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Hamburg – "Rickmer Rickmers" und "Michel"
Hamburg
Am Rande des Eises2.8.2677
„Liebe Zuschauer, wir freuen uns dass Sie Tunis Television eingeschaltet haben. Heute haben wir ja auch etwas ganz besonderes zu bieten. Mit Unterstützung von GLETSCHER, der weißesten Zahncreme zwischen Nord- und Südpol, wollen wir Sie in unserer Reihe Terra X heute und in den nächsten Tagen life an einem großen Abenteuer teilnehmen lassen. Und damit auch diejenigen life dabei sein können, die gerade nicht fernsehen dürfen, übertragen wir die Reportagen auch auf unserem 14. Audio-Kanal. Wir sind sicher, es wird die aufregendste Reportage seit wir die Rechte an dieser jahrhundertealten Sendereihe erworben haben. Worum geht es? Nun wir wollen Sie life am Untergang der historischen Stadt Hamburg teilnehmen lassen, den unsere Glaziologen für das Ende dieses Monats vorhergesagt haben. Dann soll die Eisfront über Hamburg hinweggehen. Wir haben ein Expeditionsteam losgeschickt, und das wollen wir jetzt rufen! Ismael, wo seid ihr?!“
„Hier ist Ismael, Leiter der Expedition, die mit freundlicher Unterstützung von GLETSCHER, der weißesten Zahncreme zwischen Nord- und Südpol stattfindet. Wir haben die Alpen überquert und bewegen uns jetzt durch die fast menschenleere Taiga. Wie Sie sehen, ist unsere Fahrzeugkolonne auf ganz miserable, teilweise verschüttete oder überwachsene, jedenfalls seit Jahrhunderten nicht mehr reparierte Straßen angewiesen. Warum sollte man hier Straßen instandhalten? Hier leben doch nur ein paar verrückte Außenseiter, Menschen welche die Einsamkeit suchen und sich kümmerlich von der Fallenstellerei ernähren. 95% unserer so stark verringerten Erdbevölkerung lebt doch heute in den immer noch warmen äquatorialen Gegenden, vornehmlich in den fruchtbaren Gefilden der Sahara - die wenigsten von Ihnen werden wissen, dass dies vor 500 Jahren noch eine unbewohnbare Wüste war! Heute liegen die unbewohnbaren Regionen im kalten Norden. Ein schmaler Streifen Taiga hier direkt nördlich der Alpen, dann kommt Tundra, Permafrost, und noch weiter im Norden schiebt sich unaufhaltsam das Gletschereis voran. Gerade jetzt ist es in ungewöhnlich schneller Bewegung; nur ein paar Tage wird es benötigen, um das Stadtgebiet von Hamburg zu überqueren. Das wird in drei Wochen sein. Und wir werden dann dort sein und Sie mit einmaligen Bildern unterhalten! - Jetzt will ich Ihnen noch unsere Expeditionsmitglieder vorstellen: Hier ist Jonny, unser Navigator und Techniker; dies ist Leif unser Historiker und Arzt; und schließlich haben wir hier Achmed, unseren Meteorologen, Klimawissenschaftler, Glaziologen und - Koch! Jeder von uns fährt eines der Fahrzeuge; das gibt uns Sicherheit falls ein Fahrzeug definitiv ausfällt. Und jetzt noch ein paar Impressionen aus der Taiga .... lassen Sie die Bilder auf sich wirken!“8.8.2677
„Liebe Zuschauer und Zuhörer, hier ist wieder Ismael, der Leiter der Expedition zum Untergang Hamburgs. Wie Sie wissen, ermöglicht GLETSCHER, die weißeste Zahncreme zwischen Nord- und Südpol, Ihnen die Teilnahme an diesem einmaligen Abenteuer. Auf dem Weg nach dem Norden haben wir viele verlassene „Städte“ durchquert, so wie diese hier aus der wir heute berichten. Früher hieß sie einmal Nürnberg. Eine wahre „Geisterstadt“ ist es. Von weitem scheint die „Stadt“ unverändert gegenüber alten „Photographien“ von