Einführung
Stellung in der Welt
In Raum und Zeit
Die Evolution
Aberglaube, Religion
Das Gehirn versagt
Zahlenspiele
Relativitätstheorien
Quantenphysik
Chaos und Fraktale
 Die Erde
 Aufbau der Materie
Stichwort "Realität"
   

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Die Stellung des Menschen in der Welt–
Naturwissenschaft und Glauben

In memoriam Immanuel Kant
(Fotomontage)

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“
 

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Wie nähern uns in diesem Kapitel der Frage nach der Stellung des Menschen in der Welt von zwei Seiten: von der Seite der Naturwissenschaft, speziell der Astronomie,  Kosmologie und Evolutionslehre,  und von der Seite der Religion. Dies mag als eine seltsame Kombination erscheinen, doch weist schon das Wort des großen Philosophen Immanuel Kant in diese beiden Richtungen – das Draußen und das Drinnen.

Das Gehirn eines niederen Tieres  löst gegenüber den Reizen der Umwelt vorprogrammierte Reaktionen aus. Je höher entwickelt das Tier, zu desto komplexeren Verhaltensweisen ist es fähig. Menschenaffen besitzen die Fähigkeit neuartige Aufgaben  mit neuartigen Werkzeugen oder neuartigen Aktionen zu lösen. Von Schimpansen ist bekannt dass sie solche Fähigkeiten in einem mehrjährigen Lernprozess an ihre Nachkommen weitergeben.

Mehr aber als alle Tiere besitzt  der Mensch die Fähigkeit, seine Umwelt zu analysieren und komplexe Handlungsfolgen zu planen und durchzuführen. Dazu gehört die Fähigkeit  des Gehirns sich eine Art Modell der Umwelt zu schaffen und Aktionsmöglichkeiten in Gedanken durchzuspielen. Dieses Modell zu verbessern heißt die Überlebenschancen zu verbessern. Darum fragt der Mensch nach dem geheimen Mechanismus der Welt, nach ihrem Wie und Warum. Stellt er diese Fragen über das unmittelbar Nützliche oder Bedrohliche hinaus, entsteht Wissenschaft – oder Religion.

Von sich selbst weiß der Mensch dass sein Verhalten Ausdruck seiner Absichten, seines Willens ist; das gleiche ist eine sehr alltagstaugliche Deutung des Verhaltens der Tiere. Daher war es für den frühen Menschen eine naheliegende Annahme dass seine gesamte Umwelt von ähnlich willensbegabten Entitäten beherrscht wird : Nymphen, Geistern, Göttern ... Der Glaube an geheimnisvolle Kräfte welche das Schicksal des Menschen bestimmen ist bis heute lebendig, er drückt sich in vielerlei Aberglauben wie auch in widersprüchlichen Religionen aus.

Die Philosophie versucht Erklärungen für Wesen und Gesetze der Welt aus der reinen Gedankenkraft des Gehirns zu geben, ihre Wirkung auf das Zusammenleben der Menschen scheint aber recht beschränkt zu sein.

Religion wie Philosophie haben im Verlauf der letzten 3000, besonders aber der letzten 300 Jahre die Deutungshoheit über viele Bereiche an die Naturwissenschaften abgeben müssen. Die Menschen erkannten, zunächst am Beispiel des Geschehens am Himmel, dass viele Vorgänge in der Welt  sehr präzisen, mathematisch fassbaren Gesetzen folgen. Aus der Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen als einer Erscheinungsform von Göttern wurde eine exakte Wissenschaft. In den letzten 100 Jahren hat sich gerade durch die Erkenntnisse der Astronomie und Kosmologie unser Weltbild erneut dramatisch gewandelt.

   Als der französische Mathematiker und Astronom Pierre-Simon Laplace sein Buch über Himmelsmechanik Napoleon überreichte, bemerkte dieser, das Buch beschreibe das Universum aber erwähne nicht seinen Schöpfer, worauf Laplace die berühmte Antwort gab: “Je n’avais pas besoin de cette hypothese-la“ („Ich benötigte diese Hypothese nicht.“) So ist es bis heute geblieben: die Wissenschaft kann mit Gott nichts anfangen. Mit dem Eingriff einer übernatürlichen Macht kann man alles erklären – und auch das Gegenteil davon. Damit ist Wissenschaft unmöglich.

