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Gedanken sind frei

Mein Name ist Johannes Angström. Ich bin 52 Jahre alt, unverheiratet, Vater zweier Kinder die sich in der Obhut ihrer Mütter befinden. Ich habe Informatik, Psychologie und Neuromedizin studiert. Seit dem Jahre 2012 bin ich Mitarbeiter des international renommierten IABA² ("Institute of Applied Brain Activity Analysis" d.i. "Institut für Angewandte Hirntätigkeitsanalyse") in B....... Seit 2021 leite ich das Institut.
h im 20. Jahrhundert waren die meisten Naturwissenschaftler und Mediziner der Ansicht, dass die chaotische Grundstruktur des menschlichen Gehirns es auf immer unmöglich machen werde, durch irgendwelche physikalischen Messverfahren die Gedanken oder gar unterbewusste Prozesse im Gehirn erfassen und lesen zu können. Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat es im Wechselspiel von Medizin und Informatik (hier insbesondere dank der Entwicklung neuronaler Netzwerke), außerordentliche Fortschritte gegeben. Die Arbeiten des Nobelpreisträgers Prof. Wu Fang haben solch solide  Grundlagen gelegt, dass schon nach wenigen Jahren die praktische Anwendung des gemeinhin als "Gedankenlesen" bezeichneten Vorganges möglich wurde. Hier für die verschiedensten Anwendungen maßgeschneiderte Lösungen zu finden, ist Zielsetzung des IABA².  Seine außerordentlichen Leistungen auf diesem Gebiete sind bekannt. Bei aller Bescheidenheit darf ich mir den Hinweis erlauben, dass ich einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Erfolg des Instituts geleistet habe, und damit zur Weiterentwicklung und Stabilisierung unseres ökonomischen und politischen Weltsystems.

Am Anfang stand die qualitative Beurteilung der bewussten und unbewussten sprachformatierten Vorgänge im menschlichen Gehirn. Solche Beurteilung hat sich als außerordentlich hilfreich bei  Besetzung anspruchsvoller Positionen in Wirtschaft und Verwaltung erwiesen. Eine Hirnaktivitätsanalyse wurde bei der Besetzung von immer mehr Stellen zur Routine, so dass heute bei nur noch ganz wenigen Berufstätigkeiten darauf verzichtet wird.

Die angewandte Technik konnte immer weiter  verfeinert werden, bis es durch das explizite Auslesen von Gedankengängen zum Beispiel möglich wurde, die innere Überzeugung von Parteimitgliedern festzustellen (und sie ggf. rechtzeitig aus dem Staatsdienst zu entfernen), oder die innere Einstellung und Loyalität  von Führungskräften gegenüber der Geschäftsleitung zu überprüfen (und sie ggf. rechtzeitig kaltzustellen). Unter den Mitarbeitern der Geheimdienste konnte man zum erstenmal mit Sicherheit Doppelagenten und Maulwürfe identifizieren (und sie entsorgen).  Die Erfolge waren so groß, und die Ergebnisse so zuverlässig,  dass  man schließlich das wissenschaftlich fundierte Gedankenlesen auch in der Kriminalistik und Rechtsprechung anwenden konnte. Was einst in einigen wenigen Ländern der "Lügendetektor" nur höchst unvollkommen leistete, das wurde mit den Gedankenanalysegeräten des IABA² zum absolut zuverlässigen Hilfsmittel der Justiz (jedenfalls hat es seit 2029 keinen nachgewiesenen Justizmord mehr gegeben).

Dabei besteht zwischen dem klassischen Lügendetektor  und unseren modernen Gedankenanalysegeräten sogar eine Gemeinsamkeit: in beiden Fällen wird der Untersuchte mit kritischen Fragen und Reizworten konfrontiert. Der Lügendetektor beruhte darauf dass unter dem Stress einer Lüge sich körperliche Zustände, zum Beispiel die Feuchtigkeit der Hautoberfläche und damit ihre – zuverlässig messbare – elektrische Leitfähigkeit sich verändern. Unser Gedankenanalysegerät misst die elektrische Aktivität des Gehirns und analysiert sie, eine höchst anspruchsvolle informationstechnische Aufgabe. Das Verfahren ist heute so weit vervollkommnet, dass wir 90% aller sprachformatierten Gehirnaktivitäten – also dessen was wir gemeinhin Gedanken nennen – explizit lesen können (bei den bewusst werdenden Gedanken ist unsere Erfolgsquote etwas höher, bei unbewussten Gedanken etwas darunter).  Dazu ist es notwendig, relevante Gedanken beim Probanden  zu provozieren, und das geschieht eben mit Hilfe von provozierenden Fragen und Reizworten. Versuchen Sie einmal fünf Minuten lang nicht an einen Elefanten zu denken – das ist im bewussten Bereich fast und im unbewussten gänzlich  unmöglich, wenn man Ihnen die Aufgabe nur eindringlich genug stellt und Sie dann mit  ihren Gedanken allein lässt.

