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Die Schraube




Ob ich als Astro-Geologe auch aufregende Erlebnisse hatte, möchten Sie wissen? Richtige Abenteuer, auf Leben und Tod? Na ja, ich habe 30 Jahre im Außendienst der Universum Prospecting Corporation gearbeitet, da erlebt man so mancherlei .... Sind schon verrückte Plätze, an die es einen da verschlägt....

Io zum Beispiel,,,,, kennen Sie Io? Io ist ein Jupitermond. Aber nicht so ein totes Ding wie der Erdmond! Io ist der vulkanisch aktivste Körper im ganzen Sonnensystem! Meteoritenkrater gibt es da keine – Lavaströme und Schwefelregen decken alles zu. Irgendwo sind immer Vulkane aktiv, schmeißen mit Lavabomben um sich, lassen dünnflüssiges Gestein in gewaltigen Strömen sich ausbreiten. Rot und schwarz ist der Boden wo nicht der Wind weißen Schwefeldioxidschnee zusammengeweht hat. An manchen Stellen ist der Boden unter deinen Füßen 1000° heiß, an anderen sinkt die Temperatur unter –100°.

Ich hatte meine Lehrjahre auf dem Erdmond verbracht, das war nicht eben aufregend, und als die Universum Leute für die neue Station auf Io suchten, da bewarb ich mich als einer der ersten. Und wurde genommen.

Was wir auf Io suchen sollten? Tut mir leid, meine Position bei Universum verpflichtet mich zum Stillschweigen. Aber sie können ja mal in den Exportstatistiken von Io zwischen den Zeilen lesen...!

Also, das Prospektionslager wurde von einer Pioniergruppe errichtet, und als wir ankamen – ich entsinne mich, man konnte vom Raumschiff aus, im Transitionsorbit, einen gigantische Vulkanausbruch sehen -  als wir ankamen, da mussten wir nur noch die wissenschaftliche Ausrüstung installieren und in Betrieb nehmen.

Das Lager fand sich am Rande einer Hügelkette, die es gegen eine vulkanisch sehr aktive Zone abschirmte – gerade dort vermuteten wir das Objekt unserer Begierde. Wo das Lager stand, war der Boden wenige hundert Grad warm –  immerhin warm genug dass man das Gebäude zwecks Isolierung auf Stelzen aus hochfester Keramik stellen musste. Eine gewaltige Kuppel, wie der Panzer einer Schildkröte,  überwölbte das Gebäude und schützte es für den Fall dass so ein frecher Vulkan uns Lava auf den Kopf spucken würde.  Über der Hügelkette hing immer an der selben Stelle Jupiter, in unglaublichen 10 Stunden sich einmal um sich selbst drehend. Unser Tag dauerte 38 Standardstunden. Ein paar Stunden bevor die Sonne aufging – eine schwache Funzel ist das dort, sag ich Ihnen! – konnte man den Schatten Io's über die Jupiteroberfläche ziehen sehen.... klein gegen den Roten Fleck.
Die Dienstplanung richtete sich nach irdischen Tagen, an den Kuddelmuddel mit Io's Tag musste man sich erst einmal gewöhnen!

Die Besatzung waren an die hundert Personen, zumeist Männer. Aber auch einige Frauen waren unter den Technikern und Wissenschaftlern, die hatten natürlich immer eine Wolke von Verehrern um sich rum.  Eine war dabei, die nannte man "Lucky", auf die warf ich selber ein Auge. Auf den ersten Blick hätte man sie in der Universum-Uniform für einen Mann halten können – mittlere Größe, kräftige Figur, kurzgeschnittenes schwarzes Haar, ebenmäßiges gebräuntes Gesicht. Aber sie war wirklich eine Frau .... hatte sogar schon ein Kind auf die alte Art zur Welt gebracht.... sagte sie jedenfalls. Ich fand sie sehr attraktiv.

Lucky war Ingenieur – Motoren waren ihr Spezialgebiet – aber sie hatte eine bei einem Ingenieur überraschende Macke: sie glaubte an allerlei esoterischen Schnickschnack. Nicht gerade an Astrologie wie immer noch so viele Leute bei Euch hier auf der Erde, aber...  Immer wieder sah sie übernatürliche Mächte eingreifen ... vertrat die absonderlichsten Theorien auf allen Gebieten von denen sie nichts verstand ....  glaubte an die Kraft der Wünsche und Gedanken... Aber: sie war ein dufte Kumpel, jemand mit dem man Asteroiden stehlen könnte!

