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Feldforschung


Cyborg

 Ein "Cyborg" ist ein Hybrid aus Lebewesen und kybernetischer Maschine, in ihm sind technische und biologische Komponenten zu einer Funktionseinheit verschmolzen. Das hat große Vorteile gegenüber einer rein technischen oder einer biologischen Daseinsform (z.B. Roboter bzw. homo sapiens).  Viele intelligente Lebewesen des Universums wechseln daher in diesen Zustand über, sobald sie die nicht ganz einfache Technologie sicher beherrschen. Auch die Menschen werden wohl eines Tages diesen Weg einschlagen.

Expedition

Ein Forschungsraumschiff näherte einem der kleinen Planeten eines ziemlich gewöhnlichen Sternes. Die Aufgabe der Expedition war es, ein Kataster der derzeit existierenden intelligenten Lebewesen aufzubauen, einschließlich ihrer biologischen Merkmale, ihres Charakterprofils, und ihres vermuteten zukünftigen Entwicklungspotentials. Solche Informationen erhält man nicht durch Fernerkundung allein, sondern dazu bedarf es der Feldforschung.

 Würde nun ein Forscher sich seinem Forschungsobjekt in fremdartiger Form nähern, so würde er eher Angst und Abscheu erwecken als jenes Vertrauen zu gewinnen, welches allein das Forschungsobjekt dazu bringt seine intimsten Gedanken und Regungen zu offenbaren.

 Hier sind Cyborgs im Vorteil: ihre äußere Hülle kann so gewählt werden, dass kein Unterschied zu Erscheinung und Verhalten der Forschungsobjekte zu erkennen ist. Die Besatzung des Raumschiffes, von dem hier berichtet wird, waren Cyborgs. Das Raumschiff umkreiste ein paar Tage den Planeten, man beobachtete die Lebensformen auf der Oberfläche des Planeten. Man belauschte ihre Kommunikation und lernte ihre Sprache. Dann holte man ausgewählte typische Exemplare der höchstentwickelten Art an Bord, und der Biotechniker stellte nach ihrem Muster Körper für die zur Feldforschung eingeteilten Besatzungsmitglieder her. Er leistete gute Arbeit: die Körper erwiesen sich später als in jeder Beziehung funktionsfähig. Die Vorbilder wurden wieder auf der Planetenoberfläche abgesetzt.

Beim Briefing erklärte der Expeditionsleiter dem Landeteam noch einmal seine Aufgaben und ermahnte sie,  den intimst möglichen Kontakt mit den zu erforschenden Objekten einzugehen: "Das Land zwischen den beiden großen Strömen und darum herum wird von der offenbar am weitesten entwickelten Lebensform bewohnt; diese Wesen zeigen einen klaren Entwicklungsvorsprung vor sehr ähnlichen Lebensformen in anderen Teilen des Planeten. Das gilt ebenso für die Bewohner der großen Städte wie auch für jene die Landwirtschaft betreiben oder am Rande der Wüste genügsames Vieh weiden; die letzten scheinen sogar besondere Visionskraft zu besitzen. Ihr habt zwei Umlaufjahre des Planeten Zeit bis wir Euch wieder einsammeln. Bis dahin müsst Ihr das Denken und Fühlen dieser Wesen vollständig verstehen lernen. Und jetzt: viel Erfolg!"

Der Fremde

Die junge Frau an der Wasserstelle stellte den Krug ab und beschattete ihre Augen mit der flachen Hand. Angestrengt starrte sie zum Rand der Wüste hinüber. In ihrem Stamm galt sie als schön. Sie hatte eine wohlgerundete Figur;  schwarze Locken umrahmten ihr ebenmäßiges Gesicht mit der geraden Nase; die leicht vorgeschobene Unterlippe sprach für Sinnlichkeit. Man nannte sie Judith.

"Da kommt jemand aus der Wüste!" sagte Judith zu ihren beiden Gefährtinnen. Die unterbrachen das Wasserschöpfen und sahen neugierig der sich rasch nähernden Gestalt entgegen. Mit großen Schritten sprang sie fast den steilen Hang vom Rande der Wüste zu der kleinen Oase hinunter, der weiße Mantel schlug bei jedem Sprung hoch wie die Flügel eines riesigen Vogels.

"Ein Engel!" flüsterte eine der jungen Frauen. "Ein Sohn Gottes!" erwiderte die andere. "Nein! Ein Mann!" stellte Judith entschieden fest. Neugierig sahen die Drei ihm entgegen. Es war nicht eben alltäglich dass en Mann zu Fuß aus der lebensfeindlichen Wüste kam. Und was für ein Mann war das!

Hochgewachsen und kräftig war er. Bronzefarben war sein Gesicht, kühn gebogen seine Nase. Unergründlich dunkel blau waren die Augen wie wenn sich der Himmel in einem tiefen Brunnen spiegelt. Langes blondes Haar floss wie Sonnenstrahlen auf seine Schultern.

 "Willkommen Fremdling!" grüßten die drei Frauen wie im Chor. "Wer seid Ihr, woher kommt Ihr?"

