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Traumschiff
Auf dem Traumschiff - 1
Die Frau zeigte stolz den Freundinnen ihre neuste Erwerbung. Alle vier Wände des Raumes waren mit großen 3D-Bildschirmen ausgerüstet. Sogar die Tür fügte sich fast nahtlos in den Schirm ein.
"Meine neue Bildwand! Welches Programm wollt Ihr sehen? Etwas zum Heulen - "Lindenstraße" vielleicht? Oder lieber etwa Lustiges - "Ein Ehemann zum Knutschen"? Etwas Aufregendes?"
Man einigte sich auf "Traumschiff". Ein kurzer Zuruf der Frau – der Bildschirm leuchtete auf.
Das Traumschiff schwebte über tiefblaues Wasser.
"Wollen wir nur zuschauen oder wollt Ihr sehen wie ich in die Handlung einsteige?""Wenn schon denn schon! Interaktiv! Auf Lucie, zeig uns ein Liebesabenteuer!"
Wieder ein kurzes Kommando. Das Bild veränderte sich.
Die große Lobby des Schiffes öffnete sich. In den tiefen Sesseln räkelten sich Passagiere. Bordpersonal glitt umher. Der Obersteward kam in den Vordergrund."Gnädige Frau! Wen darf ich an Bord unseres Schiffes empfangen?"
"Lucie Steinweger!" antwortete die Frau.
"Herzlich willkommen an Bord, Frau Steinweger!"
"He, es funktioniert!" freuten sich Lucie's Freundinnen.
"Ihr Gepäck wird in Ihre Suite gebracht" fuhr der Obersteward fort. "Sie brauchen sich um nichts zu kümmern. ...... Verehrte Frau Steinweger - wollen Sie mir sagen, was Sie von Ihrem Aufenthalt an Bord erwarten? Wenn ich es weiß, kann ich mich mit meinen Leuten optimal um Ihr Wohlergehen kümmern."
"Sag ihm Du suchst 'nen netten Kerl" flüsterte eine der Freundinnen. Lucie nahm den Ball auf:"Ich bin an Bord um Ihre berühmte Küche zu genießen. Ich möchte die Trauminseln der Südsee sehen. Und .... ich hoffe einen netten Mann kennen zu lernen .... ich fühle mich etwas einsam......"
"Sie werden mit Ihrem Aufenthalt an Bord zufrieden sein! Bitte, treten zu mir auf den Schwebeteller! Ich begleite Sie zum Panorama-Speisesaal."Der Obersteward trat einen Schritt zurück.
Lucie deutete einen Schritt nach vorne an, als wolle sie sich neben dem Mann auf dem Bildschirm auf den kreisrunden Schwebeteller stellen.
Sie glitten auf einen der gläsernen Aufzüge zu, die Tür öffnete sich, sie schwebten hinein. Augenblicks schien die Lobby vor Ihren Augen zu versinken. Sie schossen in die Höhe, zehn – zwanzig – dreißig Stockwerke an der Wand der Lobby hinauf.Der Obersteward drehte sich um: "Treten Sie ein!"
Vor ihnen tat sich der weite Speisesaal auf. Rundum viele Meter hoch verglast, bot er einen phantastischen Ausblick auf das schönste Panorama, das die Südsee zu bieten hat. Der Speisesaal des Traumschiffes liegt ja schon hoch, aber noch höher ragten die Felsen von Bora-Bora aus Meer und Urwald empor. Feine Nebelfetzen zogen an den Hängen hoch.
Der Obersteward glitt durch die speisende und fröhlich plaudernde Menge zu einem Tisch direkt am Fenster. Ein Mann saß schon dort.
"Darf ich vorstellen: Senor Adolfo di Mendez-Travolta - Lucie Steinweger. Wir haben keine Einzeltische ..... Geselligkeit und zwischenmenschliche Kontakte sind eine Maxime des Traumschiffes ..... und unser Schiff ist voll ausgebucht. Ich bin sicher, Sie werden sich freuen zusammen speisen zu dürfen!"
Senor di Mendes-Travolta hatte sich geschmeidig erhoben. Er war von großer Gestalt, mit ebenmäßig-markantem, tief gebräunten Gesicht, makellos in Weiß gekleidet. Er strahlte Lucie an........