Ich mochte sie wirklich sehr. Aber, wie's der Teufel wollte, statt Süßholz zu raspeln geriet ich regelmäßig mit ihr in Streit. Wenn sie ihre esoterischen Gedanken ausbreitete, da konnte ich als Naturwissenschaftler nicht an mich halten. Oft genug stritten wir uns lange und erbittert.

Unsere damalige Arbeit interessiert Sie mehr als Lucky? Fehler, sage ich! Unsere Arbeit ... was darf ich darüber sagen? Nicht viel..... Jeden Tag fuhren wir in Zweierteams hinaus ins Feld um unsere Untersuchungen zu machen.  Unsere Fahrzeuge waren gegen vulkanische Bomben und Lapilli - Lavabrocken und Steine von oben - gepanzert. Die Kettenfahrwerke funktionierten bis 1000° Bodentemperatur – unsere Erkundungsfahrten sollten ja gerade in Bereiche starker vulkanischer Aktivität führen. Energie, Luft  und andere Vorräte reichten für 120 Stunden Betrieb. Fahrtgeschwindigkeit .... war fast 100 km/h - auf ebenem Gelände, das gab's aber selten. Alle erdenklichen Ersatzteile lagerten in einem separaten Raum.

An Bord war  auch noch so etwas wie ein Rettungsboot für zwei Personen, so was ähnliches wie ein Motorrad. Hatte statt Reifen rotierende Drahtbürsten, wegen der Bodentemperaturen. Man konnte es auch für kleine Fahrten im Umkreis um das Kettenfahrzeug benutzen, aber die meisten scheuten davor zurück: Nach jedem Gebrauch musste der Rauschenbergmotor, eine exotische Variante des Sterlingmotors – Sie kennen das Prinzip? Nein? Macht nichts! – nach jedem Gebrauch musste der Motor geöffnet und das Heizelement ausgetauscht werden, damit wieder die volle Reichweite für Notfälle zur Verfügung stand. Ich hatte es einmal nach Handbuch gemacht, aber ich konnte mich nicht dafür begeistern ......Wie gesagt, den meisten war das Montieren lästig, aber eben nicht allen, wie Sie gleich hören werden.

Ob die Arbeit gefährlich war? Normal nicht. Im Mutterfahrzeug war man eigentlich ganz gut geschützt. Größere Vulkanausbrüche kündigten sich durch seismische Wellen an, die Zentrale würde uns im Zweifelsfall über Funk zurückrufen. Ein bisschen heikel war die Arbeit außerhalb des Fahrzeuges. Im Schutzanzug mit seiner aktiven Kühlung konnte man es in den heißen vulkanischen Gegenden eben und eben aushalten  - besonders die Schuhsohlen mussten ständig gekühlt werden. In den kühleren Regionen musste der Anzug kräftig heizen -  war schon eine raffinierte Technik!  Die geringe Schwerkraft machte das Gewicht des Anzugs erträglich.  Aber einen Schutz gegen fliegende Steine gab es nicht.... Und einmal verloren wir einen Mann weil Schwefeldioxid in den Atemkreislauf gelangte .... verdammt! vergessen Sie das gleich wieder!

Die Zweierteams wurden jedes Mal neu zusammengestellt, das hatten die Headshrinks – äh, die Psychologen – der Universum verordnet. Und eines Tages traf es mich mit Lucky zusammen zu fahren! Am Abend hatten wir uns wieder mächtig vor der ganzen Mannschaft gestritten, vielleicht konnte man ihr ja auf der Fahrt, ohne Zuschauer, etwas Vernunft beibringen?! Ohne Zuschauer .... das bot Möglichkeiten....

Als wir am frühen Morgen  zum Fahrzeug gingen, erwähnte Lucky wie beiläufig, dass sie früher Kampfsport betrieben habe .... fürchtete sie etwa ich  würde auf rohe Gewalt setzen?!  Da gab es vielleicht doch andere Mittel und Wege um zu überzeugen....

Lucky war scharf auf das Motorradfahren, das wusste ich. Gewöhnlich fuhr sie hinter dem großen Kettenfahrzeug her, das hatte ich schon beobachtet. Auch heute verkündete sie: "Ich nehme das Motorrad!"

Ich wand ein: "Aber dann musst Du am Ziel den Rauschenberg-Motor auseinandernehmen, das Ding muss doch ein neues Heizelement bekommen!"