Diese heute schon klassische Methode der Gedankenanalyse hat einen offensichtlichen Nachteil: sie erfordert die Aufnahme der Gehirnströme durch eine große Zahl von Elektroden die in einer Art Helm untergebracht sind welchen sich der Proband aufsetzen muss; außerdem macht die Technik der provozierenden Fragen dem Probanden die Prüfungssituation unmissverständlich bewusst. Das ist in vielen  Fällen lästig: zum Beispiel wenn man gewaltbereite Attentäter unter den Passagieren eines Flugzeuges unauffällig bei der Sicherheitskontrolle identifizieren möchte, krawallbereite Fans am Zugang zum Fußballstadion hindern will, oder seinen Ehemann auf Seitensprungabsichten testen (lassen) will.  In vielen dieser Fälle wäre Anwendung unserer konventionellen Technik völlig unproduktiv.

Um ein drastische Beispiel zu nehmen: Unser humanes Rechtssystem setzt für eine Verurteilung zum Tode wegen versuchten Mordes voraus, dass die Tötungsabsicht vor der Tat unzweifelhaft bestanden hat.  Würde man potentielle Mörder  (wer ist eigentlich kein potentieller Mörder?) vor der Tat mit der konventionellen Gedankelesetechnik prüfen wollen, so würden sie ihre Tötungsabsicht natürlich in dieser Situation aufgeben – und vielleicht später sich wieder anders besinnen und zuschlagen.

Es wird also nicht überraschen, dass das Ministerium für Justiz, Bürgerschutz und Gefahrenabwehr uns im November 2040 den  Auftrag erteilt hat, - gegen harte Konkurrenz eines chinesischen und eines schwedischen Instituts – eine Technik des Gedankenlesens, speziell im Hinblick auf Gewaltbereitschaft und Tötungsabsicht,  zu entwickeln; eine Technik eben,  die sich anwenden lässt ohne dass der Vorgang  dem Probanden zu Bewusstsein kommt.  Dieser Auftrag, innerhalb drei Jahren abzuwickeln, war nicht nur sehr reichlich dotiert, sondern würde im Erfolgsfall  einen außerordentlichen Prestigegewinn bringen und damit das Primat des IABA² über seine Konkurrenten für lange Zeit etablieren. Und der Erfolg würde mir selbst den Nobelpreis für Angewandte Informatik  und damit größtmöglichen Ruhm bringen. Danach würde ich mich zur Ruhe setzen  und nur noch gegen gutes Honorar Vorträge halten.

Schon bald war klar, dass der Auftrag noch schwieriger zu erledigen war als wir gedacht hatten  –als  ich gedacht hatte, denn ich selber und niemand anderes hatte das Angebot koordiniert und unterschrieben.  Man spricht heute kein Geheimnis mehr aus, wenn man die zwei größten Schwierigkeiten nennt.

Zum ersten ist es unglaublich schwierig, durch gerichtete Sensoren aus einer Entfernung von ein paar Metern die Gehirnströme eines Menschen aufzunehmen und den verschiedenen  Gehirnarealen zuzuordnen, wenn dieser Mensch sich dauernd bewegt, zum Beispiel den Kopf hin und her dreht, und wenn um ihn herum sich andere Menschen bewegen.  Man denke vergleichsweise an die Schwierigkeit auf einer lebhaften Party die Worte seines Gegenübers zu verstehen! Aber so wie die regelmäßigen Partygänger unter uns diese Kunst erlernen, so haben wir schließlich auch die Aufnahme und eindeutige Zuordnung der Hirnströme eines Probanden aus einer gewissen Entfernung gelernt. Allerdings: wir konnten den Zeitplan nicht einhalten – statt der im Meilensteinplan vorgesehen 20 Monate haben wir 32 gebraucht, was uns –mir! – sehr unangenehme Gespräche mit dem Projektbegleiter im Ministerium  einbrachte.

