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Wedel, Holstein - Der Roland
(Mittelalterlichs Symbol für die Freiheiten und Rechte der Stadt)

Wedel – Der Roland

Meine lieben Besucher von Titan 2!
Sie haben eine lange Reise auf sich genommen um auf diesem Planeten den Spuren Ihrer – unserer - Urahnen nachzugehen. Einiges haben Sie schon in den vergange-nen Tagen an verschiedenen Orten  gesehen. Heute Morgen durfte ich Ihnen beim Gang durch dieses vom Urwald verschlungene Ruinenfeld von W'd'l  Überreste ural-ter Bauten und – in unserem kleinen Museum – allerlei Artefakte zeigen: pathetische Zeugnisse von den Anfängen unserer Kultur. Allzu wenig hat ja die große Katastrophe vom galaktischen Jahr 3212 übriggelassen!

Jetzt aber kommen wir zu einem erstaunlichen Monument, durch unwahrscheinliche Umstände vorzüglich erhalten: "Der Große Mann von W'd'l".  Natürlich haben Sie ihn schon auf Bildern oder als Hologramm gesehen, aber die Wirklichkeit wird Sie überwältigen!........ Folgen Sie mir !

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Sie haben den erstaunlichen Anblick auf sich wirken lassen ..... jetzt treten Sie ruhig näher! Und seien Sie unbesorgt: diese seltsamen Tiere – Sie kennen Sie vielleicht unter der Bezeichnung "Affen",  haben sie aber noch nie lebendig gesehen – sie finden sich hinter einer Gravitationswand, ein körperlicher Kontakt ist ganz unmöglich. Diese Wand war zum Schutze des einmaligen Artefaktes ohnehin notwendig .... wir fangen "zwei Asteroiden mit einem Gravitationsnetz", wie man so schön sagt.

Sie wissen, dass diese "Affen" als engste Verwandte unserer Vorfahren gelten. Wenn Sie  den "Großen Mann" mit diesen Tieren vergleichen, werden Sie die Plausibilität dieser Hypothese leicht einsehen. Bedenken Sie dabei: Es gibt keinerlei Zweifel dass wir Titanier von den sogenannten "Menschen" dieses Planeten abstammen. Dennoch ist die körperliche Ähnlichkeit zwischen unseren schönen und grazilen Gestalten und unseren plumpen Vorfahren weit geringer  als die zwischen diesen unseren Vorfahren, den "Menschen",  und den "Affen"!.

Wie meinen Sie? Dass wir so groß und schlank sind sei eine Folge der geringen Schwerkraft auf Titan2 ? Ja, da haben Sie sicher recht. Weil wir für die hohe Gravitation nicht gebaut sind, müssen Sie und ich ja hier auch die Anti-g-Anzüge tragen.

Jetzt aber treten Sie näher und schauen Sie sich alles gut und gründlich an!

Plump? Ja, sie haben da schon recht: gleich auf den ersten Blick fällt die plumpe Gestalt dieser Wesen auf – bei den Affen wie bei dem  "Großen Manne", ja, bei diesem besonders. Hals? Fehlanzeige! Tief steckt der Kopf zwischen den Schultern. Kurz und massig sind die Gliedmaßen; kräftig, gewiss, aber durchaus nicht schön. Sodann beachten Sie bitte die Körperbedeckung der Affen mit einem langhaarigen Fell. Auch bei dem "Großen Mann" überwuchert solches Fell ein Gutteil des Gesichtes, ganz wie bei dem kleinen Affen der gerade auf der Figur herumklettert. Bruchstücke anderer Figuren von frühen Menschen belegen, dass ihr Körper selbst nicht mit Fell bedeckt war. Warum sich nun gerade im Gesicht ein Fellrest erhalten hat, ist eines der ungelösten Rätsel der Evolution. Praktisch kann das nicht gewesen sein, sicher hatte ein solcher "Mensch" beim Fressen ständig Speisereste in seinem Gesichtsfell.

Wie, die Figur ist sehr bunt? Ob die Farben echt sind? Ja-a,  sie sind echt in dem Sinne dass Farbreste erhalten waren die eine zweifelsfreie Restaurierung erlaubten.

Was das überhaupt für bunte Lappen und Schuppen und  Rippen sind? Das genau wollte ich Ihnen gerade erklären. Als unsere Vorfahren in dieser Gegend lebten, zur Zeit als diese Figur entstand, da war das Klima so kalt dass diese bedauernswerten Wesen ihren fortschrittlich nackten Körper mit einer Schutzhülle bedecken mussten; man könnte gutwillig sagen: sie trugen eine Art Kleidung. Diese "Kleidung" wurde aus Pflanzenfasern gewebt und mit allerlei Farben und Mustern verziert -  ein angesichts des primitiven Zivilisationsstandes erstaunlicher wenn auch etwas abartiger Sinn für Ästhetik.

