Die achte Reise Sindbad des Seefahrers

Es war ein sehr heißer Tag in Bagdad.  Als der zu bescheidenem Wohlstand gekommene ehemalige Lastenträger Hindbad vor die Tür seines Hauses trat, sah er einen gut gekleideten schwarzen Sklaven mit schnellen Schritten heran eilen; er erkannte ihn schon von weitem.

"Mein Herr ist von der Reise zurückgekehrt und wünscht alle seine Freunde zu einem festlichen Essen um sich zu sammeln!"

Hindbad, nicht wenig überrascht, kleidete sich hastig in sein Feiertagsgewand und folgte dem Sklaven zum Hause seines Gönners. Schon als er sich der offenstehenden Haustür näherte, bemerkte er den Duft von Rosenwasser und Weihrauch. Musik von Flöten und Saiteninstrumenten begrüßte ihn beim Eintreten.

Sindbad saß auf seinem Ehrensitz, eine trotz des hohen Alters immer noch eindrucksvolle Gestalt. Sein langer weißer Bart verlieh ihm große Würde. Um ihn herum saßen seine Freunde. Sindbad wies dem ehemaligen Lastträger seinen Platz zu und gab den Dienern das Zeichen, die Platten des exquisiten Mahles hereinzutragen.

Nachdem sie ausgiebig gespeist hatten und zum Abschluss vom besonders gelungenen Umm Ali , vom Halwa mit Safran,  sowie von den frische Feigen und Granatäpfeln genascht hatten, ergriff Sindbad das Wort.

"Allah akbar! Gott ist groß, ihm dienen Menschen und Geister! Er sei mein Zeuge für die Wahrheit dessen was ich euch zu erzählen habe.

Gewiss seid ihr überrascht mich schon wieder zurückgekehrt zu sehen. Nach sieben Reisen, die mich in größte Gefahren geführt, aber dank der Gnade Allahs mir schließlich großen Reichtum beschert hatten, wollte ich eigentlich die Geschenke des Allmächtigen in Ruhe zusammen mit meinen Freunden genießen. Als ich mich schließlich dennoch zu einer weiteren Reise entschloss – sie sollte meine letzte sein – da ging es mir nicht um weiteren Gewinn. Vielmehr wollte ich noch einmal Sohar, die Stadt meiner Väter – und meiner leichtlebigen Jugend - sehen und dann mein Leben in Frieden beschließen.

Ich schiffte mich also in Balsora als Passagier auf einer guten Dhau unter einem vertrauenswürdiger Kapitän ein.  Wer unter euch reisefähig war, liebe Freunde, hat mich im Hafen verabschiedet!

 Wie erhofft, brachten uns die günstigen Winde der Jahreszeit schnell nach Osten voran; bereits nach  wenigen Tagen hatten wir die Straße von Hormuz erreicht. Da das Wetter sicher , die Sicht gut, der Wind stetig war, rundete der Kapitän das Ras Sharita  in engem Abstand, um die Verstärkung des achterlichen Windes an der Landspitze zu schneller Fahrt zu nutzen.

Der Wind aber nahm übermäßig zu, ein schwerer Sturm peitschte die See auf, das Schiff wurde auf einen wasserüberspülten  Felsen getrieben und würde bald zerschmettert sein. Die Mannschaft sprang über Deck um schwimmend das nahe Land zu gewinnen.  Als alter Mann hatte ich keine Chance mich auf diese Art  zu retten, hatte auch in meinem langen Leben mehr Schiffbrüche erlebt und überstanden , blieb also im Vertrauen auf Gottes Schutz an Bord und klammerte mich an die Takelung.

Da sah ich wie sich eine große schillernde Kugel über den Wellenkämmen bildete, in wildem Tanz von Gischtfahnen umwirbelt. Als sie weiter aufstieg und das Wasser von ihren Seiten abstäubte, erwies sie sich als durchsichtig wie eine Seifenblase. Darin saß – nein schwebte! - eine menschliche Gestalt ....."

"Ein Djinn!" – "Ein Dämon!" – "Ein Geist" .......