Die Antwort kam wie erwartet: "Das weiß ich besser als Du! Es macht mir nichts aus, ich schraube gerne. Wir müssen ja doch am Ziel erst einmal zwei Stunden Pause machen, das verlangt die Astro-Gewerkschaft. Mir langt diese Zeit zum Auseinander- und Zusammenbauen. Soll ich mich die ganze Zeit mit Dir unterhalten? Dann lieber schrauben!"

Sie zog das Motorrad aus seiner Kammer und machte es fertig. Dann zog sie sich den Schutzanzug über. Derweil fuhr ich die Systeme des Kettenfahrzeuges hoch.  Hintereinander verließen wir das Lager durch die Luftschleuse und nahmen Kurs auf die Hügelkette, über der wie immer Jupiter hing. Hinter uns ging die Sonne auf. Wir konnten bald auf die Scheinwerfer verzichten.

Zunächst führte die Strecke auf markierter Route über die Ebene und die Hügelkette hinauf. Im Rückspiegel konnte ich sehen dass Lucky hinter dem Kettenfahrzeug Schlangenlinien fuhr wie ein Wasserskiläufer hinter dem Motorboot. Hätten es die Vorschriften nicht verboten, wäre sie an mir vorbeigeschossen.....

Als wir jenseits der Hügelkette das vulkanisch aktive Becken erreichten, endete der markierte Weg und wir drangen in unerforschtes Gelände vor. Das Satellitennavigationssystem gab uns die Richtung zum Ziel, aber wir mussten uns den Weg zwischen alten und jungen Lavafeldern selbst suchen. Die Bodentemperatur stieg schnell an, obgleich wir uns nach Möglichkeit auf den flachen Anhöhen bewegten. Lucky fuhr jetzt brav hinter dem Kettenfahrzeug her. Hin und wieder tauschten wir über Funk Beobachtungen aus.

Wir erreichten nach sechs Stunden den Zielpunkt ohne Probleme. Lucky schob das Motorrad durch die Schleuse in das Kettenfahrzeug, entledigte sich des Schutzanzugs  und begann sogleich mit der Demontage des Motors. "Wie gut dass es die Gewerkschaft gibt...."

Ich sah ihr schweigend zu. Es war gut zu sehen wie geschickt sie arbeitete. Sauber breitete sie Kleinteile und Schrauben auf einem Tuch aus. Es dauerte kaum eine  Stunde, da hatte sie den Motor offen und hielt das alte Heizelement in der Hand: "Blödsinn, dieses Austauschen! Das Ding hätte noch lange gehalten!" Sie ging in den Lagerraum, holte das neue Heizelement und begann mit der Montage. Fasziniert beobachtete ich sie bei ihrer Arbeit.

Die zweite Stunde ging ihrem Ende zu, Lucky war fast fertig mit der Montage – es waren nur noch wenige Schrauben übrig – da erstarrte sie plötzlich und wurde blass. Sie zählte die verbliebenen Schrauben, zählte ein zweites Mal.

"Was ist los?" fragte ich.

"Eine Schraube ist übrig!"

"?!?"

"Eine Schraube ist übrig, bist Du taub? Von diesem Schraubentyp gibt es insgesamt 16 Stück. Acht davon sitzen am Gehäuse, die kann ich von außen kontrollieren, vier habe ich schon reingedreht. Es müssten also noch vier Schrauben übrig sein. Hier liegen aber fünf! Acht halten die innere Kompressionskammer zusammen, diese acht kann ich nicht sehen. Eine Schraube ist übrig - ich muss sie bei der Montage der Kompressionskammer vergessen haben. Jupiters Scheiße! Ich muss den Motor noch einmal öffnen!"

"Aber wir müssen doch jetzt raus und unsere Untersuchungen machen!"

"Kommt nicht in Frage! Das Motorrad muss einsatzbereit sein. Vielleicht brauchen wir es. Soll uns dann der Motor um die Ohren fliegen?!"

Und sogleich machte sie sich erneut an die Demontage des Motors. Dabei störten zunehmend seismische Wellen, das Kettenfahrzeug bebte in immer kürzeren Abständen.  Ich begann mir Sorgen zu machen.

Als Lucky die innere Kompressionskammer vor sich sah, starrte sie erst das Ding, dann mich an:

"Die acht Schrauben sind alle dran – es ist wirklich eine Schraube zu viel!"

"Vielleicht fehlt sie an einer anderen Stelle?"

"Quatsch! Hab' ich es Dir nicht gesagt: Diese Schrauben gibt es nur an zwei Stellen!"

"Was heißt das?"

"Die Schraube muss sich materialisiert haben!"

Da war er wieder, ihr Hang zur Esoterik!