derartigen Ansiedlungen historischen Typs, aber wie Sie ganz deutlich sehen können, sind ein Teil der Gebäude zusammengebrochen, kaum ein Haus hat noch ein Dach, Fenster und Türen fehlen. Alles was aus brennbarem Holz bestand, wurde von den letzten Bewohnern herausgebrochen und verheizt im verzweifelten Kampf gegen die Kälte. Die eingedrungene Feuchtigkeit hat unter der Wirkung des Frostes viele Mauern zerbröselt.Heute, wo hier praktisch Dauerfrost herrscht, ist dieser Prozeß zum Stillstand gekommen; die Gebäude können jetzt lange so stehen, wenn sie nicht unter der Last des Schnees innerlich zusammenbrechen. Denn schon hier taut der Schnee in den schattigen Ecken gar nicht mehr weg. Wir bewegen uns jetzt zum ehemaligen Marktplatz.... heute abend werden wir die Geländereifen unserer Fahrzeuge durch Raupenketten ersetzen. Im Bereich des Permafrostes, der nur die obersten paar Zentimeter jetzt im Sommer auftauen lässt, werden wir damit besser vorankommen.“
15.8.2677
„Hier ist wieder Ismael, Leiter der von GLETSCHER, der weißesten Zahncreme zwischen Nord- und Südpol, ermöglichten Expedition nach Hamburg. Ich muss Ihnen eine sehr traurige Mitteilung machen... ich kann es vor Ihnen nicht verbergen.... denn viele von Ihnen können trotz unserer Abhängigkeit vom Mini-PC noch weiter als bis drei zählen ... Gedächtniskünstler kommen ja sogar bis hundert! Also: unser Expeditionsmitglied Jonny lebt nicht mehr. Ich kann Ihnen sein Ende nur im Replay zeigen; in den entscheidenden paar Minuten waren wir nicht auf Sendung. MAZ ab!
Sehen Sie hier: Jonny fährt mit seinem Fahrzeug 500m voraus - wir halten aus Sicherheitsgründen immer einen gewissen Abstand. Irgendetwas stimmt nicht mit seinem Fahrzeug ... sicher ein Problem mit den verdammten Ketten. Die rechte Kette ist glühend heiß, meldet Jonny über Funk. Und die Kühlwanne des Antriebsreaktors glüht auch. Sehen Sie was passiert? Wir sind im Gebiet des Permafrostes. Die vom Fahrzeug ausgestrahlte Hitze lässt den Boden aufschmelzen... das Fahrzeug sinkt ein und neigt sich dabei zur Seite mit der heißen Kette. Auch Jonny sinkt ein... er will sich auf das Fahrzeug retten, es gelingt ihm auch ... da, jetzt kippt das Fahrzeug um und begräbt ihn unter sich.... Zehn Minuten später verschwindet das Fahrzeug ganz im Boden....
Ich darf Ihnen versichern, wir waren ebenso erschüttert wie Sie jetzt zu Hause an Fernseher und Audio. ...... Wir haben beschlossen, die Expedition fortzusetzen. Das sind wir Jonny und Ihnen und GLETSCHER schuldig.“21.8.2677
„Wir haben die Harburger Berge erreicht. Mit der Teleoptik können wir uns einen guten Überblick über die Lage verschaffen. Sie sehen es selbst: die Mauer des herandrängenden Eises hat die Außenbezirke Hamburgs schon überrannt. Wir sind gerade zur rechten Zeit gekommen. Sie können den Fernsehturm erkennen, auch das Rathaus steht noch.... Morgen gehen wir näher heran, werden uns auch in der Stadt noch etwas umsehen....“23.8.2677
„Wir haben den als „Michel“ bekannten Kirchturm bestiegen. Die äußere Verkleidung ist weg gerottet, aber die Stahlkonstruktion steht noch, die Treppen sind - mit Vorsicht - noch brauchbar. Die ganze Konstruktion vibriert ständig - Widerhall des grummelnd und krachend sich voranschiebenden Eises. Wir haben unsere Kameras ganz oben aufgebaut. Von hier sind uns heute ganz einmalige Aufnahmen gelungen, die wir Ihnen nun im Zeitraffer zeigen werden.