"........ Ja! Ich rief den Höchsten um Beistand an, aber die Gestalt verließ die Kugel ohne ihre Wand zu zerstören, und schwebte auf mich zu, der ich unablässig die erste Sure rezitierte. Der Geist war kaum größer als ich, von sehr schlanker Gestalt, doch sein Kopf war groß und rund wie eine Kugel, die Augen tiefschwarz, die Mundpartie wie die eines Fisches ......"

"Der Allmächtige beschütze uns!"

"So sei es! Preis dem Höchsten! Doch lasst mich weiter erzählen!  Ich gestehe es freimütig: Ich glaubte vor Angst sterben zu müssen. Der Geist aber begann zu sprechen, und seine Stimme war klar und laut wie die des Muezzin.

Freundlich begrüßte er mich mit – "Salam Aleikum!"
"Aleikum Salam!" antwortete ich, aufs höchste erstaunt.
Der Geist fragte: "Wer bist du?",
und ich antwortete: "Ich nenne mich Sindbad, Kaufmann aus Bagdad, auf der Reise nach..."
"Sohar!" nahm er mir das Wort aus dem Mund.
"Bist du allwissend, Geist?"
"Nein, aber ich kann deine Gedanken lesen. Soll ich dich nach Sohar bringen? Komm mit mir in meine Kugel, dort bist du sicher vor dem Sturm, und ich zeige dir das Sohar an das du dich erinnerst!"
Auf dem zerfallenden Wrack der Dhau  hatte ich den sicheren Tod vor Augen, so befahl ich mich dem Schutze des Allmächtigen und folgte dem Geist in die Kugel. Wie es darin aussah? Ich kann es nicht beschreiben. Es war als tanzten tausend ständig wechselnde Muster um mich herum, aber gleichzeitig konnte ich nach draußen sehen – und ich sah die Reste meines Schiffes versinken.
"Auf nach Sohar!" rief der Geist, und im gleichen Augenblick sah ich auch schon meine Stadt unter mir liegen, ich sah das Haus meines Vaters, und ich sah mich selber zusammen mit meinen Zechkumpanen, die auf meine Kosten ein liederliches Leben führten. Ich blickte den Geist verwirrt an.
"Dies ist eine Zeitreisekugel neuster Bauart" erklärte der Geist, "wir sind in Deine Vergangenheit zurück gereist."
"Können wir heruntergehen, und ich kann mich warnen, und mir manch bittere Erfahrung ersparen?!"
"Nein, das geht nicht. Der Eingriff in die Vergangenheit ist nicht möglich. Die Welt besteht nicht nur aus Materie und Energie und Raum und Zeit, sondern auch aus Logik. Du kannst deine Vergangenheit nur wahrnehmen, aber nicht in sie eingreifen, dazu wäre eine unendliche Energie notwendig."
"Ich verstehe wenig von dem was du sagst, oh Geist, aber dieses ist wahr: Nur Allah kann Geschehenes wieder ungeschehen machen. ........ Was für eine Art Geist bist du, wo stammst du her, wem dienst du?"
"Ich bin kein Geist in deinem Sinne. Eher noch bin ich ein Mensch wie du. Ich komme aber aus der Zukunft. Ich lebe etwa 200 000 Jahre weiter in Deiner Zukunft. Ich lebe nahe der Stelle die einmal Dubai hieß. Ich diene niemand – in meiner Zeit dient niemand einem anderen."

Bis zu dieser Minute, meine Freunde,  weiß ich nicht ob es wirklich eine Art Mensch war oder doch nur ein Geist – ich nannte ihn weiterhin Geist, und er nahm es mir nicht übel.

"Aber wenn Du aus der Zukunft kommst, und du begegnest mir, und ich erzähle meinen Freunden und meinen Kindern und Kindeskindern davon, und die erzählen ihren Kindern und Kindeskindern davon, und irgend jemand erzählt dann dir davon, ...... hast du nicht dann doch deine Vergangenheit geändert?"
"Das ist eine kluge Frage, Sindbad. Aber wenn die zeitliche Distanz sehr weit ist, dann geht ein einzelnes Ereignis im körnigen Rauschen der Zeit unter."

So sprach der Geist, und es verstehe wem Allah den Verstand dazu gegeben.

