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Androiden Für und Wider
Eine Fernsehdiskussion
Der Moderator:
Liebe Gäste hier im Studio, verehrte Zuschauer zuhause!
Nachdem die große gesellschaftliche Debatte über die Erzeugung gemeinsamer Nachkommen homosexueller Paare zu Ende gegangen ist, konzentriert sich das Interesse auf eine neue Frage: Soll die Menschheit soll Deutschland! die Schaffung von Androiden forcieren oder verbieten? Meine Gäste sind heute Abend:Zu meiner Rechten Hochwürden Bischof Anselmus Schöps von der Allgemeinen Vereinigten Kirche
(ein Mann in den hohen Siebzigern, mit durchgeistigtem Gesicht)Professor Franz Haberecht von Lehrstuhl für Robotik an der Technischen Universität unserer Stadt
(ein Fünfziger in betont elegantem Anzug)neben ihm Frau Charlotte Neuland, Sprecherin der Firma CYBERMAN
(eine auffällig gut aussehende Blondine im figurbetonten schwarzen Hosenkostüm)Zu meiner Linken Herr Carlo Thiele, zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft "Produktion und Lieferung"
(ein robuster Mann, gibt sich betont kumpelhaft)Staatsminister Rupert von Eysen
(ein smarter Typ mit randloser Brille)Herr John C. Fielmann, erfolgreicher Science-Fiction-AutorDer Moderator:
(ein junger Mann mit großer Hornbrille)Herr Professor Haberecht, wollen Sie die Diskussion eröffnen?! Was ist ein Android?Der Professor:Ein Android ist ein in jeder Beziehung menschenähnlicher Roboter nur eben viel leistungsfähiger als ein Mensch etwas wovon die Science-Fiction-Autoren seit Jahrhunderten träumen. Wie Sie wissen, ist mein Institut führend in der Entwicklung der wissenschaftlichen Grundlagen der frei-beweglichen Roboter für Industrie und Haushalt. Solche Roboter sind auf den ersten Blick als Roboter zu erkennen, und das ist gut so. Über das Thema "Androiden" haben wir uns selbstverständlich Gedanken gemacht und verfolgen die weltweite Entwicklung aufmerksam. Auf Grund der umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen meines Instituts sage ich Ihnen: Echte Androiden sind noch Jahrzehnte in der Zukunft. Man kann einfach heute keinen Roboter so bauen dass er wirklich menschenähnlich ist. Wenn heute jemand so etwas versucht, macht er sich höchstens lächerlich selbst ein Laie würde bald erkennen dass es nur ein geschminkter Roboter ist .... ein Fachmann gar sieht das auf den ersten Blick!
Der Moderator:Da sind Sie wohl etwas anderer Meinung, Frau Neuland?Die Firmensprecherin:Ganz entschieden! Wenn ein erfahrener Wissenschaftler bestätigt dass eine bestimmte Sache möglich sei, dann hat er in aller Regel recht. Wenn er aber sagt eine bestimmte Sache sei unmöglich, dann ist oft genug die Zeit an ihm vorbei gegangen!
Der Professor (setzt sich mit heftiger Bewegung in Imponierstellung):Unglaublich!Die Firmensprecherin:Ich versichere Ihnen, dass in mindestens drei Weltfirmen nicht über das Thema "Androiden" diskutiert wird es wird daran gearbeitet! Wir von der Firma Cyberman haben äußerst befriedigende Fortschritte erzielt. Die jetzige Entwicklungsphase konzentriert sich auf die Erprobung der Praxistauglichkeit. Es ist nur noch eine Frage von Monaten bis Cyberman die ersten Modelle auf den Weltmarkt bringen wird. Unsere Konkurrenten werden leider bald folgen! Es gibt keinen Zweifel daran dass weltweit ein großer Bedarf an Androiden besteht und wir werden ihn befriedigen!Der Moderator:Donnerwetter! Da hat wirklich einmal eine deutsche Firma die Nase vorne!Der Professor:Lächerlich! Wozu braucht man denn Ihre Androiden?!Die Firmensprecherin:Es gibt viele Arbeiten, die äußerste Sorgfalt, Kraft und Ausdauer benötigen ...