Eine Gruppe von Damen am Nebentisch drehte sich dezent nach den beiden um.
"Huch, das sind ja wir!" riefen die Freundinnen.Lucie ließ den Bildschirm erstarren. Langsam verschwand das Bild.
"Ja, das seid Ihr!" bestätigte sie dann. "Die Bildwand kann nur die Wünsche einer Person erfüllen, sie kommuniziert nur mit mir, so hat es der Monteur eingestellt. Ich will nicht dass womöglich mein Mann mit der Bildwand spielt, er macht sich doch nur lustig über mich. Aber wenn andere Personen außer mir hier im Raum sind, dann baut die Bildwand sie in beobachtender Rolle ein. Natürlich nur wo es schicklich ist!"
Die Freundinnen kicherten: "Nimmst Du uns nachher mit in Deine Kabine?"
Die Bildwand
Die interaktive Bildwand wurde erst im 22. Jahrhundert zu ihrer Vollkommenheit gebracht, doch lassen sich gewisse Ansätze, die ersten noch recht plumpen Komponenten, schon am Ende des 20./Anfang des 21.Jahrhunderts finden:
· Fernsehzuschauer konnten über alternative Fortsetzungen eines Fernsehspiels abstimmen; die Fortsetzung wurde dann mit menschlichen Darstellern aufgenommen und am nächsten Abend gezeigt;
· interaktive Computerspiele - gewöhnlich Abenteuer, Kämpfe oder Rennen – wurden auf winzig kleinen Bildschirmen gespielt; der Spieler beeinflusste innerhalb der einprogrammierten Variationsmöglichkeiten den Fortgang der Ereignisse;
· 3D-Modelle von Personen wurden von Rechnern animiert, wobei lebende Personen als Führungsmodell fungierten; sie wurden in den Spielfilmen der damals noch weit verbreiteten "Kinos" (oder "Cinemas") oder im sogenannten "Fernsehen" eingesetzt.
· die Biometrie der menschlichen Person wurde als ein Element der Sicherheits- und Überwachungstechnik vorangetrieben;
· die ersten großen Flachbildschirme wurden für den häuslichen Gebrauch verfügbar;
· Speichervolumen und Rechengeschwindigkeit der Computer wuchsen jedes Jahrzehnt um eine Größenordnung.
Die Entwicklung der interaktiven Bildwand bis zur heutigen Perfektion beruht auf 3 wesentlichen Fortschritten:
· Der Flachschirm wurde in praktisch beliebiger Größe und im (Pseudo-) 3D- Modus verfügbar, die Rechenleistung der bionischen Computer ist praktisch unbegrenzt, durch die weltweite Vernetzung steht dem Handlungssrechner praktisch das gesamte Wissen und Gedächtnis der Menschheit zur Verfügung;
· Die Biometrie des Menschen und damit die Darstellung des menschlichen Körpers und seiner Bewegungen wurde vervollkommnet;
· Das Modell der menschlichen Psyche nach Vittorio Amigo erlaubte eine perfekte Emulation menschlichen Fühlens und Handelns.
Kleidet man einen Raum – inklusive der Zugangstür – mit interaktiven Bildschirmen aus, so kann man die vollkommene Illusion einer beliebigen Umgebung schaffen. Die handelnden Personen auf der Bildwand wirken nicht nur für Auge und Ohr wie reale Menschen, sie agieren auch wie solche insofern als der Handlungsrechner für jede handelnde Person (nicht die Statisten) ein komplettes Amigo-Modell der Psyche aufbaut. Diese Personen können also auch ganz überraschend handeln – sie besitzen so etwas wie eine eigene Willensfreiheit. Tatsächlich dauert die Diskussion unserer Psychologen darüber noch an, ob diese "Personen" auch so etwas wie unser menschliches Existenzbewusstsein besitzen. Befragt man die "Personen" selber, bestätigen sie es, aber was besagt das? Einen Turing-Test bestehen sie jedenfalls fast immer.