Die zweite Schwierigkeit bestand darin, den Probanden dazu zu bringen,    überhaupt an das Thema zu denken, wenn man ihn nicht durch geeignete Fragen und Äußerungen provozieren durfte. In einigen relevanten Fällen konnte man das unauffällig tun: Am Zugang des Fußballstadions ein großes Schild aufzustellen "Gewalt ist hier verboten" würde keinen Verdacht erregen und doch den Hooligan seine Gedanken voller  Vorfreude auf die geplanten Gewalttätigkeiten richten lassen. Und bei einem Flugzeugattentäter konnte man beim Gang zum Gate ohnehin erwarten, dass er an seine geplante Aktion dachte.  Aber wenn eine Frau, die ihren Mann zu vergiften vorhatte, ein Kaufhaus betrat, dann waren ihre Gedanken doch sicher bei dem hübschen Kleid und den neuen Schuhen die sie kaufen wollte .... Man konnte ja am Eingang kein Schild aufstellen "Gattenmörder haben keinen Zutritt"!  Wir mussten schließlich einsehen, dass ein vollständiges und unbemerktes Screening der Bevölkerung auf gewaltkriminelle Absichten unmöglich war. Das machte eine Vertragsänderung nötig, die mir eine außerordentlich peinliche Unterhaltung mit dem  Minister selber einbrachte.

Die Erarbeitung der benötigten Software dauerte auch länger als erwartet (und dass diese Fehleinschätzung auf mein persönliches Konto ging, ließ sich nicht verbergen). Wie man bei den oben geschilderten Schwierigkeiten in der Signalgewinnung nicht anders erwarten konnte, waren die Sensorsignale außerordentlich verrauscht. Das war umso schlimmer, als die zu lesenden Gedanken ja nicht durch provozierende Fragen emotional aufgeladen werden konnten, die Gehirnströme also schwach und vornehmlich im ohnehin schwieriger zu erfassenden unterbewussten Bereich zuhause waren.

Alles in allem waren 38 Monate vergangen, als wir mit den ersten ernsthaften Praxistests beginnen konnten. Wo würden wir gewaltbereite – besser: zur Gewalt entschlossene! Personen finden? Wo konnten wir gar jemanden finden der entschlossen war einen oder gar mehrere andere Menschen zu töten?

Wir machten versteckte Messungen an Boxern und Catchern vor dem Kampf und konnten eine statistische Zuordnung zwischen dem Grad an Brutalität im Ring und unseren Prognosen finden.  Wir machten Messungen an Fußballspielern vor dem Spiel und konnten nach einiger Zeit vorhersagen, wer im Spiel die schlimmsten  Fouls begehen würde. Wir machten Messungen an chinesischen Erschießungskommandos (dort werden ja jedes Jahr ein paar tausend Menschen hingerichtet, gewöhnlich im Vorprogramm zu einem größeren Fußballspiel). Dank großzügiger Unterstützung  des UNO-Amtes für Menschenrechte konnten wir Messungen an einigen der wenigen noch aktiven Henker in afrikanischen Ländern machen.

Wir lernten die Signale "Ich werde verletzen .... Ich werde töten....." zu lesen.  Aber irgendwo war das unbefriedigend:  alle vermessenen Personen übten Gewalt offiziell und professionell, und das heißt: mit gutem Gewissen aus.  Würden wir auch die Gedanken eines gewöhnlichen Mörders lesen können? Durften wir extrapolieren? Wie konnten wir  die Qualität unseres Verfahrens beweisen?

Inzwischen waren 45 Monate vergangen, der Zeitplan heillos überzogen. Das Ministerium drohte uns mit Einbehalt vom Auftragshonorar, das Institut stand vor einer schweren Krise. Man trug mir hämische Äußerungen von Konkurrenten zu und von Hochschulprofessoren (oh jene ewigen Besserwisser!). Mein Nobelpreis rückte in weite Ferne.

Es war klar: hier konnte nur noch eine spektakuläre, eine medienwirksame Aktion helfen.  Ich brauchte einen echten Mörder, ich musste ihn zum Mord (vielmehr: zum Mordversuch) provozieren, das (beinahe-) Opfer musste ich selbst sein. "Johannes Angström beinahe ein Opfer seiner unermüdlichen Arbeit für den Fortschritt"..... ja, das war es! Wenn ich die Auswahl richtig traf, konnte ich mir einen ohnehin lästigen Mitarbeiter vom Halse schaffen, denn der Mann würde ja am Strang oder auf dem elektrischen Stuhl  enden..... Ein gewisses Risiko war natürlich dabei, aber es musste sein!