Der Professor (unterbricht sie):Dafür gibt es Roboter!Die Firmensprecherin:.... Arbeiten im Servicebereich, wo nicht eine plumpe Maschine, sondern größte Menschenähnlichkeit gebraucht wird. Denken Sie nur mal an die Alten- und Krankenpflege! Eine Pflegerin die nie müde wird; die 24 Stunden am Tag im Einsatz ist; immer freundlich, ja zärtlich; aber auch stark genug einen Patienten auf den Armen zu tragen und behutsam in die Badewanne zu setzen...... das wird nur ein Android können!Der Gewerkschaftler:Ja da schau her! Da haben wir es ja! Gut dass Sie es selbst sagen! Arbeitsplätze sollen vernichtet werden! Wenn man Leuten wie Ihnen freie Bahn lässt, dann haben die Menschen am Ende gar nichts mehr zu tun!Der Moderator:Herr Fielmann, war es nicht immer ein Menschheitstraum von Arbeit befreit zu werden?Der SF-Autor:Die Arbeit sich zu erleichtern, möglichst ganz davon befreit zu werden, danach haben die Menschen immer gestrebt. Mit Androiden wird es möglich, das Sklavenjoch der Arbeit abzuwerfen. Die vielbeklagten Engpässe in Medizin und Sozialwesen werden endlich beseitigt. Staaten welche Androiden erlauben, erhöhen die Lebensqualität ihrer Bürger und sichern sich gleichzeitig große wirtschaftliche Vorteile. Androiden werden die Basis unserer zukünftigen Wirtschaft sein! Sie werden (mit Hilfe der gewöhnlichen Roboter) alles Notwendige produzieren und alle geforderten Dienstleistungen erbringen. Und die Menschen werden endlich frei sein zu Kreativität, Kultur, Spiel, Sport, Bildung - wahrer Lebensgenuss in jeder Form!Der Gewerkschafter redet sich in Rage, lässt sich von dem Moderator nicht bremsen:Seit mehr als 150 Jahren dienen die Gewerkschaften dem arbeitenden Menschen, vertreten kämpferisch seine Interessen gegen Ausbeutung durch Unternehmer und Kapitaleigner.
Nach Produktionsmaschinen im 19. und Computern im 20. Jahrhundert haben Roboter im 21. Jahrhundert zahllose Arbeitsplätze vernichtet und einen erheblichen Teil unserer Bevölkerung zur Dauerarbeitslosigkeit verurteilt. Androiden stellen eine noch weiter gehende Gefahr dar!
Herr Fielmann hat die Katze aus dem Sack gelassen: Androiden sollen alle alle! Menschen von der Arbeit freistellen! Herr Fielmann sagt: die Menschen können sich dann hemmungslos dem Lebensgenuss hingeben. Ich sage Ihnen: das ist eine schiefe Sicht! Arbeit Arbeit alleine! wirkt für den Menschen sinnstiftend! Arbeit alleine gibt ihm das Gefühl gebraucht zu werden, gibt ihm menschlichen Wert. Androiden werden ihm diesen Wert rauben, indem sie ihn zum lebenslangen Almosenempfänger degradieren.
Wer - sagen Sie mir - wer profitiert denn wirklich von der Einführung von Androiden? Wieder einmal die Wenigen ohnehin Reichen, die Unternehmer, die Kapitaleigner. Sie profitieren bei der Herstellung dieser Maschinen, bei der Organisation ihres Einsatzes. Unternehmer und Kapitaleigner profitieren von der Menge der Menschen die sich in immer neuen Erlebnisparks über die Sinnlosigkeit ihrer Existenz hinwegtäuschen müssen! Dazu kommt wachsender Umsatz mit Alkohol, Drogen, Glücksspiel!
Ha! Wenn da einer glaubt, Androiden und menschliche Arbeiter könnten nebeneinander existieren, der irrt sich! Androiden werden nicht streiken damit werden alle Streiks von Menschen wirkungslos. Die idealen Lohndrücker! Den menschlichen Arbeitern wird man Lohn und Urlaub kürzen und sie am Ende entlassen. Den Betriebsrat wird man entmachten!......