Der interaktive Benutzer der Bildwand kann per Zuruf seine Wünsche kundtun, sowohl was die Szenerie als auch die "Personen" angeht- er (oder sie) kann ganz nach Belieben ein Liebesabenteuer auf einem Traumschiff erleben, die griechische Flotte in die Seeschlacht von Salamis führen, oder in einer Tragödie von Shakespeare'schen Dimensionen ein Blutbad anrichten. Seine eigenen Aktionen muss der Benutzer nur andeuten; die Bildwand reagiert auf intendierte Bewegungen ebenso wie auf verbale oder nicht verbale akustische "Signale".
Dass die interaktive Bildwand sich so großer Beliebtheit erfreut, ist leicht zu verstehen:
· Unsere Welt ist so wohlgeordnet, dass es Abenteuer oder Verbrechen praktisch nicht mehr gibt;
· die Umstellung auf nachhaltige Roboterwirtschaft gibt allen Menschen unbeschränkt Freizeit;
· die neuen Genussmittel wie die mit Anadamid und Phenylethylamin angereicherte Schokolade erlauben die gezielte Ausschüttung von Endorphinen zu jeder beliebigen Zeit und sorgen somit – zumindest potentiell – für ein nie endendes Glücksgefühl; in Kombination mit anderen Rauschmitteln wie Hasch oder Alkohol steigert gerade die angereicherte Schokolade die Bereitschaft, die Vorgänge auf der Bildwand als real zu empfinden ;
· zum Schutz der natürlichen Ressourcen, insbesondere der Atmosphäre, sind körperliche Ortsveränderungen ohne einen zwingenden Grund verpönt;
· Reisen wären aber auch insofern sinnlos weil sowieso alle Hotels, alle Restaurants, alle Städte auf der Welt praktisch gleich aussehen. Will andererseits jemand unbedingt durch den Kölner Dom laufen oder auf dem Li-Fluss fahren, so braucht er diese Wünsche nur seiner Bildwand kundtun.
· Kurz: Im interaktiven Spiel mit der Bildwand kann jeder Mensch all das tun und erleben, was bei 20 Milliarden Erdbewohnern realiter nicht mehr möglich ist.Natürlich ist die interaktive Bildwand unter Psychologen und Evolutionstheoretikern umstritten:
Einerseits macht sie die erzwungene Untätigkeit dem Menschen erst erträglich: sie erlaubt ihm subjektiv ein reiches Leben zu führen. Auch erlaubt sie, unterdrückte Affekte sozialverträglich auszuleben. Wer hat noch nicht daran gedacht seinen Ehepartner umzubringen? Dank der Bildwand kann man es schadlos tun – eine Katharsis besser als ein altgriechisches Drama.
Andererseits kann der übermäßige Gebrauch der Bildwand zu einem Realitätsverlust führen, der von unseren notorischen Kulturpessimisten und Evolutions-Kassandren beklagt wird.
Lucie und Walt
Für Lucie Steinweger erlaubte die Bildwand die Flucht aus der Öde ihrer Ehe. Wie es das UN-Gesetze zur Stabilisierung der zwischenmenschlichen Beziehungen vorsah, hatte Lucie als zwanzigjährige geheiratet. Der Mann, mit dem sie nun schon bald ein Vierteljahrhundert "Seite an Seite" lebte, dieser einst gutaussehende, sportliche, witzige Mann namens Walt, war ihr nach den ersten Ehejahren eher fremder geworden als vertrauter. Walt wog jetzt an die 110 kg. Statt in den Brandungswellen zu surfen, hockte er tagelang über seinen Briefmarken. Sein Charme war vertrocknet, sein Witz war sauer geworden. Kinder hatten Lucie und Walt keine, sie machten sich gegenseitig durch nichts sachlich zu belegende Vorwürfe. Künstliche Befruchtung war durch das UN-Gesetz zur ökonomischen Stabilisierung der Weltbevölkerung verboten. Lucie selber hatte sich auch verändert – nicht zu ihrem Vorteil, das konnte man nicht leugnen. Der seidige Schimmer der jugendlichen Haut war dahin, das Haar hatte seine lockige Fülle verloren, um den Mund spielte ein verächtliches Lächeln. Der übermäßige Genuss von angereicherter Schokolade und Haschwhisky waren ihrer Figur nicht bekommen, ihr Gewicht konnte sich mit dem von Walt messen. Arbeiten? Ja, wenn es noch einen Zwang zu einer regelmäßigen Arbeit gegeben hätte, dann hätte sie gearbeitet, und es hätte ihr sicher gut getan. Aber mit den Robotern um eine Arbeit kämpfen und dann doch einsehen müssen dass die es besser konnten? Oder eine künstlerische Tätigkeit? Eine seelsorgerische Aufgabe? Sport? Sie hatte einiges versucht, aber hatte nach kurzer Zeit aufgegeben – das war alles nichts für sie.