Die Form und Farben der Kleidung wurden nicht willkürlich oder allein nach funktionellen Gesichtspunkten gewählt. Unsere Archäologen, Paläo-Ethnologen, Kunsthistoriker und Psychologen haben sich in langen Diskussionen darauf verständigt, dass sich in den Formen und Farben das Bewusstsein unserer Vorfahren für ihre Verwandtschaft mit den sogenannten Affen ausdrückt, ja sogar der Wunsch ihnen wieder gleich zu werden. Deswegen erinnert die "Kleidung" so stark an die gewaltigen Fellmähnen der Affen. Deswegen waren die seltensten Farben gerade gut genug: Blau und Gold und Rot, wie bei dem Affen der uns da vorne gerade anstarrt.

Besonders interessant ist die lange purpurrote Ersatzmähne die dem "Großen Mann" über den Rücken hängt. Warum gerade purpurrot? Ahnen Sie es?

Nun, unser Wissenschaftler sind sicher dass hier eine besondere Würde, Kraft und Majestät ausgedrückt werden sollte. Bei den stärksten Affen, den Anführern der Horden,  finden wir eine gewaltige Haarmähne, soweit ist die Symbolik klar. Was an den Affen aber sonst noch besonders auffällt sind die kräftig purpurroten Gesäße, Zeichen starker sexueller Aktivität. Da unsere Vorfahren wegen der Notwendigkeit Kleidung zu tragen ihr Gesäß nicht zur Schau stellen konnten, haben sie die Purpurfarbe als Symbol machtvoller Sexualität übernommen und damit ihrer künstlichen Mähne doppelte Aussagekraft verliehen.

Damit sind wir schon ganz nahe an der Deutung der seltsamen Gegenstände die der "Große Mann" in den Vorderpfoten hält. Sollte nur die Fähigkeit zum Gebrauch von primitiven Werkzeugen angedeutet werden, wie sie schon gewissen Affen eignet? Nein! Unsere Wissenschaftler sind zu einer ganz anderen Deutung gekommen!

Im Museum ist Ihnen sicher schon aufgefallen dass immer dann wenn uns Titaniern etwas an unseren Vorfahren ganz unverständlich erscheint, unsere Paläo-Ethnologen auf die bisexuelle Obsession der "Menschen" verweisen. So auch hier:   Die Wissenschaftler  sagen dass der lange Gegenstand in der rechten Pfote der "Großen Mannes" eindeutig ein Symbol besonderer Manneskraft sei – ein erigierter Penis, sozusagen. Nicht zufällig, sagen sie, scheint der lange Gegenstand aus der provozierenden, auffälligen Halbkugel der Kleidung im Genitalbereich herauszuwachsen.  Und der Ball in der anderen Pfote nimmt diese Form wieder auf, ist also ebenfalls ein Hinweis auf herausragende sexuelle  Potenz. Unsere Wissenschaftler gehen sogar so weit zu mutmaßen, dass das dreispitzige Gebilde auf dem Ball (es wiederholt sich auf der sicher nicht zufällig so seltsam eichelartig geformten Kopfbedeckung) ein Hinweis darauf ist dass der dargestellte "Große Mann" drei Weibchen sein eigen nannte!


Wedel – Der Roland

Summa summarum kommen unsere Wissenschaftler zum Schluss, dass wir in der Figur des "Großen Mannes von W'd'l" einen hervorragenden, sexuell besonders aktiven Anführer einer größeren Horde zu sehen haben. Sein Bildnis hat er wohl anfertigen lassen damit es, im Falle seiner zeitweiligen Abwesenheit,  ihn gewissermaßen vertrete und bei anderen Männern seiner Horde keine rebellischen Gedanken aufkommen lasse.

Wie dem auch sei, Sie haben hier das bedeutendste erhaltene Artefakt unserer Vorfahren vor sich.

Haben Sie noch Fragen? Nein? Dann wollen wir uns zum Mittagessen begeben. Wir werden zur Feier des Tages nicht nach unserer Art als Titanier speisen, sondern  - nach Art unserer Vorfahren! Ich sollte es vielleicht nicht verraten, aber freuen Sie sich auf eine besondere Delikatesse: Als Hauptgericht gibt es  Affensteak "a la Großer Mann"!
 
 

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