"Ich heiße Gabriel!" antwortete der Mann mit wohltönender Stimme. "Ich komme aus einem Land weit jenseits der Wüste.. Ich bin lange gelaufen. Wo bin ich jetzt? Wem gehört das Land hier?" Er beschrieb mit dem rechten Arm einen weiten Kreis.

"Die Oase und das Weideland in der Nähe gehören dem Stamme des weisen alten Moshe Abraham. Die Wüste aber gehört dem Teufel. Danket Gott dass er Euch vor dem Teufel beschützt hat!"

"Was ist denn ein Gott? Was ist ein Teufel?" fragte der Mann.

"Wie – habt Ihr keinen Gott?!" fragte Judith erstaunt.

"Nein –ich habe nie einen gesehen, auch keinen Teufel."

"Man kann Gott nicht mit den Augen sehen, aber man kann ihn mit der Seele schauen, man kann .... ach, was schwatze ich nach Weiberart! Seid unser Gast! Wir bringen Euch in das Zelt des verehrten Moshe Abraham. Er wird Euch gut aufnehmen. Ihr müsst doch fast verdurstet sein. Habt Ihr gar kein Wasser mehr ... ich sehe kein Gefäß?!  Ja, und Abraham wird Euch von Gott und von dem Teufel berichten ... das ist nicht Sache junger Frauen."
Moshe Abraham, der Älteste des Stammes, nahm den Fremden freundlich auf. Er ließ ein großes Gastmahl anrichten. Gabriel, der Fremde, erzählte sein Stamm lebte jenseits der Wüste, und er habe fliehen müssen weil ein böser Verwandter ihm nach dem Leben trachte. Dass er die Wüste zu Fuß durchquert hatte mochte Moshe Abraham kaum glauben, doch bezeugten die drei jungen Frauen, dass der Fremde aus der Wüste gekommen sei.  Gabriel ließ seine Augen immer wieder zu Judith schweifen, und Judith fing seinen Blick auf und erwiderte ihn.

Moshe Abraham lud den Fremden ein bei dem Stamme zu bleiben, und Gabriel blieb. Er half beim Hüten der Schafe, und als einmal ein Löwe in den Pferch einbrach, erwürgte er ihn mit den bloßen Händen. Moshe Abraham erzählte dem Fremden von seinem Gott, und Gabriel opferte dem Gott,  da nahm Moshe Abraham ihn in den Stamm auf.

Als aber ein Jahr vergangen war, hielt Gabriel um Judiths Hand an. Moshe Abraham  stimmte freudig zu. Die Hochzeit wurde mit großem Gepränge gefeiert. Gabriel und Judith waren sehr glücklich.

Eines Nachts lagen Gabriel und Judith zusammen. Da fragte Judith: "Sage mir, Gabriel, wo Du herkommst. Durch die Wüste kann kein Mensch zu Fuß kommen. Die Geschichte die Du  erzählt hast kann nicht wahr sein.  Ich liebe Dich, einerlei wer Du bist und wo Du herkommst. Sag mir ruhig die Wahrheit!"

Gabriel zögerte, doch dann erwiderte er: "Es stimmt was Du sagst: Kein Mensch kann durch die Wüste kommen. Ich bin kein Mensch. Ich bin von einem fernen Stern gekommen."

"Aus dem Himmel?"

"Ja!"

"So bist Du ein Engel?"

"So etwas Ähnliches."

"Bist Du ein  Sohn Gottes?"

"Ja – so kannst Du es auch sehen."

"Ich liebe Dich, auch wenn Du ein Engel bist, oder ein Sohn Gottes! Liebst Du mich auch?"

"Ich liebe Dich, auch wenn Du ein Mensch bist."

"Wirst Du immer bei mir bleiben?"

"Ich werde in den Himmel zurückkehren müssen."

"Wann?"

"Ich habe zwei Jahre hier auf der Erde. In drei Monaten werde ich gehen."

"So wirst Du dein Kind nicht sehen."

Legende

Als aber drei Monate vergangen waren, verabschiedete sich der Fremde und ging zurück in die Wüste. Und ein gewaltiger Staubwirbel erhob sich dort wo er hingegangen war.

Vier Monate später wurde des Fremden  Sohn geboren. Er war gewaltig an Gestalt und wurde ein berühmter Held. In seinem Stamm aber erzählte man von Generation zu Generation von dem Manne der aus dem Himmel kam und die schönste Jungfrau des Stammes geheiratet hatte. Und schließlich fand das Ereignis seinen Weg in die hebräische Bibel. Im Alten Testament heißt es:
 

1Mo 6,1 Als sich aber die Menschen zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden,
1Mo 6,2 sahen die Söhne Gottes, dass die Töchter der Menschen schön waren und nahmen sich von allen diejenigen zu Weibern, welche ihnen gefielen.
1Mo 6,4 Die Riesen waren auf Erden in jenen Tagen, und zwar daraufhin, dass die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen kamen und diese ihnen gebaren. Das sind die Helden, die von alters her berühmt gewesen sind.
 

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