    Warum die Annahme eines „Freien Willens“ falsch ist und wie sowohl der Einzelne als auch die Gesellschaft davon profitieren, wenn man diese Annahme aufgibt.
    Michael Schmidt-Salomon: Jenseits von Gut und Böse – warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind
    Pendo-Verlag 2009  Erweitert 2010  ISBN  978 – 3 – 86612 – 212 - 3

    Der berühmte Essay über das Absurde der menschlichen Existenz
    Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos
    Zuerst erschienen 1942. Französischer Text: http://classiques.uqac.ca/classiques/camus_albert/mythe_de_sisyphe/mythe_de_sisyphe.pdf
    Eine deutsche Übersetzung findet sich hier:
    http://www.fmp-berlin.de/schmieder/collectibles/pdf/sisyphos.pdf

    Überlegungen zu Sinnsuche in der Philosophie
    Dr. Bernd Vohwinkel:
    Der Sinn des Lebens - eine ausschließlich religiöse Frage?
    http://giordanobrunostiftung.wordpress.com/2009/08/24/der-sinn-des-lebens-eine-ausschlieslich-religiose-frage/

    So etwas wie ein Grundsatzpapier des Existentialismus
    J.P.Sartre: Ist der Existentialismus ein Humanismus?
    http://www.gottwein.de/Eth/Human03.php

    Wunderbar klare Übersicht über die großen Linien der Geschichte der Philosophie
    Luc Ferry: Leben lernen – Eine philosophische Gebrauchsanweisung.
    Dtv 2009     ISBN 978 – 3 – 423 – 34537 - 8

    Einführg  Ergänzungen
    Stellung in der Welt
    In Raum und Zeit
    Die Evolution
    Das Gehirn versagt

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