Ich machte einen Rundgang durch unser Institut um eine geeignete Person zu finden, die ich zu einem Mordversuch an mir provozieren konnte. Die Intelligenzbestien in unseren theoretischen Abteilungen schienen mir wenig geeignet. Da gab es im Labor schon andere Typen.  Da war der lange Mark Simpson, der Laborchef, ein guter Organisator und dabei  brillanter Wissenschaftler, ein Mensch voll brennendem Ehrgeiz, der mich gerne abgelöst hätte. Da war Bobby McDonald der Witzbold und Unruhestifter. Da war Giovanni Aristides, jähzornig, bei den Kollegen unbeliebt weil er immer wieder einen anderen mit seiner Eifersucht verfolgte (seine Frau arbeitete in unserem Öffentlichkeitsreferat).  Wie oft hatte ich zwischen ihm und seinen Kollegen vermitteln müssen!  Ich entschied mich für Aristides. "Du bist es, Dich werde ich zu einem Mordversuch an mir provozieren, und Du wirst dafür hängen, so schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe!" dachte ich, als ich ihm gegenüberstand.

In den nächsten Wochen reizte ich die Eifersucht des Giovanni Aristides mit allen Mitteln und Tricks, die mir das Studium der Psychologie und meine Lebenserfahrung zur Verfügung stellten, ohne mich aber ernsthaft seiner Frau zu nähern. Der Mann kochte bald vor Eifersucht. Er machte mir ein paar unschöne Szenen. Ich offenbarte dem Laborchef Mark Simpson dass ich Gewalttätigkeiten des Giovanni Aristides mir gegenüber fürchtete, und bat um unauffällige Gedankenanalyse des Mannes mit unserem neuen System, wenn ich das Labor besuchte und mich mit ihm unterhielt.. Und richtig: das Signal "Ich hasse diesen Menschen! Ich könnte diesen Menschen töten! " kam ganz deutlich über; Simpson übergab mir das Messprotokoll.  Damit ging ich  zur Kriminalpolizei. Ein Kriminalinspektor namens Karras übernahm den Fall. Wir vereinbarten,  dass regelmäßig Gedankenanalysen bei Giovanni Aristides durchgeführt werden sollten. Sobald sich unmittelbare Gewaltbereitschaft zeige, würde man mir unauffällig Personenschutz gewähren.

Am 17. August des letzten Jahres war es so weit. "Heute werde ich ihn töten!" hatte Aristides gedacht. Ich ließ ihn zu einem Gespräch unter vier Augen am späten Nachmittag bitten. Im kleinen Ruheraum hinter meinem Amtszimmer postierte ich die beiden Personenschützer.

Aristides befand sich in sichtbarer Erregung als er mein Zimmer betrat. Kaum dass ich ihn zum Platznehmen bringen konnte. Er machte mir die schwersten Vorwürfe; mit subtilem Hohn reizte ich ihn aufs äußerste. "Ich habe nichts mit Deiner Frau zu schaffen, aber wenn Du Dir einbildest dass sie andere Männer außer Dir braucht, dann liegt der Grund ja vielleicht bei Dir?!"

Das war zu viel.  Mit einem unartikulierten Schrei sprang Aristides auf, war mit zwei Sätzen um den Tisch herum. Seine Hände schlossen sich um meinen Hals. Verzweifelt versuchte ich mich zu wehren, aber dann kamen auch schon die beiden Personenschützer hervorgestürzt, befreiten mich und hielten Aristides, der sich wie ein wildes Tier wehrte.  Wenige Minuten später kam Kommissar Karras und nahm Aristides formal fest.

Der Fall erregte riesiges Aufsehen in der Presse, so wie ich es vorhergesehen hatte. Unser Institut hatte ein wunderbares neues System zum Schutze der Sicherheit des anständigen Bürgers entwickelt; auf die dramatischste Weise hatte es sich in der Praxis bereits bewährt!  Das Ministerium zahlte die nächste Rate.