Raum und Zeit sind zwei grundlegende Kategorien menschlichen Erlebens und „Modellierens“.  Was ist der Platz des Menschen in der Welt in Raum und Zeit?  Jedes mal  wenn die Astronomie Fortschritte machte, wurde die Rolle des Menschen kleiner und bescheidener.

Alle Schöpfungsmythen der Völker legen einen besonderen Akzent auf die Erschaffung des Menschen. Als im 19. Jahrhundert die Tatsache der Evolution immer offensichtlicher wurde und Charles Darwin sie auf eine überzeugende theoretische Grundlage stellte, war dies ein schweres Schock für alle bibelworttreuen Christen. Der Konflikt ist bis heute nicht ausgestanden: Keiner wissenschaftlichen Erkenntnis stellen sich die christlichen Fundamentalisten mit größerer Vehemenz entgegen. Offenbar ist es die letzte Bastion für die Deutungshoheit der Religion über die reale Welt, die sie ansonsten Schritt für Schritt an die Wissenschaft verloren hat.

Aber trotz aller Fortschritte der Wissenschaft  hat die Religion – besser: haben die Religionen – ihren Einfluss auf die Menschen nicht verloren. In der größten Militärmacht unserer Zeit, den USA, ist der weit überwiegende Teil der Bevölkerung religiös.  Religiöse Konflikte halten die Welt in Atem. Nicht nur individuellen Trost verspricht die Religion; sie beansprucht für sich auch den Menschen erst zu einem moralisch handelnden Wesen zu machen. Und sie reklamiert für sich eine Sonderstellung: sie ist erhaben über triviale Sachdiskussion und Logik, sie verdient besonderen Respekt, sie ist leicht zu beleidigen und muss dagegen geschützt werden.

Darum ist es kaum vorstellbar dass die dezidiert verstandesbetonten Ausführungen im Abschnitt über Aberglauben und Religion nicht doch den einen oder anderen empfindsamen Gläubigen irritieren werden. Es ist nicht unsere Absicht irgend jemanden zu beleidigen.  Wir bringen dem religiösen Menschen den gleichen Respekt entgegen wie jedem anderen Anhänger irgend einer Weltanschauung oder politischen oder gesellschaftlichen Überzeugung – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Sollte es „Kolalateralschäden“ geben, so  trösten wir uns mit der  Feststellung   des   großen  Georg  Christoph  Lichtenberg (1742-1799):

"Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemanden den Bart zu sengen.“
 
 

Das Kapitel gliedert sich in die Abschnitte

Der Mensch in Raum und Zeit

    Der Mensch im Raum
              Die Erde
              Das Sonnensystem
              Sterne und Galaxien

      Der Mensch in der Zeit
              Naive Vorstellungen und erste Zweifel
              Aus Raum und Zeit wird Raumzeit
              Die Geschichte des Universums wird entdeckt
              Der Urknall („Big Bang“)
              Das Universum heute
              Wie viel Zukunft?
              Alternativen

Die Evolution
             Die Darwinschen Gesetze
             Belege für die Evolution
             Wie funktioniert die Evolution?
             Stammesgeschichte – Die Entwicklung des Lebens

Aberglauben und Religion
             Auf der Suche nach dem Sinn
             Aberglaube
             Weltreligionen
             Was glauben die Menschen wirklich?
             Vergleich der Religionen – Gibt es Übereinstimmungen?
             Gibt es einen Gott?
                 Beweise und Hinweise
                 Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen
                 Die Pascal’sche Wette
             Vom Nutzen und Schaden der Religion
             Gott und die Moral
                 Kommt die Moral aus dem Glauben?
                 Wenn nicht aus dem Glauben, wo sonst kommt moralisches Verhalten
                 her?
        Vielleicht kein Sinn, aber doch eine Aufgabe?
 

Dankeschön!
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Dr. Wolfgang Melzer bedanken, der mir bei den beiden kosmologischen Abschnitten „1 Der Mensch im Raum“ und  „2 Der Mensch in der Zeit“ sehr geholfen hat, durch Bereitstellen von Grundlagenmaterial wie auch durch kritische Anmerkungen zu meinem Text.
 
 

Einführg  Ergänzungen
In Raum und Zeit
Die Evolution
Aberglaube, Religion
Das Gehirn versagt

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