"Hast du genug von der Vergangenheit gesehen?" fragte der Geist mich nach einer Pause, oder sollen wir noch weiter zurückreisen?"
"Mein Großvater hat mir erzählt – und der hatte es von seinem Großvater – dass dort wo heute die Weihrauch-Karawanen durch die Wüste ziehen, früher unendliche Palmenoasen sich dehnten – ich möchte gerne sehen ob das stimmt!"
"Dann reisen wir tausend Jahre zurück " sagte der Geist, und schon sah ich unter mir Wälder aus Palmen und edlen Bäumen wie sie in Indien wachsen.  Dazwischen waren offene Flächen, und an vielen Stellen sah ich Menschen arbeiten und große Feuer unterhalten mit dem Holz das sie aus den Wäldern holten.
"Es gibt viel Kupfer hier und anderes Erz" erklärte der Geist, "die Menschen stellen Bronze her und verkaufen sie weithin. Sie sind wohlhabend, es geht ihnen gut."
"Als ich ein Kind war, gab es die Wälder nicht mehr, nur Wüste und kleine Oasen. Wo sind die Wälder hingekommen?" fragte ich.
"Die Menschen haben sie alle abgeholzt, sie haben zerstört was sie reich machte" stellte der Geist fest. – Willst Du noch mehr von der Vergangenheit sehen?"
"Nein. Wenn man die Fehler der Vergangenheit doch nicht ungeschehen machen kann ..... "
"Willst Du lieber etwas von der Zukunft sehen?"
"Meine Zukunft? Wie lange Allah mich noch leben lässt?"
"Nein, das wird nicht funktionieren, da ist die Logik der Welt dagegen. Aber 500 oder 1000 Jahre in die Zukunft, das müsste möglich sein ..... wir werden sehen ob es geht."
Inzwischen war meine Angst verflogen, meine Wissbegier hatte die Oberhand gewonnen, und ich war bereit dem Geist in die Zukunft zu folgen.

Wie er es bewerkstelligte weiß ich nicht. Aber als ich unter mich blickte, hatte sich die Szene verändert. Da war ein Gruppe unserer Schiffe, prächtiger Dhaus, bemannt mit kühnen Kämpfern. Durch die Menge hindurch glitt ein größeres Schiff wie ich es noch nie gesehen, es hatte hohe Masten und trug Wolken von Segeln. Aus drei Reihen Mäulern an seiner Seite spie es Feuer, Blitz folgte auf Blitz, der Donner rollte ohne Pause, bläulicher Dunst hüllte die Schiffe ein. Auf den Dhaus zerfetzten die Segel, Masten stürzten um, Rümpfe schlugen leck, Verwundete schrieen, das Wasser färbte sich rot vom Blut zerrissener Leiber.
Der Geist erklärte:
"Das große Schiff gehört einem Königreich fern im Nordwesten, das alle Meere der Erde beherrschen will. Sie bekämpfen deine Nachkommen, die sie Piraten nennen. Sie sagen, sie bringen der Piratenküste endlich Frieden."
"Es ist schrecklich, oh Geist! Ist mein Volk verloren? Wird es nie wieder zu alter Größe und Reichtum aufsteigen?"
"Es wird reicher sein als je zuvor. Sieh nur hin!"

Und ich sah ein reiches Land unter mir. Auf den ersten Blick sah es im Landesinneren so kahl und braun aus wie wir es kennen, doch war es von festen, glatten Straßen durchzogen.  An der Küste aber gab es einen breiten grünen Streifen, mit großen Wasserflächen, von Flamingo-Schwärmen belebt, und endlosen Palmenhainen. Vor allem aber: da waren Städte wie ich sie nie gesehen auf meinen Reisen.  Auf den blumengesäumten Straßen glitten große glänzende Käfer dahin, Männer und Frauen kletterten hinein und anderer Stelle wieder heraus.
"Es sind Maschinen mit denen man schneller fahren kann als das beste Kamel rennen kann, und weiter," erklärte der Geist.

Wie gigantische kristallene Türme ragten die Häuser auf.
"Das ist Glas" erklärte der Geist, "die Gebäude sind aus Eisen und einem flüssigen Stein gebaut den man Beton nennt, und außen herum ist alles Glas!"
Stockwerk war auf Stockwerk getürmt, als wolle man die Wolken erreichen.
"Das große Gebäude da drüben, das aussieht wie das geblähte Segel eines eurer alten Schiffe, ist eine Karawanserei – man nennt es Hotel – es heißt Burj al Arab."
Oben war eine Plattform, da landeten große Libellen, und aus ihrem Leib kamen weißgewandete Menschen und verschwanden in dem Gebäude.