Giovanni Aristides wurde wegen Mordversuches mit zweifelsfrei  bestehender Tötungsabsicht zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Die Revision wurde abgewiesen. Dank unseres neuen Gedankenlesesystems war die Beweislage so klar, dass der ganze Vorgang in erstaunlich kurzer Zeit abgewickelt werden konnte.  Die Hinrichtung wurde auf den 18.März dieses Jahres angesetzt.

Am Vortag der Hinrichtung besuchte mich Kommissar Karras in Begleitung eines Priesters.  Die beiden stellten mir eindringlich vor Augen, dass Aristides, den nur seine gewiss bedauerliche aber doch auch verständliche Eifersucht mehr oder minder unzurechenbar gemacht und zum Mordversuch getrieben hatte, morgen sterben werde, wenn nicht ich selber, als der Geschädigte, ein Gnadengesuch unterschreiben würde. Ich lehnte ab, ich wollte die Geschichte ein für alle male erledigt haben.

"Ist das ihr letztes Wort? Soll Aristides morgen sterben?" fragte der Priester noch einmal eindringlich, in größtem Ernst.

"Ja!" war meine klare Antwort.

Kommissar Karras erhob sich:

"In diesem Falle verhafte ich Sie wegen nachgewiesenen Mordversuches!"

Die Handschellen klickten um meine Hände.
 

Am nächsten Tag berichteten die Medien ausführlich über die neue Entwicklung. Ich durfte im Untersuchungsgefängnis die Sondersendungen im Radio hören.

Was war schief gegangen?

Damals als ich das Labor aufsuchte und Aristides als Opfer auswählte, hatte der aufmüpfige Bobby McDonald heimlich die neuste Version des Gedankenanalysegerätes auf mich gerichtet. Er wollte nur wissen, was ihr aller Chef wirklich von ihnen dachte. Zu seiner Verblüffung fand er im Ausschrieb meiner Gedanken mehrfach meine Frage "Na, wen nehme ich? Auf wen kann das Institut am ehesten verzichten? Wen kann ich zum Mordversuch bringen?" und dann, als ich Aristides gegenüberstand:  "Du bist es, Dich werde ich zu einem Mordversuch an mir provozieren, und Du wirst dafür hängen, so schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe!"

Er nahm Rücksprache mit Mark Simson, meinem ehrgeizigen Möchtegernnachfolger. Die beiden gingen zur Kriminalpolizei. Ein gewisser Kommissar Karras übernahm den Fall.....

Von diesem Augenblick an hatten sich die Rollen umgedreht  - ohne dass ich es ahnte. Ich war nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. Die belastenden Ausschriebe mit den Mordgedanken des Aristides waren getürkt – ich aber wurde heimlich überwacht. Die Eifersuchtsszenen und Wutausbrüche des Aristides waren gespielt, ebenso sein Mordversuch.

Aber konnte man mich wegen Mordversuchs verurteilen? Die Tötungsabsicht alleine genügte ja nicht, es gehörte die konkrete Aktion dazu. Andererseits ... war mein Verhalten nicht schon eine solche konkrete Aktion?  Auf Anordnung des Ministerium für Justiz, Bürgerschutz und Gefahrenabwehr , das meine Arbeit mit dem Institut schätzte und mich nicht gerne verlieren wollte, wurde gegen Aristides ein Scheinprozess geführt, um mir die Chance zu geben meine Haltung zu revidieren. Der Besuch von Kommissar Karras zusammen mit dem Priester war meine letzte Chance. Ich habe sie nicht erkannt.

Im IABA² hat Simpson die Leitung kommissarisch übernommen, ohne Zweifel wird er mein Nachfolger werden. Aristides ist wieder an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt.  Der Bericht über die Entwicklung des neuen Systems wurde vor wenigen Tagen dem Auftraggeber übergeben. Der Minister lobte die Arbeit und kündigte die rasche und allgemeine Einführung des Systems an – schließlich habe es seine Praxistauglichkeit ja schon auf das Vortrefflichste bewiesen.

Und das ist zweifellos richtig: Das unter meiner Leitung entwickelte neue System hatte die Beweislage so klar und unwiderlegbar gemacht, dass das Gericht kein Problem hatte zu einem Urteil zu kommen. Ich hatte den Tod eines Menschen heimtückisch und zu meinem Vorteil geplant und alle dafür meinerseits notwendigen Maßnahmen ergriffen.

Ich wurde zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt und warte jetzt auf den Tag meiner Hinrichtung.

Ob der Nobelpreis mir wohl posthum verliehen wird?
 
 

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