„Schreibtischtäter“

Die Bildmontage zeigt drei religionshistorisch bedeutsame Personen: Innozenz VIII, Luther, Calvin. Keiner  dieser intelligenten, einflussreichen Männer hat sich selber die Hände als Henkersknecht schmutzig gemacht, aber sie haben in Wort und Schrift die Hexenverbrennung propagiert - daher "Schreibtischtäter".

 
 
Innozenz VIII (1432-1492 )
„Summis desiderantes affectibus“ („In unserem sehnlichsten Wunsche“) ist der Textbeginn und somit der eigentliche Titel der so genannten „Hexenbulle“. Papst Innozenz VIII gab sie 1484 heraus. Basis war eine Vorlage von Henricus Institoris (Heinrich Kramer), dem späteren Verfasser des „Hexenhammers“ (Malleus Maleficarum), des Handbuches für die Hexenjagd. Die Bulle wurde in den meisten Ausgaben des Hexenhammers abgedruckt.

Mit der Bulle wurden die deutschen Inquisitoren Heinrich Institoris und Jacob Sprenger zur Hexenjagd ermächtigt, der Widerstand von Klerikern und Laien wurde für unberechtigt erklärt. Für Hexen und Zauberer waren fortan die Ketzerrichter zuständig.

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Martin Luther (1483-1546)

Luthers   Weltsicht  war noch ganz die des Mittelalters.  Der Teufel war für ihn eine reale Person (siehe  den berühmten Wurf mit dem Tintenfass);  Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft und Schadens-
zaubers waren reale Gefahren. Dementsprechend befürwortete er die gerichtliche Verfolgung von Zauberern und Hexen.

Die Anweisung des Alten Testaments „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ (Exodus 22,17) hatte für ihn Gültigkeit. Dies wird in seiner viel zitierten "Hexenpredigt" deutlich, die Luther zu dieser Bibelstelle hielt. Er verlieh hier seinem Abscheu vor dem Übel der Hexerei Ausdruck. Man beachte auch, dass er nur von "Zauberinnen" spricht:
„Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird, sie können nämlich Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen. Sie können ein Kind verzaubern. Auch können sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen, dass der Körper verzehrt wird. Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen, um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwüstungen im Haus, auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile und mehr machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann. Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder. Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben."

Zahlreiche lutherische Theologen, Prediger und Juristen und Landesherren, zum Beispiel Heinrich Julius (Braunschweig-Wolfenbüttel) beriefen sich später auf einschlägige Aussagen Luthers.
Luther muss also, gerade wegen seiner Popularität und seines hohen Ansehens bei der herrschenden Obrigkeit, als ein Antreiber des Hexenwahns gelten, dem in Europa zehntausende Frauen zum Opfer fielen und zwar mehrheitlich im deutschsprachigen Raum.
 

Johannes Calvin (1509-1564)


Von 1540 an beherrschte zunehmend der Reformator Johannes Calvin das geistige Leben in Genf.

Auch er berief sich auf Mose 22,17 und rief dazu auf, die Hexen aufzuspüren und gnadenlos auszurotten. Wer sich gegen die Verbrennung von Hexen aussprach, sollte als Verächter des göttlichen Wortes verbannt werden.

„Besonders gut dokumentiert ist Calvins Haltung in den Hexenprozessen von Peney. ]Calvin glaubte, dass drei Jahre lang Männer und Frauen in Genf durch Zauberkünste die Pest ausbreiteten, und hielt alle durch Folter abgepressten Selbstanschuldigungen für wahr, nachträgliche Widerrufe jedoch für unwahr. 1545 wurden innerhalb weniger Monate 34 Unglückliche nach entsetzlichen Martern vor den Häusern, die sie angeblich mit Pest behext hatten, verbrannt.“ (Wikipedia).

Es ging Calvin freilich nicht nur um Hexen und Zauberer. Zur Zeit Calvins in Genf wurden 58 Andersgläubige hingerichtet. Das prominenteste Opfer war der Arzt und Theologe Michael Servetus, der 1553 verbrannt wurde.

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Umso bewundernswerter ist der mutige Kampf des einfachen protestantischen Pfarrers Anton Praetorius (1516-1613) gegen den Hexenwahn, der Kampf eines Mannes, von dem nicht einmal ein Porträt überliefert ist. Nach ihm hat Hartmut Hegeler, pensionierter evangelischer Pfarrer, seine Website benannt http://www.anton-praetorius.de, die viele Informationen zu Hexenverfolgung enthält. Hegeler kämpft unermüdlich für die Rehabilitierung der Opfer des Hexenwahns. Für ihn wurde die Grafik „Schreibtischtäter“ erstellt.

Einen eigenen Text zu Praetorius und zwei weiteren Kämpfern gegen den Hexenwahn finden Sie hier.

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Die verwendeten Dokumente:
- Hexenbulle von Papst Innozenz VIII. vom 5. Dezember 1484
- Titelblatt "9 Hexenpredigten des lutherischen Superintendenten Hermann Samson, Riga" 1626
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10365835_00007.html
- Titelblatt "Acht Hexenpredigten von David Meder", lutherisch-protestantischer Pastor und Generalsuperintendent, Vertreter der Hexenverfolgung, Nebra
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10161520_00001.html
- Titelblatt Hexenhammer, http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer

Die verwendeten Zeichnungen:
- Hexenverbrennung um 1880, nach Zeichnung von Gottfried Franz (1846–1905), zeichnerisch modifiziert: die Frau schreit.
- Bild (Künstler mir nicht bekannt)
http://thumbs1.picclick.com/d/l400/pict/2518136

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