Das höchste Gebäude aber war schlank wie eine Nadel, scharf und spitz stieß es in den Himmel.
"Es ist so hoch wie 500 Menschen übereinandergestellt. Es ist das höchste Gebäude auf der Erde. Es heißt Burj Dubai ... die Stadt selbst heißt Dubai."
"Welch Handel macht die Stadt so reich?" fragte ich, und der Geist erklärte:
"Siehst du die Maschinen dort drüben, und dort, und dort? Damit holt man Öl aus dem Boden, alle Menschen der Welt kaufen es, und die Stadt ist unglaublich reich. Alle sind reich hier! Wenn jemand mit seiner Hände Arbeit nicht genug verdient, erbarmt sich der Scheich und schenkt ihm so ein kleines Haus wie die, welche du dort drüben siehst. Allerdings: reich ist nur wer hier geboren ist. Aus aller Welt kommen Menschen um hier zu arbeiten, aber die werden nicht reich."
"Der Koran sagt dass wir den Armen Almosen zu geben haben. Wird die Stadt ihren Reichtum bewahren können, oder wird Allah die Hartherzigen strafen wie Sodom und Gomorrha?"

"Die Stadt wird viele Jahre die reichste Stadt der Welt sein. "
"Und was dann?"
"Dann wird das Öl zu Ende gehen. Zuerst wird man sich freuen, weil man es immer teuerer verkaufen kann. Aber dann wird es auch für die eigenen Menschen nicht mehr ausreichen. Man wird die Wärme der Sonne einsammeln und die Kraft des Windes, aber das wird man überall auf der Welt tun, und Dubai wird nicht mehr die reichste Stadt der Welt sein. Willst Du diese neue Welt sehen?"

Ich nickte Zustimmung. Und schon sah ich unter mir unendliche Reihen von Windrädern und von glitzernden Trögen in denen das Sonnenlicht zusammenlief. Durch diese Anlagen bewegten sich künstliche Menschen.
"Und wo sind die wirklichen Menschen?" fragte ich.
"Sie leben unter der Erde, in der Luft kann man nicht mehr leben, sie ist giftig geworden und ist viel zu heiß. Darum siehst du auch keine Pflanzen mehr."
"Der Allmächtige beschütze uns vor solchem Unheil! Wie ist es dazu gekommen?"
"Die Menschen haben alles Öl verbrannt und alle Kohle die sie finden konnten, und die Luft ist immer heißer geworden. Das wollte man mit chemischen Mitteln rückgängig machen, aber die Menschen haben nicht wirklich verstanden was los war  und der Versuch ging schief. Der Prozess geriet außer Kontrolle, die Luft wurde noch heißer und giftig dazu. Viele Menschen starben. Die Überlebenden mussten unter die Erde ziehen, und ihre Wohnstätten dort unten müssen dauernd gekühlt werden."
"Aber .... die Erde ist doch nicht dauerhaft unbewohnbar geworden? Du selbst ... wie sieht denn deine Welt aus?"
"Sieh hin!"

