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Das große Echo


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Die folgende Nachricht wurde durch das Überwachungssystem "Echelon Europa Mk4" abgefangen. Ihre Auslieferung an den vorgesehenen Empfänger wurde gemäß §181b Absatz 2 des "Kommunikationssicherstellungsgesetzes" verhindert.
 

"Meine liebe Freundin!

Wie schade dass Du nicht mit mir an Bord sein kannst, aber Auftrag ist Auftrag, das verstehe ich schon. Und wir sehen uns ja auf Malta!

Die ersten Tage an Bord der CMA CMG "Jules Vernes" waren ebenso interessant wie erholsam. Seitdem mir mein Vater vor zig Jahren ein Schiffsmodell mitgebracht hat – so ein teures, richtig nostalgisches Blechmodell – wollte ich immer auf einem großen "Dampfer" mitfahren. Wenn schon nicht als Kapitän, dann wenigstens als Gast!

Und die "Jules Verne" ist groß!  500m lang, 45m breit, über 20 000 Standardcontai-ner! Klar, dass es für solche Schiffe nicht ganz einfach ist ein enges Gewässer wie die Elbe zu befahren. Hätte man den Fluss nicht in den letzten 10 Jahren mächtig vertieft und begradigt, wäre Hamburg heute im maritimen Dornröschenschlaf wie Dein Stade! Ich konnte das Auslaufen und die Fahrt die Elbe hinunter auf der Brücke beobachten – aufregend, sage ich Dir!

Tatsächlich halte ich mich hauptsächlich auf der Brücke auf, und dort wurde ich auch Zeuge des Vorfalls der jetzt soviel Aufsehen erregt: Das Verschwinden der "Sea Prinzess" mit 2000 Menschen im Mittelmeer. Und ich kann Dir darüber etwas mehr erzählen als in der Zeitung steht. Aber erzähle es nicht weiter – wir alle hier sind zur Verschwiegenheit über die letzten 10 Minuten vor dem Verschwinden des Schiffes verpflichtet worden. Du kannst Dir schon denken von wem!

Vorgestern also war es. Seit dem Frühstück war ich auf der Brücke. Der 3. Offizier hatte die Wache. Um 10:30 hatten wir Algier querab gehabt und liefen jetzt mit 32 Kts SOG auf Kurs 81°. Entgegen der Juni-Karte für das Gebiet hatten wir 1,5 sm/h Gegenstrom. Es war etwas diesig, die Sicht betrug nur  5 sm – nach Aussage des Wachhabenden typisch für das westliche Mittelmeer in dieser Jahreszeit.

Das Radarbild zeigte dass wir im Begriff waren ein anderes Schiff zu überholen. Nach dem ASIS (Automatic Ship Identification System) war es die "Sea Princess", etwas kleiner und ein paar kts langsamer als wir. Der Wachhabende nahm eine kleine Kurskorrektur nach Steuerbord vor um in gehörigem Abstand zu passieren. Man konnte das Schiff schon schemenhaft sehen – Entfernung 4 sm

Ich hatte mich eben in die Seekarte vertieft, als hochblickend mir das seltsame Benehmen des 3.Offiziers auffiel. Abwechselnd starrte er auf den einen, dann auf den anderen Radarschirm, dann mit dem Glas hinaus nach 6 Strich Backbord, schüttelte den Kopf....

Ich tat zum Kontrollpult und sah auf dem Radarschirm ein riesiges Echo querab von uns – Entfernung so etwa 2 sm. "Wo kommt denn der her?" fragte ich, aber der Wachhabende zuckte nur die Achseln, "ASIS" kennt es nicht!" knirschte er, biss sich auf die Lippen. Mit dem Glas suchte er an Backbord das Meer ab. Ich trat hinaus auf die Backbordnock – und sah nichts. Absolut nichts! Das Meer war leer! 2sm Entfernung – ein riesiges Echo – und nichts ist da!

Ich kehrte ins Brückenhaus zurück. Der Wachhabende hatte offenbar den Kapitän alarmiert, denn der "Master" kam soeben zur Tür hereingestürzt. Die beiden diskutierten nicht ohne eine gewisse Erregung die ungewöhnliche Situation. Das Radarecho war noch weiter gewachsen, zeigte so etwas wie ein Pulsieren, und befand sich offenbar auf einem Abfangkurs zu unserem eigenen Schiff!  Es war jetzt nur noch 1 sm entfernt, aber immer noch war nichts zu sehen!