Wie Sie sehen, hat die Eismauer den Fernsehturm erreicht. Die Eismauer ist vielleicht 50 - 60 m hoch, der Fernsehturm vielleicht 300m. Hier sieht es noch so aus als wolle das Eis um den Turm herumfließen... es schließt seinen Fuß ganz ein... Aber jetzt, sehen Sie: ein Ruck geht durch den Turm! Das Eis hat ihn aus den Fundamenten gerissen wie einen Baum aus den Wurzeln, und führt ihn jetzt mit sich.
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Hamburg – Galionsfigur der „Rickmer Rickmers“Der Turm beginnt sich zu neigen - und bricht in halber Höhe ab! Das Eis führt den Stumpf mit sich, der sich ganz langsam mehr und mehr auf die Seite legt....“
24.8.2677
„Heute können wir Ihnen life den Untergang des Hamburger Rathauses zeigen - lassen Sie die Bilder ganz einfach auf sich wirken!........“25.8.2677
„Wir haben unsere Stellung auf dem „Michel“ aufgeben müssen. Die Eiswand hat sich bedrohlich herangeschoben; das Eis muß jetzt über die Geestkante herüberfließen und hinunter zum alten Strombett der Elbe, wer weiß was da passiert! Wir haben beschlossen, dem nahebei liegenden Segelschiff „Rickmer Rickmers“ einen Besuch abzustatten, ehe es vom Eis verschlungen wird. Wie sind jetzt auf dem Weg dorthin, eigentlich nur ein paar hundert Meter. Aber auf der Elbe haben sich riesige groteske Eisschollen aufgetürmt und am Ufer hochgeschoben. Wir müssen die Fahrzeuge stehen lassen und gehen zu Fuß weiter... entschuldigen Sie bitte wenn das Bild der Handkamera etwas schwankt trotz Stabilisator... wir klettern über die Schollen... jetzt bewegen wir uns an der Rumpfseite entlang.... das Eis hat den Stahl teilweise blankgeschliffen, nur oben sind noch grüne Farbreste.... jetzt sind wir am Bug..... fast unter der Galionsfigur eines kleinen Jungen liegen zwei Walrosse mit gewaltigen Hauern ... ob die wohl „Antje“ heißen? Hahaha! Lieber zurück... über eine große Eisscholle klettern wir an Bord.
Jetzt steige ich die Treppe hinab in den Rumpf des Schiffes, taste mich im Licht des Handscheinwerfers voran. Die anderen bleiben draußen ... wir wollen kein unnötiges Risiko eingehen! Da, schauen Sie! An den Wänden hängen lauter Bilder die das Schiff zeigen...hier unter Segeln.... hier im Hafen. Dieses Bild hier ist besonders interessant... um das Schiff herum sind viele Details gezeigt... darunter stehen Erklärungen in der alten Schrift.... hier links unten der Name des Malers... nein es sind zwei: Beate Grö – und HG K- mehr kann man nicht mehr........
mein Gott, was ist das?! Das ganze Schiff bebt! Ein Krachen und Dröhnen - kaum höre ich die Schreie der Kameraden da draußen: „Raus! Raus! Nur weg!“ ----- Ich renne --- die ---Treppe ---hoch---- oh mein Gott das Eis! Die ganze Wand ist in Bewegung! Drüben bricht sie über dem „Michel“ zusammen --- und hier ---- über mir ..........“
„Liebe Zuschauer und Zuhörer, die Verbindung zu unserem Expeditionsteam ist abgebrochen. Wir müssen unsere Übertragung beenden. Sie wurden Zeuge der aufregenden Ereignisse dank der freundlichen Unterstützung von GLETSCHER, der weißesten Zahncreme zwischen Nord- und Südpol .....“