Unter diesen Vorzeichen ist es nicht verwunderlich, dass Lucie die interaktive Bildwand als eine Befreiung aus der Monotonie ihrer Existenz empfand, und immer auf der Anschaffung der neusten Modelle bestand. Seit sie das neue Rundum - Modell besaß, konnte sie nicht genug bekommen von all den bunten und aufregenden Abenteuern. Walt kritisierte sie deswegen, er machte sich regelmäßig lustig darüber dass sie jeden Tag viele Stunden im Spiel mit der Bildwand verbrachte; Lucie keilte zurück und mokierte sich über das Sammeln und immer neue Einordnen kleiner bunter Papierfetzchen, genannt Briefmarken, die doch durch die elektronische Kommunikation schon lange jeden praktischen Zweck verloren hatten. Nach solch unfruchtbarem Gezänk begab sie sich gewöhnlich mit reichlichem Vorrat an angereicherter Schokolade und Haschwhisky in ihr "Erlebniszimmer" zurück und startete in ein aufregendes Abenteuer.
Auf dem Traumschiff - 2
"Idiot! Verdammter impotenter Idiot! Lass mich in Ruhe, mach ne Fliege! Du hast es gerade notwendig mich zu belehren! Raus!!!"
Lucie knallte die Tür hinter Walt zu, der zog sich zu seinen Briefmarken zurück. "Fette Schlampe!" murmelte er zwischen den Zähnen.
Lucie ließ sich in den Sessel fallen. Sie schob ein großes Stück angereicherte Schokolade in den Mund, nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche mit dem Haschwhisky.
"Aaaah!" stöhnte sie und legte sich zurück. Aber das rechte Glücksgefühl wollte sich nicht einstellen. Wut und Erregung in ihr kämpften mit der Lust aus den Drogen. Sie weckte die Bildwand aus dem Standby-Status, fand sich an der Bar im dritten Oberdeck des Traumschiffes wieder, die sie vor einer Stunde erst verlassen hatte.
"Einen doppelten Haschwhisky!" orderte sie.
Der smarte Barkeeper lächelte sie an. "Haben Sie Probleme? Sie sehen etwas besorgt aus!"
"Mein Mann – ich habe Streit mit meinem Mann!"
"Ihr Mann? Ich wusste gar nicht dass er an Bord ist?!" wunderte sich der verständnisvolle Barkeeper.
"Doch, doch, gerade war der Idiot hier – haben Sie nicht gehört wie er mich beschimpft hat?"
"Ja doch ..... dieser Grobian war Ihr Mann?"
Der Barkeeper brauchte offenbar einen Moment sich auf die neue Situation einzustellen – genauer müsste man wohl sagen: der Handlungsrechner brauchte einen Moment um die Existenz und Anwesenheit des Ehemannes in seine Algorithmen aufzunehmen. Ein Ehemann war eine wichtige Person, da musste der Rechner auch ein Amigo-Modell seiner Psyche aufbauen. Lucie kam dieser Vorgang nicht zu Bewusstsein - das Stutzen des Barkeepers wirkte völlig natürlich und der Situation angemessen."Er ist der widerlichste Mensch den es nur gibt! Ein Ekel! Und dazu noch eifersüchtig! Er verfolgt mich .. Sie sehen es ja: jetzt ist er sogar hier an Bord! Eines Tages werde ich ihn noch umbringen! Umbringen werde ich ihn! Um-brin-gen!"
Der Barkeeper versuchte sie zu beruhigen.
"Noch einen Haschwhisky!"
Der Barkeeper mixte und reichte ihr das Glas hin.
Sie tat als ob sie es annehme und griff zur Flasche."Wo ist er hingegangen? Sagen Sie es mir, ich muss mit ihm reden! Ich muss....!"