Der SF-Autor murmelt:....und damit solche Typen wie .....Der Gewerkschafter:Was? Wie? Ha! Wenn Androiden gerade im Servicebereich, im Sozialwesen und in der Medizin eingesetzt werden sollen (wo Maschinen, Computer, Roboter ein paar Lücken gelassen haben), dann werden den Menschen auch die zutiefst menschlichen Tätigkeiten, die Arbeiten der höchsten moralischen Stufe, aus der Hand gerissen. Es wird nicht mehr lange dauern bis man sogar die Seelsorge an Androiden übertragen wird!(Er wirbt mit einem schnellen Blick auf den Kirchenmann um einen Bündnisgenossen)Eines Tages wird unsere Gesellschaft nur noch zwei Klassen kennen: Androiden die alle Arbeiten leisten und alle Entscheidungen treffen. Und Menschen, die wie debile Kinder dahinvegetieren. Na ja, vielleicht sogar: wie glückliche Kinder! Aber würdelos. Sinnlos. Überflüssig. Irgendwann werden die Androiden die überflüssigen Menschen abschaffen...Der SF-Autor:Da waren eine Menge Widersprüche in Ihrer Rede! ..... Nur ein Punkt: Wenn das stimmt was sie sagen, dann müssten Sklaven, die 100 Stunden in der Woche arbeiten, das sinnvollste Leben führen ... Warum wollen Sie dem Menschen die Souveränität nehmen, sein Leben ohne Arbeitszwang frei zu gestalten? Wird er nicht, frei vom Fron, gestützt auf nimmermüde Androiden, ganz neue und unerhörte Aufgaben anpacken? Den Weltraum erobern, fremde Planeten bewohnbar machen, zu Beispiel?
Der Moderator:Wir wollen die Diskussionsrunde nicht zum Zwiegespräch werden lassen! Herr Professor
Der Moderator unterbricht sich und beobachtet die Firmensprecherin von CYBERMAN.Die Firmensprecherin:
Gestatten Sie?!
Sie erhebt sich. Sie zieht die Kostümjacke aus und hängt sie über die Lehne ihres Sessels. Sie trägt eine weiße Bluse mit einem Ausschnitt der auf den Ansatz ihrer üppigen Brüste blicken lässt. Sie atmet tief ein. Sie setzt sich langsam wieder.Im Publikum stößt jemand einen anerkennenden Pfiff aus. Gelächter.
Der Moderator:
Äh ja, Herr Professor, sagen Sie uns doch einmal warum sie glauben dass man auf lange Zeit keine Androiden herstellen kann?Der Professor wirft gerade einen tiefen Blick in den Ausschnitt der neben ihm sitzenden Firmensprecherin, reißt sich schließlich los:
Zum einen ist es die Steuerung der Feinmotorik die Rechenleistung haben wir - aber die Algorithmen kennen wir nur zum Teil und die Hydraulik ist noch zu grob.Der Professor wirft einen bedeutungsvollen Blick auf den Ausschnitt seiner Nachbarin.
Das größte Problem aber das wird Sie vielleicht überraschen! - ist die Nachahmung der menschlichen Haut. Ihre Elastizität, ihr matter Glanz, das Durchschimmern der Blutgefäße, die samtige Struktur, die kontrollierte Feuchte, die Fähigkeit zu schwitzen, der feine Duft .... Was die Natur da leistet, können wir nicht nachahmen..... Ich weiß wovon ich rede... glauben Sie mir .....Der Moderator:
Was sagt denn die Kirche zu dem Thema? Gibt es religiöse oder moralische Aspekte die wir uns klar machen sollten?Der Bischof:
Hochwürden ...?!Wir halten die Schaffung von Androiden für eine unverantwortliche, gefährliche und gegen Gottes Willen gerichtete Handlung. Warum?Der SF-Autor:
Gott hat den Menschen geschaffen. Jetzt will der Mensch selber einen neuen, sogar einen besseren Menschen schaffen. Besser? Ja! Ein Android kann keine Verbrechen begehen, er kann nicht sündigen .... die drei Asimov'schen Gesetze Sie wissen doch?Donnerwetter! Alle Achtung!Der Bischof lächelt ironisch:Wir Kirchenleute sind nicht ganz so ungebildet wie manche glauben!SF-Autor murmelt:
Also, ein Android wird nicht sündigen können. Er wird ein dem menschlichen bei weitem überlegenes Gehirn besitzen. Sein Körper wird von vollkommener Schönheit und überlegener Kraft sein. Mit der Schaffung des Androiden will der Mensch Gott übertreffen welch eine Hybris!
