Martin Luther – die dunklen Seiten des Reformators

Das Reformationsjubiläum im Jahre 2017 wird Gelegenheit  geben,  Luthers Bedeutung für die deutsche Geschichte, insbesondere natürlich für die evangelischen Kirchen,  zu feiern. Eine populäre Sonderbotschafterin wurde ernannt, um das Jubiläum recht in den Blick der Kirchenmitglieder und der Medien zu rücken. Mit hohen Millionenbeträgen aus öffentlichen Kassen wird das Jubiläum vorbereitet: Der Bund stellt aus dem Kulturetat 35 Millionen Euro für das 500-jährige Reformationsjubiläum zur Verfügung und das Land Sachsen-Anhalt, wo sich die meisten Lutherstätten befinden, weitere 35 Millionen. Die evangelischen Landeskirchen haben 17 Millionen Euro bewilligt.

Luther aber war durchaus nicht die Lichtgestalt, als die ihn die evangelische Kirche feiert. Es ist an der Zeit, etwas Essig den Feiertagswein zu gießen und auf Luthers dunkle Seiten hinzuweisen:
Als Judenhetzer hat Luther den Boden für den Holocaust der Nazis vorbereitet; als Hexenverfolger ist mitschuldig am Tod zahlloser Frauen (warum feiern wir nicht eher den calvinistischen Pfarrer Anton Praetorius, den mutigen Kämpfer gegen den Hexenwahn?); im großen sozialen Konflikt seiner Zeit, dem Bauernkrieg, schlug er sich auf die Seite der Sieger und stachelte sie zu blutiger Rache auf; wer nicht seinen  Lehren folgen wollte, für den forderte er den Tod ....

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Luther, der zunächst die Juden auf seine Seite zu ziehen hoffte,  hat später eine ganz üble Hetzschrift gegen die Juden verfasst: "Von den Juden und ihren Lügen", erschienen in Jena 1543.

Den Fürsten wird darin der Umgang mit den Juden wie folgt empfohlen:
"Erstlich, dass man ihre Synagoga oder Schulen mit Feuer anstecke und was nicht brennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacken davon sehen ewiglich. Und solches soll man tun unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien ...
Zum anderen, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben dasselbige drinnen, was sie in ihren Schulen treiben. Dafür mag man sie etwa unter ein Dach oder einen Stall tun ...
Zum dritten, dass man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein ...
Zum vierten, dass man ihren Rabbinern bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren ...
Zum fünften, dass man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe. Denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herrn noch Amtleute noch Händler oder desgleichen sind. Sie sollen daheim bleiben ...
Zum sechsten, dass man ... nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold und lege es beiseite zum Verwahren. Und ist dies die Ursache, alles was sie haben (wie droben gesagt) haben sie uns gestohlen und geraubt durch ihren Wucher."
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde Luthers Empfehlung in die Tat umgesetzt: In der "Reichskristallnacht" brannten die Synagogen.

Der evangelisch-lutherische Landesbischof Martin Sasse aus Eisenach schrieb dazu im Vorwort zu seiner Schrift "Martin Luther und die Juden - Weg mit ihnen!", Freiburg 1938 )

"Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird ... die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden."
 
 

Quellen:

Der komplette Text der Schrift findet sich hier (Das Zitat ist §343 ff):

http://www.sgipt.org/sonstig/metaph/luther/lvdjuil.htm

Als pdf ist der Text hier verfügbar (Zitate S.  8/9 )

http://archive.org/details/VonDenJudenUndIhrenLuegen

Eine ausführliche Diskussion des Textes sowie Kommentare, auch aus der Nazi-Zeit (Landesbischof Sasse!), finden sich hier:

http://www.theologe.de/martin_luther_juden.htm
 
 

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Luthers Weltsicht war noch ganz die des Mittelalters. Der Teufel war für ihn eine reale Person (siehe den berühmten Wurf mit dem Tintenfass); Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft und  Schadenszaubers waren reale Gefahren. Dementsprechend befürwortete er die gerichtliche Verfolgung von Zauberern und Hexen.