Der Barkeeper befragte über das Intercom seine Kollegen vom Bordpersonal. Dann wandte er sich zurück an Lucie:"Man hat ihn im 25.Stock im Club gesehen."
Lucie stürmte sprang aus ihrem Sessel auf und stürmte mit angedeuteten Schritten los.Durch den Gang, zum Aufzug. Eine Kabine wartete, sie sprang hinein:
"Zum 25.!"
Die Kabine schoss in die Höhe, fuhr durch bis zum 25. Stockwerk. Einladend schummerig drang das Licht aus der offenen Tür zum Club. Lucie stürmte hinein. Wo war Walt? Da saß er ja an einem der kleinen Tische, zeigte irgendeiner aufgetakelten Person seine Briefmarken."Finde ich Dich hier?! Spielst Du mit Deinen Papierschnipseln? Meinst Du, Du kannst dieser Person damit imponieren?!"
Walt blickte auf. "Lass mich jetzt lieber allein, es gibt Zoff!" wandte er sich an seine Begleiterin. Sie erhob sich und verschwand.
"Was willst Du – fette Schnecke?" Er flüsterte die Beleidigung.
Rasende Wut stieg in Lucie hoch. "Du mieses Schwein! Ich bring Dich um, ich bring Dich um!"
"Wollen wir uns mal so richtig streiten? Aber doch nicht hier mein süßes Dickerchen! Nicht in aller Öffentlichkeit! Komm runter in die Kabine! – Du zögerst? Hast Du Angst vor mir? - Ich geh schon mal vor! Am besten, Du beruhigst Dich etwas an der frischen Luft – das wird Deinem wirren Gehirn gut tun - und dann kommst Du runter."
Mit höhnischem Grinsen erhob er sich und schritt zum Ausgang.
Lucie zitterte vor Wut. In der rechten Hand hielt sie die schwere Flasche mit dem Haschwhisky.
Der gläserne Aufzugkabine schloss sich vor ihrer Nase. Sie sah nur noch Walt grinsen, dann schoss die Kabine nach unten. Es dauerte eine Minute bis die nächste Kabine kam – wie immer, wenn man es eilig hatte.
"Zum dritten Kabinendeck!"
Der Aufzug glitt nach unten.... Aussteigen..... Der Flur mit dem weichen weißen Teppich.... Um die Ecke.... Nummer 3-103.... Verdammt die Tür war verschlossen!
"Bist Du drin?! Mach auf, Du Feigling!"
Nichts. Nicht einmal ein Geräusch drang aus der Kabine.
Stand er drinnen, lauschte, amüsierte sich, weidete sich an ihrer Wut?"Mach auf mach auf mach auf!"
Sie hob die schwere Whiskyflasche, schlug zu. Mit einem hässlichen Klirren zersprang die Bildwand, spinnwebgleich zogen sich Sprünge darüber. Das Bild flimmerte vor Lucies Augen.
"Mach auf mach auf mach auf!"
Wie durch einen flimmernden roten Schleier sah Lucie die Tür sich öffnen, sah Walt erscheinen, hörte wie von fern seine höhnisch - sanfte Stimme: "Na, heute ist mein Dickerchen aber richtig in Fahrt! Was ist denn passiert?"
Lucie schlug mit der Whiskyflasche zu.
Walt sackte vor ihren Augen zusammen, unter seinem Kopf erschien ein dunkler Fleck.
Lucie ließ sich keuchend in den Sessel fallen. Es flimmerte vor ihren Augen. Aber wie gut das tat! Fast so gut wie ein Orgasmus! Vielleicht sollte sie Walt wirklich ....? Sie schloss die Augen so lange, bis ihr Atem sich etwas beruhigt hatte.
Mit kurzem Zuruf schaltete sie die gesplitterte Bildwand aus. Toll dass die trotz des Schadens weiter funktioniert hatte! Sie funktionierte trotz der Sprünge ganz normal:
Das Bild wurde undeutlich. Der Gang mit dem weißen Teppich, die Tür zu ihrer Kabine verschwanden.
Walt aber verschwand nicht. Der rote Fleck unter seinem Kopf wurde sogar langsam größer.