"Aus dem Nichts?" fragte ich.

"Klar, aus dem Nichts! Es gibt mehr Dinge unter dem Himmel als Dich Deine Schulweisheit träumen lässt!"

Ich hatte das Shakespeare-Zitat etwas anders in Erinnerung, aber jetzt war keine Zeit für eine Diskussion:

"Mach zu! Schraube oder nicht Schraube, das ist hier nicht die Frage – gleich geht es um Sein oder nicht Sein! Möglich dass wir das Motorrad noch brauchen!"

Lucky nickte und machte sich an die Arbeit. So gut wie ich  hatte sie bemerkt dass die seismischen Wellen immer stärker wurden. Das konnte nur bedeuten -

"Achtung - Achtung! Hier ist Operations Control!" knarrte es aus dem Lautsprecher. "Die Anzeichen für einen starken Vulkanausbruch in Quadrat D17 mehren sich. Der Ausbruch scheint kurz bevor zu stehen. Verlassen Sie keinesfalls Ihr Fahrzeug! Haben Sie verstanden?"

"Ja, wir haben verstanden!" brüllten wir in Richtung auf das Mikrophon zurück.

Als Lucky mit der Montage fertig war und die überzählige Schraube kopfschüttelnd in der Hand hielt, trafen bereits die ersten Lapilli wie Maschinengewehrfeuer die Panzerung unseres Fahrzeuges, und dann schlugen auch vulkanische Bomben zu dass uns Hören und Sehen verging. Wir konnten uns nur noch festhalten.

"Nach Plan wären wir jetzt draußen – und tot! Wenn Du den Motor nicht noch einmal aufgemacht hättest......!"

"Eine höhere Macht wollte uns retten! Darum also hat sich die überzählige Schraube materialisiert!"

Es war jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt über die Naturgesetze zu diskutieren. Und eigentlich hatte Lucky ja sogar recht. Wenn die Schraube nicht aufgetaucht wäre hätte uns draußen längst so ein vulkanisches Geschoss erschlagen......

Immer wieder erzitterte unser Kettenfahrzeug unter neuen Schlägen. Der Hagel der vulkanischen Bomben dauerte fast zwei Stunden, ließ dann allmählich nach, und hörte schließlich auf. Wir hielten die ganze Zeit Sprechkontakt mit Operations Control. Die Schraube erwähnten wir nicht.

"Hier ist Operations Control. Der Ausbruch ist beendet, treten Sie die Rückfahrt an. Das Fahrzeug muss baldmöglichst kontrolliert werden! Legen Sie Schutzanzüge an!"

Wir schafften das Motorrad in die Schleuse, quälten uns in die Schutzanzüge. Ich fuhr den Fahrzeugmotor hoch, kuppelte ein – es gab einen schrecklichen Ruck, und das Fahrzeug begann um seine Hochachse zu kreiseln. Ich kuppelte wieder aus. Das Fahrzeug kam knirschend zum Stehen. Lucky und ich schauten uns betroffen an.

Wir verließen das Fahrzeug durch die Personenschleuse und untersuchten es von außen. Wir brauchten nicht lange nach dem Problem zu suchen: eine große vulkanische Bombe hatte das rechte Kettenfahrwerk getroffen, die flüssige Lava hatte das vordere Antriebsrad, zwei Stützräder und zwei Meter Kette umhüllt und war dann zu einem großen Steinklumpen erstarrt. Da gab es nichts mehr zu reparieren. Jetzt konnte nur das Motorrad uns retten.

Wir kehrten in das lahmgelegte Fahrzeug zurück. Die knarrende Stimme des Lautsprechers empfing uns:

"Warum melden Sie sich nicht? Melden Sie sich sofort!"

Wir meldeten uns.

"Hier ist Operations Control. Treten Sie unverzüglich die Rückfahrt an! Es haben sich zwei große Ströme sehr dünnflüssiger Lava gebildet. Wir befürchten dass sie am Rande der Hügelkette aufeinander zufließen und Ihnen den Rückweg abschneiden können. Ich wiederhole: Treten Sie sofort die Rückfahrt an! Dies ist ein Befehl. Haben Sie verstanden?!"