Die Anweisung des Alten Testaments „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ (Exodus 22,17) hatte für ihn Gültigkeit. Dies wird in seiner vielzitierten "Hexenpredigt" deutlich, die Luther zu dieser Stelle hielt. Er verlieh hier seinem Abscheu vor dem Übel der Hexerei Ausdruck. Man beachte auch, dass er nur von "Zauberinnen" spricht::

„Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird, sie können nämlich Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen… Sie können ein Kind verzaubern… Auch können sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen, dass der Körper verzehrt wird… Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen, um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwüstungen im Haus, auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile und mehr machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder … Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“

Zahlreiche lutherische Theologen, Prediger und Juristen und Landesherren, zum Beispiel Heinrich Julius (Braunschweig-Wolfenbüttel) beriefen sich später auf einschlägige Aussagen Luthers.

Luther muss also, gerade wegen seiner Popularität und seines hohen Ansehens bei der herrschenden Obrigkeit, als ein Antreiber das Hexenwahns gelten, dem in Europa zehntausende Frauen zum Opfer fielen.
 

Quelle: http://www.anton-praetorius.de     >  Opfer > Hexenjäger >  Martin Luther
 
 

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Mit seiner Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" (1520) mit der Botschaft " Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan"  erreichte Luther unbeabsichtigte Wirkung. Eigentlich hatte er Theologisches im Sinne, aber aus Sicht der Bauern hatte er Argumente geliefert, ihre altüberlieferten Rechte wiederherstellen und ein menschenwürdiges Leben führen zu wollen. Ihre Forderungen nach Milderung der Lasten und Aufhebung der Leibeigenschaft aber rüttelten an den Grundfesten der bestehenden Gesellschaftsordnung.

1524 begannen die Aufstände, 1525 schon wurden sie niedergeschlagen. Zunächst hatte  Luther das Verhalten der Fürsten noch als "hochmütig" kritisiert  ("Ermahnung zum Frieden"), wurde auch von den Fürsten für die Aufstände mitverantwortlich gemacht. Als sich die Waage dann zugunsten der Fürsten neigte, bekam er noch rechtzeitig die Kurve.  Er forderte mit seiner Schrift "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern" zum schonungslosen Gemetzel auf:
"Drum soll hier zuschmeißen, wurgen und stechen, heimlich oder offentlich, wer da kann, und gedenken, daß nichts Giftigers, Schädlichers, Teuflischers sein kann denn ein aufruhrischer Mensch, gleich als wenn man einen tollen Hund totschlahen muß...":
"Wer auf der Oberkeit Seiten erschlagen wird", dem attestiert Luther dass er " ein rechter Märterer für Gott sei..."

Nicht toleranter war Luther gegen Menschen die seiner Theologie nicht folgten, zum Beispiel die "Täufer":
"... wenn sie gleich das reine Evangelium wollten lehren, ja wenn sie gleich Engel und Gabriel vom Himmel wären ... Will er predigen, so beweise er den Beruf oder Befehl ... Will er nicht, so befehle die Obrigkeit solchen Buben dem rechten Meister, der Meister Hans heißt (= dem Henker)."  (Der 82. Psalm durch D.M.L., geschrieben und ausgelegt Anno 1530, Tomos 5, S. 74b ff.)

Viel Federlesens musste man nicht machen:
"Ebenso soll die Obrigkeit auch strafen oder je nicht leiden, die, so da lehren, Christus sei nicht für unsere Sünde gestorben, sondern ein jeglicher solle selbst dafür genug tun ... Moses in seinem Gesetz gebietet auch, solche Lästerer, ja alle falschen Lehrer zu steinigen. Also soll man hier nicht viel Disputierens machen, sondern auch unverhört und unverantwortet verdammen solch öffentliche Lästerung." (Der 82. Psalm durch D.M.L. geschrieben und ausgelegt Anno 1530, Tomos 5, S. 74b-76b)

Schon gar nicht mehr überraschend: Straßenräuber, Mörder, Wucherer empfahl er zu rädern und köpfen,  entstellt geborene  Kinder als Teufelsbrut  zu ertränken, Ehebrecher zu töten,  Prostituierte zu Tode zu foltern ....

Und das ist die große Lichtgestalt der evangelischen Kirche? !
 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wider_die_Mordischen_und_Reuberischen_Rotten_der_Bawren

http://www.projektwerkstatt.de/religion/download/luther_original_bauern.rtf

http://www.neo-lutheraner.de/taeufer.html

http://www.theologe.de/theologe3.htm#Henker
 

Text und Bildmontagen: Heinz G. Klug      November 2012
 
 

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