Und doch: mit der Schaffung des Androiden äfft der Mensch zwar Gott nach aber er bringt nur ein seelenloses Wesen, einen neuen Golem zustande denn die Seele kann nur von Gott kommen. Ein Android wird eine seelenlose Hülle sein ....Was ist eigentlich eine Seele?Der Bischof (fährt ohne zu zögern fort):Die Schaffung des Androiden wird den Glauben an unseren Schöpfergott unterminieren. Androiden werden selber nicht an Gott glauben .... sie werden Glaubensverlust und Kirchenverfall Vorschub leisten.Der SF-Autor murmelt:Wer wird dann noch Kirchensteuer zahlen?Der Bischof (fährt unbeirrt fort):Wenn der Mensch seinen Mitmenschen nicht mehr von einer Maschine unterscheiden kann, dann wird jegliches zwischenmenschliche Vertrauen zerstört.Der Moderator:
Die Menschen werden ihre Unterlegenheit gegenüber den Androiden auf Dauer nicht verkraften.... es wird ihnen natürlich werden dass sie den Androiden dienen statt umgekehrt ....
Die Menschen, glaubenslos geworden, werden den Sinn ihrer Existenz nicht mehr sehen. Vielleicht werden sie einfach aussterben...
Androiden sind, davon bin ich überzeugt, im Schöpfungsplan Gottes nicht vorgesehen. Sie zu schaffen ist die wahre Sünde gegen den Heiligen Geist ... die ultimative Todsünde.Was sagt die Bundesregierung dazu, Herr von Eysen?Der Staatsminister:Die Bundesregierung ist sich ihrer Verantwortung voll bewusst. Sie führt den Dialog mit allen gesellschaftlichen Kräften. Sie wird eine Enquetekommission einsetzen die sich in mehreren Arbeitsgruppen diesem existenziellen Thema widmen wird. Sie wird den Konsens mit der Opposition suchen. Auf der europäischen Ebene wird sie an einer einvernehmlichen Lösung arbeiten. Die besondere Verantwortung der UNO in dieser Menschheitsfrage wird beachtet werden.Gewerkschafter:Sehr erhellend! Ha! Aktionen wollen wir sehen, nicht Arbeitsgruppen!Der Moderator (wendet sich an die ganze Runde):Meine Dame, meine Herren! Ich bekomme ein Zeichen: unsere Sendung geht zu Ende. Wir konnten das komplexe Thema nur anreißen, es wird uns in der Zukunft vielleicht noch häufiger beschäftigen. Jetzt bleibt uns nur noch Zeit für jeweils ein kurzes Schlusswort. Darf ich zunächst Sie bitten, Hochwürden?!Der Bischof:Diese Welt ist die Schöpfung Gottes. Er hat uns Menschen nach seinem Bild geschaffen. Wir dürfen Gott nicht nachäffen und Wesen nach unserem Bilde schaffen. Gott beschütze uns vor solcher Blasphemie.Der Gewerkschafter:Wir wenden uns mit Nachdruck gegen die neuerliche Vernichtung von Arbeitsplätzen. Allein Arbeit gibt dem Menschenleben Sinn und Würde wir dürfen sie dem Menschen nicht wegnehmen!Der Professor:Darüber brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Androiden sind nach dem heutigen Stand der Technik unmöglich und werden es für lange Zeit bleiben. Und das ist gut so!Der Professor wirft einen Blick in den Ausschnitt seiner Nachbarin.Der Staatsminister:
Unsere Regierung ist sich der Problematik des Themas bewusst und wird das Notwendige tun, um Menschenwürde und Sozialverträglichkeit neuer Technologien zu sichern und dabei die Konkurrenzfähigkeit dieses unseres Landes zu erhalten.Die Firmensprecherin:An Stelle eines Schlusswortes will ich Ihnen lieber etwas zeigen!Sie steht auf.
Sie knöpft sich die Bluse auf.
Sie entblößt ihre üppigen doch festen Brüste.
Sie legt die Fingerspitzen an die Nippel und verdreht diese um eine Vierteldrehung.
Die Brüste schwingen zur Seite.Eine rechteckige Öffnung gibt einen Blick in das Innere der Frau frei. Der Brustraum ist dicht gepackt mit mechanischen, hydraulischen, elektrischen und elektronischen Bauteilen.
Ausrufe des Erstaunens im Studiopublikum und in der Runde.
Der Professor (mit unterdrückter Stimme):
Scheiße!Der Bischof (bekreuzigt sich):Apage, Satanas!Der Moderator:Leider müssen wir die Sendung beenden. Wir danken der Diskussionsrunde hier am Tisch für das aufschlussreiche Gespräch und unseren Zuschauern zuhause für Ihr Interesse!<<<< zurück zu "Willkommen" zum Archiv der Erzählungen >>>>