Und ob wir verstanden hatten! So schnell hat noch niemand das Motorrad aus der großen Schleuse gebracht. Selbstverständlich übernahm Lucky das Steuer, ich schwang mich auf den Rücksitz

"Klammer Dich an mich!" schrie Lucky, und dann fegte sie los.
Es war verdammt schwierig zu fahren – das Gelände, ohnehin uneben, war mit losen Lapilli und Lavabomben übersät. Rauchsäulen stiegen hier und da auf.  Die Bomben waren gefährlich: vielleicht waren sie ja noch flüssig, würden uns wie glühender Teer festhalten wenn wir sie trafen. Lucky zeigte ihr ganzes Können. Ohne zu ermüden fuhr sie stundenlang  mit Höchsttempo durch das gefährliche Labyrinth. Mit Hilfe des Satellitennavigationssystems hielt sie die allgemeine Richtung.

So ein Motorrad ist schneller als ein Kettenfahrzeug. Es waren erst drei Stunden vergangen (die mir freilich endlos vorkamen), als die Hügelkette vor uns auftauchte. Unsere Freude wurde schnell gedämpft als wir sahen was sich da von links und rechts in der Ferne heranwälzte: Die beiden Lavaströme hatten in der Tat an der Hügelkette sich seitwärts gewendet und flossen jetzt aufeinander zu. Wabernde Hitze, Rauch- und Schwefedampfwolken ließen ihre Position erkennen .... und sie kamen voran, schneller als uns lieb sein konnte. Die Lücke vor uns wurde kleiner.

Lucky holte alles heraus was das Motorrad hergab. Jetzt fegte sie rücksichtslos über die kleineren Steine und Bomben hinweg. Das Motorrad vollführte lange Sprünge .... sicher manchmal 100m oder  200m weit.

Sie glauben mir nicht? Denken Sie an die geringe Schwerkraft! Denken Sie aber nicht dass die geringe Schwerkraft alles einfacher machte. Ihr entsprechend war ja auch die Bodenhaftung gering im Verhältnis zur Masse des Motorrades – es war unmöglich enge Kurven zu fahren! Haben Sie mal ein Luftkissenfahrzeug gefahren? Das verhält sich so ähnlich!

Zurück zu unserer Höllenfahrt. Als wir uns der Hügelkette näherten, sahen wir die Lavaströme von links und rechts auf einander zufließen. Die Lücke wurde kleiner und kleiner........ drei Minuten später hätten wir es nicht geschafft, hätten umkehren müssen. Das hätte unser Ende bedeutet – der Sauerstoff hätte nur noch ein paar Stunden gereicht.

Aber wir haben es geschafft! Eigentlich: Lucky hat es geschafft! Im letzten Augenblick schossen wir zwischen den Lavafronten durch die sich weinrot glühend auf uns zuwälzten.

Oben auf den Hügeln nahm Lucky das Tempo zurück. Sie fuhr einen Halbkreis. Wir stiegen ab und blickten hinunter. Unten stauten sich die vereinigten Lavaströme zu einer Mauer aus Feuer und giftigem Qualm.

Lucky und ich fielen uns in die Arme. Im Schutzanzug ist eine Umarmung ja nicht sehr sexy, aber es war ein Anfang........ Lucky hatte die ganze Zeit die überzählige Schraube in der Hand gehabt. Jetzt hielt sie das kleine stählerne Ding hoch und sagte: "Sie hat uns gerettet – sie ist jetzt unser Talisman! "  Wohlgemerkt: sie sagte "unser Talisman"!
.........................

Natürlich haben wir später immer wieder über unser Abenteuer gesprochen. Lucky blieb dabei eine höhere Macht habe die Schraube materialisiert um uns zu retten. Ich war nicht bereit mich mit ihr darüber zu streiten .....

Was sagen Sie? Sie können die okkulte Herkunft der Schraube nicht glauben? Sie sagen, das kann es nicht geben dass sich eine Gegenstand aus dem Nichts materialisiert?

Nun gut, die Geschichte ist lange her. Und Lucky lebt jetzt irgendwo in Indien unter Bagwan-Anhängern.......  Seit ich im Aufsichtsrat der Universum Prospecting Corporation sitze, will sie nichts mehr von mir wissen.

Also denn: ich selber hatte die Schraube am Morgen unserer Fahrt aus dem Lager genommen. Als Lucky das neue Heizelement holte, habe ich sie säuberlich zu den anderen Schrauben gelegt. Warum? Ich wollte Lucky eine Lehre erteilen..... na ja, ein bisschen albern war das schon.

Ich habe Lucky  nie erzählt  wo die Schraube wirklich herkam, sondern sie bei ihrem esoterischen Glauben gelassen. Letzten Endes war es ja auch keine gewöhnliche Schraube: Diese Schraube hat uns das Leben gerettet! Und sie hat uns zusammengebracht.
 
 

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