Unter mir die Erde war ein einziger Garten, Palmen und Bäume und Blumen überall, und silberne Flüsse. Hier und da ragten hohe Türme weit über die Wolken. Hier und da schwebten schimmernde Kugeln, darin konnte ich viele Geister sehen, sie sahen alle aus wie der Geist der mich führte.
"So haben die Geister das Paradies auf Erden geschaffen von dem der Koran spricht, "der Garten unter dem Ströme fließen" Wie war das möglich?"
"Nicht Geister waren es - wir Menschen, deine Nachkommen, haben es geschaffen. Wir haben gelernt die volle Kraft unserer Gehirne zu nutzen. Wir haben gelernt unsere Gehirne mit großen Denkmaschinen zu koppeln. Wir haben gelernt mehrere Gehirne zusammenwachsen zu lassen. Wir haben die Krankheiten besiegt. Wir haben unsere Körper von den Zufälligkeiten und Mängeln der Evolution befreit und haben sie neu gestaltet; darum sehe ich etwas anders aus als du. Und darum gibt es auch keine Männer und Frauen mehr; damit ist unser Leben viel friedlicher geworden.
Wir haben die Gesetze der Welt entdeckt. Wir haben die Schwerkraft gebändigt und können sie kneten wie Ton. Wir haben die logische Struktur hinter der Welt entdeckt, und damit die Gesetze der Zeit. So haben wir das Reisen in der Zeit gelernt."
"So haben die Geister ein ewiges Paradies geschaffen?"
"Wir Menschen werden dem sehr nahe kommen. Aber ewig wird dieses Paradies nicht sein. In ein paar Milliarden Jahren wird die Sonne explodieren."
"Was wird dann geschehen? Werden die Geister oder Menschen oder was auch immer ihr seid, sich retten können? Bist du so weit in die Zukunft gereist?
"Nein, so weit reisen können wir nicht. Das Zeitreisen unterliegt vielen Beschränkungen. Die Gesetze der Logik, Zeit, Raum, Materie und Energie bilden ein unzertrennliches Gewebe, komplizierter als das Muster eines persischen Teppichs. Verstehst du?"
Nein, ich verstand nichts mehr. Ich war müde. Aber ich stellte eine letzte Frage:
"Die ihr so viel wisst: Was wisst ihr über Gott?"
"Wir wissen, dass wir nie etwas über Gott wissen können. Aber wir wissen dass wir ihn immer suchen müssen. Gott – das ist die Logik hinter der Logik."

Trotz meines fortgeschrittenen Alters habe ich ein gutes Gedächtnis. Ich habe euch getreulich berichtet was der Geist mir zeigte und was er zu mir sagte. Oder war er vielleicht doch ein Mensch? So wie er selbst immer wieder betonte?

Ich bat den Geist mich zurück zu bringen – ich sei erschöpft – mein hohes Alter! – und er brachte mich zurück. Am Stadtrand von Balsora setze er mich ab. Ich verabschiedete mich mit den Worten.
"Ich glaube doch dass Du ein Geist bist und mir alles nur vorgespiegelt hast. Aber ich danke dir für das Schauspiel. Und ich danke dir dass du mir das Leben gerettet hast. Gott sei gnädig und erlöse dich aus deinem Geisterdasein!"
Der Geist lächelte und antwortete:
"Eine wahrhaft überlegene Technologie erscheint dem Unkundigen wie reine Magie! Gott beschütze dich, Sindbad."
Die Kugel des Geistes löste sich vor meinen Augen auf.  Ich ging zur Stadt und reiste mit der nächsten Karawane zurück nach Bagdad."
 

Als Sindbad so seinen Bericht beendigt hatte, verfiel er in ein langes Schweigen das niemand zu stören wagte. Dann aber richtete er sich auf, wie aus einem Traum erwachend, und winkte den Musikanten ihr Spiel wieder aufzunehmen. Sogleich begann zwischen den Gästen eine lebhafte Diskussion.
Man war sich einig dass es kein Mensch gewesen sei den Sindbad getroffen, sondern ein Geist gewesen sein müsse. An der Existenz von Geistern gab es ja keinen Zweifel, die größten Wissenschaftler Arabiens und Indiens hatten sie bestätigt. Was der Geist von der Zukunft erzählt, und was er Sindbad vorgespiegelt hatte, davon mochte manches wahr sein, die Zukunft war in Allahs Schoß verborgen. Aber Türme so hoch wie 500 Männer übereinander? Türme die in die Wolken reichten? Türme aus Glas und flüssigem Stein? Unmöglich! So etwas konnte man nicht bauen. Man wusste doch wie schnell die Häuser und Festungen aus Adobe im Regen Schaden nahmen. Man wusste wie leicht Glas zerbrach, und wie teuer es war. Diese Stadt Dubai – so etwas konnte es nicht geben, da hatte der Geist maßlos übertrieben wie ein Märchenerzähler auf dem Markt. So etwas konnte einfach nicht wahr sein!

Sindbad aber lauschte schweigend dem Gespräch seiner Gäste. Bisweilen wiegte er bedächtig den Kopf und strich sich den langen weißen Bart.

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