Plötzlich änderte das unsichtbare Objekt seinen Kurs,  jetzt lief es offenbar auf die "Sea Princess" zu., die wir 1 Strich an Backbord voraus jetzt schon klar und deutlich sehen konnten  – der riesige Blop auf dem Radarschirm überlagerte das Echo der "Sea Princess"  - und das ganze Echo verblasste und verschwand -  und das Schiff vor uns verschwand auch – es verblasste einfach – und war weg. Weg!  Ganz einfach – weg! Ein großes Schiff, 1500 Passagiere, 500 Mann Besatzung - nichts mehr! Das Meer aber war und blieb ruhig.

Natürlich liefen wir auf die Stelle zu, natürlich rief der Kapitän sofort die Küstenwache, natürlich versammelten sich immer mehr Schiffe um zu helfen und retten. Aber da war nichts - absolut nichts. Auch die automatische Seenotboje, die auch heute noch jedes Schiff fährt, schwamm nicht auf, wie ich dem erregten Funkverkehr entnehmen konnte.

Aber das stand ja wohl auch alles in den Zeitungen, im Internet, kam im Fernsehen... Nur das Vorspiel mit dem riesigen Radarecho, das wurde nicht veröffentlicht. Du kennst es jetzt, und wirst Dir Deine Gedanken darüber machen. Aber erzähl es nicht weiter - wie gesagt, wir wurden auf Stillschweigen eingeschworen!

Durch den ganzen Vorfall ist unser Reiseplan durcheinander gekommen. Wir werden einen Tag später in Malta eintreffen. Willst Du Deinen Flug noch umbuchen?

Ich muss jetzt Schluss machen, es klopft an der Tür!"

2

Die folgende Nachricht wurde durch das bordeigene Überwachungssystem "Tiefes Ohr" des Raumkreuzers "Galaktischer Horizont" abgefangen. Ihre Auslieferung an den vorgesehenen Empfänger wurde gemäß §9  Absatz 2 des "Galaktischen Kommunikationsgesetzes" verhindert.
 
 

"Meine liebe Freundin!

Wie schade dass Du nicht mit mir an Bord sein kannst, aber Auftrag ist Auftrag, das verstehe ich schon. Und wir sehen uns ja nächstes Jahr auf Sirius 2!

Die ersten Tage an Bord des Raumkreuzers  waren ebenso interessant wie erholsam. Seitdem mir mein Vater vor zig Jahren ein Raumschiffmodell mitgebracht hat – so ein teures, richtig nostalgisches Plastikmodell – wollte ich immer auf einem gro-ßen Raumkreuzer mitfahren. Wenn schon nicht als Astronaut, dann wenigstens als Gast!

Und die "Galaktischer Horizont" ist groß!  1500m lang, über 20 000 Standardcontainer im Frachtraum!

Ich halte mich hauptsächlich auf der Brücke auf, und dort konnte ich gestern beobachten, wie auf einem kleinen Planeten eine größere Menge Materials an Bord genommen wurde. "So ein Ding nennen wir ein 'Schiff' " erklärte mir der Wachhabende Offizier.

Hinterher habe ich beim Abendessen den Kapitän ausgefragt. Er war bester Laune und erzählte wohl etwas mehr als er sollte. Stell Dir vor: Die "Galaktischer Horizont" hat einen geheimen Forschungsauftrag: "Beitrag zum galaktischen Kataster im Sektor 13/23, inklusive der Erfassung indogener Intelligenzformen"!

"Gelten die kleinen Lebewesen auf dem –äh: Schiff - denn schon als intelligent?" fragte ich den Kapitän.
"Gerade die Grenzfälle sind für unsere Forschung so interessant!" erklärte er mir.
"Und was passiert mit den kleinen Lebewesen jetzt?"" fragte ich weiter.
"Ein Teil wird durch unsere Wissenschaftler an Bord untersucht. Aus einem kleinen Teil machen wir Anschauungspräparate für Museen und Vergnügungsparks. Ein großer Teil wird eingefroren. Auf Sirius 2 können sich dann die Forscher damit beschäftigen, oder sie kommen in den Kleintierzoo, oder werden als Haustiere verkauft!"
"Wer will sich so etwas als Haustier halten?!"
"Sie werden sich wundern was die Leute auf Sirius 2 sich so alles kaufen!"
Zuletzt fragte ich: "Und wozu haben wir das 'Schiff' an Bord genommen? Das ist doch grotesk primitive Technik!"
Dem Kapitän war diese Frage wohl etwas peinlich, aber er gab zu: "Mein kleiner Sohn hat mich gebeten ihm ein schönes Spielzeug mitzubringen!"

Ich muss aufhören, es klopft an der Tür!"
 

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